Das Schlimmste ist nun hinter uns, vermelden die Experten der Finanzindustrie. Es sind die gleichen Experten, die uns vor gerade einmal ein paar Monaten vor einer Weltwirtschaftskrise gewarnt hatten. Was stimmt denn nun und was dürfen wir noch glauben? Sollen wir den Champagner kalt stellen oder den Vorrat an Magenbitter aufstocken? Ganz nüchtern betrachtet halte ich die aufkommende Euphorie für ziemlich unausgegoren.
Seit die Banken die Möglichkeit erhalten haben, Ramschanleihen bei den Zentralbanken zwischen zu lagern, haben sich die Preise für diese Anleihen wie auch die Börsen generell ein wenig erholt. Immer noch auf dem Krankenbett liegt hingegen der amerikanische Immobilienmarkt, dessen Schwächeneigung erst zur Kreditkrise geführt hatte. Wie ist es also möglich, dass der Patient krank ist und sich die hypothekengesicherten Anleihen dennoch erholen?
Die Bilanz der FED (via Big Picture)

Dass die Investoren auf eine schnelle Gesundung des Liegenschaftenmarkts wetten, kann den Kommentaren nicht entnommen werden. Es fehlt die Nachfrage und auch am fernen Horizont ist keine neue Käuferschicht erkennbar, welche den klammen Amerikanern kursstützend unter die Arme greifen könnte. Viel wahrscheinlicher scheint es mir, dass die Finanzmärkte davon ausgehen, dass der Steuerzahler die Zeche bezahlen muss.
Ob diese Wette auch aufgeht, muss sich erst noch zeigen, doch unwahrscheinlich ist es nicht, denn Investmentbanken dürfen nicht bankrott geben, weil die Derivate in ihren Büchern zu einem weltweiten Dominoeffekt führen würden. Bereits im Jahre 2002 hatte Warren Buffett die Derivate "finanzielle Massenvernichtungswaffen" genannt und wer Massenvernichtungswaffen hat, der darf nur ganz sachte angefasst werden. (Deshalb ging ich auch immer davon aus, dass die USA wussten, dass es im Irak keine Massenvernichtungswaffen hat, aber das ist ein anderes Thema).
Das Ende der Krise ist somit nur absehbar, wenn die Verluste bei den Banken via Zentralbanken zum Steuerzahler durchgebucht werden können, wie es im Falle von Bear Stearns, Northern Rock und einigen deutschen Landesbanken bereits geschehen ist. Der ganz grosse Teil liegt aber nur bei den Zentralbanken zur Leihe und muss, sofern sich nichts ändert, von den Banken wieder zurück genommen werden.
Aber das ist noch nicht alles. Der einzige Grund, weshalb das Kreditkartengeschäft nicht eingebrochen ist, liegt daran, dass die Zentralbanken auch Anleihen welche mit Kreditkarten gesichert sind, entgegen nehmen. Ein Markt für diese Anleihen gibt es auch heute noch nicht. David A. Rosenberg von Merrill Lynch sagt dazu (von mir in dt. übersetzt):
Die Fed verschlechtert kontinuierlich seine eigene Bilanz durch die andauernden Rettungsaktionen. Wie die Märkte und auch die Medien dazu kommen, dies positiv zu interpretieren, bleibt ein Mysterium. (Quelle)
Gedanken um die Bilanzen der Zentralbanken macht sich auch Willem Buiter, der heute an der London School of Economics (LSE) lehrt und einige Jahre dem Führungsgremium der Bank of England angehörte. In einer gerade veröffentlichten Studie kommt er zum ernüchternden Schluss:
"Die Entscheidungen der amerikanischen Zentralbank (Fed) und der Bank of England, im Rahmen ihrer Liquiditätsversorgung den Geschäftsbanken nicht nur sichere Staatspapiere, sondern auch private Kreditmarktpapiere abzukaufen, kann ihre Solidität unterminieren." und weiter...
„Bevor die gegenwärtige Krise Geschichte wird, werden die Fed, die EZB und die Bank of England vermutlich erhebliche Beträge an illiquiden und möglicherweise fragwürdigen Vermögensgegenständen in ihren Bilanzen haben.“
Und diese Bilanzen sind nicht sehr solide aufgestellt. Mehr dazu bei der FAZ
Und nachwievor offen ist auch die Frage, wie die Konsumenten wieder auf die Beine kommen sollen, jetzt wo die Inflation bei den Nahrungsmitteln und Energiepreisen und eine Deflation bei den Immobilien gleichzeitig aufeinander treffen.
Der amerikanische Konsumentenindex (University of Michigan: Consumer Sentiment)

Man kann es drehen und wenden wie man will, jemand muss für den Konsumboom der Amerikaner der letzten Jahre gerade stehen. Die bis jetzt gemachten Abschreibungen reichen dazu definitiv nicht aus.
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Geschrieben von: Robert , am 21-05-2008 00:26 Mich erinnern diese Aussagen an Franz Beckenbauer vor und nach der WM. Vor der Wm war Klinsmann der Buhmann, der nur bei schönem Wetter nach Deutschland flog und nicht der richtige sei. Nach der WM bedauerte er dessen Rücktritt und nun wird er sogar Trainer beim FC Bayern. Woher der Wind auch weht... genauso sehe ich die Aussagen hier. Spannend wäre eine Trefferquote soweit messbar im Rückblick. Artikel kommentieren
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