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Grossbanken auf dünnem Eis |
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Sonntag, 22. Juni 2008 |
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Seite 1 von 2 Das Eigenkapital im Verhältnis zur Bilanzsumme soll per Ende März bei der UBS gerade einmal 1 Prozent betragen haben und dennoch konnte sich die UBS damals als solid finanzierte Bank bezeichnen. Das scheint absurd, war aber juristisch völlig korrekt. Die UBS bewegt sich damit auf dünnem Eis - aber nicht alleine. Die Deutsche Bank soll per Ende 2007 noch schlechter als die UBS kapitalisiert gewesen sein.
Mit einer erneuten Kapitalerhöhung über 15 Mrd. Fr. soll die Kapitalisierung der Bank gestärkt werden, hiess es in einer Pressemitteilung der UBS vom 1. April um damit «ihre Stellung als eine der solidesten und best kapitalisierten Banken der Welt» zu behaupten. (Quelle Kapitalerhöhung von 15 Milliarden Franken soll Kernkapitalquote stärken)
Doch wie solide die UBS wirklich ist, ist reine Auslegungssache. Die Wirtschaftssendung ECO des Schweizer Fernsehens kam zu einem ganz anderen Schluss. Laut ECO betrug die Eigenkapitalquote der UBS - das Eigenkapital als Prozentsatz der Bilanzsumme - per Ende März gerade einmal 1 Prozent. Die Eigenkapitalquote der Credit Suisse lag zum gleichen Zeitpunkt bei 3.1 Prozent.
Zum Vergleich: Die Eigenkapitalquote der Schweizer Grossbanken betrug in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts noch 20 Prozent und sank danach kontinuierlich auf 5 Prozent Mitte der 60er Jahre. Nach langen Jahren der Stabilität sank sie dann ab Mitte der 90er Jahre weiter und erreicht im März 2008 den absoluten Tiefpunkt.
Manuel Amman, Professor für Finanzmarkttheorie an der Uni St. Gallen, sieht den Grund für diesen Rückgang im gestiegenen Renditedenken der Grossbanken. Das Eigenkapital hat abgenommen, weil der Druck der Kapitalmärkte und Aktionäre da war, eine höhere Rendite zu erwirtschaften. Kurzum, weniger Sicherheit für mehr Profit.
Die Banken berechnen ihr Eigenkapital nach einer international anerkannten Messgrösse. Sie gewichten ihr Fremdkapital nach unterschiedlichen Risiken. Das risikogewichtete Fremdkapital hat bei den beiden Grossbanken einen tieferen Wert als das ungewichtete. Die Schweizerische Nationalbank vergleicht regelmässig das risikogewichtete Eigenkapital (Kernkapitalquote). Die UBS und die Credit Suisse schneiden in dieser Betrachtung international unter 52 internationalen Grossbanken gut bis sehr gut ab. Die beiden Institute liegen dabei zum Beispiel vor der Deutschen Bank oder der Citigroup. Daraus ergibt sich auch die Meldung der UBS, die sich selbst als solide bezeichnet.
Deutlich anders sieht es bei der ungewichteten Eigenkapitalquote per Ende 2007 ab. Die Schweizer Grossbanken rutschen auf die hintersten Plätze ab. Ganz am Schluss dieser Rangliste lag per Ende 2007 die Deutsche Bank.
Sendung von ECO inklusive Charts
Um es einmal ganz einfach zu formulieren: Das ungewichtete Eigenkapital entspricht der Differnz von Soll und haben. Und da sieht es bei der UBS sehr dünn aus. Auf noch dünnerem Eis bewegt sich nur die Deutsche Bank.
Wer sich hingegen auf die Kernkapitalquote verlässt, nach der die UBS nach offiziellen Aussagen nach wie vor sehr gut dasteht, der verlässt sich auch darauf, dass die Experten die Risiken richtig einschätzen. Ein gefährliches Unterfangen, wie wir inzwischen erfahren haben.
Zu ähnlichen Zahlen kommt die Schweizerische Nationalbank in ihrem Jahresbericht. Da heisst es in der Presseerklärung von Philipp Hildebrand:
Seit Mitte der Neunzigerjahre hat der durchschnittliche Verschuldungsgrad der beiden Grossbanken von 90% auf über 97% zugenommen. Das heisst, auf 3 Franken Eigenkapital kommen über 97 Franken Fremdkapital. Auch im internationalen Vergleich ist dieses Verhältnis sehr hoch. Aus Sicht der Eigenmittelrendite mag ein hoher Verschuldungsgrad für die Banken zwar attraktiv erscheinen. Aus Sicht der Finanzstabilität ist ein hoher Verschuldungsgrad aber auch eine Gefahrenquelle. So sind in der gegenwärtigen Krise bei den Schweizer Grossbanken Verluste auf Risikopositionen entstanden, die im Vergleich zu den Gesamtaktiven relativ klein sind. Wegen des hohen Verschuldungsgrads haben diese Verluste im Falle der UBS jedoch fast die Hälfte der Eigenmittel der Bank vernichtet.
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