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Gedanken zum Thema Zins PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 16. Januar 2008
Image Geld ohne Zins ist ein Geschenk! Als ich diesen Satz das erste Mal hörte, begannen sich meine Gehirnwindungen wie wild zu drehen. Ist das möglich?

Stellen wir uns einmal vor Sie geben einem Freund 1'000.00 Euro zinsfrei für ein Jahr. Der Grund, weshalb Sie dies tun ist VERTRAUEN. Das lateinische Wort für Vertrauen ist credere (KREDIT!). Wenn er Ihnen nach einem Jahr die tausend Euro zurück bezahlt – sich dem gegebenen Vertrauen also würdig erweist, ist alles wieder beim alten.

Was würde nun passieren, wen dies alle so machen würden? Ihr Freund würde Ihnen das Geld zurückzahlen, um es beim Nächsten wieder neu auszuleihen. Da er keinen Zins bezahlen muss, hat dies für ihn auch keine Konsequenzen. Dies kann er bis zu seinem Lebensende so weiter machen. Den Letzten beissen dann die Hunde, der Kredit ist verspielt.

Bei zinsfreiem Geld gibt es für den Kreditnehmer keinen Grund sich durch Arbeit das Geld selbst zu verdienen, ausser dem schlechten Gewissen, Schulden mit ins Grab zu nehmen.

Der Zins ist nichts anderes als der Preis für das Risiko, dass der Kreditnehmer den Kredit nicht zurück bezahlen kann oder will. In einem perfekten Markt muss folglich der Zins der Ausfallwahrscheinlichkeit eines Kredites entsprechen.

Wer daran glaubt, dass man mit Zinsen reich werden kann, kennt folglich nur die Risiken nicht. Das ist die logische Konsequenz aus der obigen Ueberlegung. Und Gläubige gibt es tatsächlich mehr als genug, wie uns die aktuelle Finanzkrise vor Augen führt.

In einem perfekten Markt gilt „Je höher der Zins, desto höher das Risiko“. Der Zinssatz basiert auf den Beobachtungen aller Marktteilnehmer. Dass es einen höheren Zins (Rendite) geben kann, ohne dass das Risiko steigt, haben viele geglaubt, die sich auf die Ratings der Ratingagenturen abgestützt haben und werden nun eines besseren belehrt.

Bei all diesen Ueberlegungen ist der von den Zentralbanken festgesetzte Leitzins nicht enthalten, da er kein Zins im herkömmlichen Sinn ist. Seine Höhe misst sich nicht an Risikoparametern.

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RSS Kommentare Kommentare (9)

Geschrieben von: Eigen, am 20-01-2008 20:50
Offener Brief
eines Chefs der Azteken an die europäischen Regierungen (www.aliasinfo.ch/Politik und Wirtschaft/Aztekenbrief an die europaeische Regierung.htm)


Ich, Guaipuro Cuauhtémoc, Nachkomme der Völker, die vor 40'000 Jahren den amerikanischen Kontinent bewohnten, bin gekommen, um jene zu treffen, die ihn vor 500 Jahren „entdeckt" haben. So treffen wir uns nun alle: Wir wissen wer wir sind.

Der europäische Bruder Zöllner fordert von mir ein beschriebenes Papier mit einem Visum darauf, damit ich jene entdecken kann, die mich einst entdeckten. Der europäische Bruder Wucherer verlangt von mir die Rückzahlung einer von Judas gemachten Schuld – den ich in Wahrheit niemals damit beauftragt habe. Der europäische Bruder Wucherer erklärt mir, dass jede Schuld mit Zinsen zurück bezahlt werden muss, auch wenn man dadurch genötigt sein sollte, menschliche Wesen zu verkaufen oder gar ganze Länder, und zwar ohne deren Einverständnis einzuholen. Langsam beginne ich zu begreifen...

Der Text wurde gekürzt (Admin)

Geschrieben von: Nanuk, am 17-01-2008 10:16
Was würde passieren wenn das alle so machen würden?

Man würde das Geld nur noch Leuten leihen denen man Vertraut.
Deshalb kein Risiko und deshalb kein Zins.
Zinsen sind gelebtes Mistrauen unsere Geschäftswelt beruht deshalb auf Mistrauen nicht auf Vertrauen. Das Wort Risiko verdeckt nur das Mistrauen klingt ja auch schöner wenn ich sage" ich trage ja das Risiko" als "ich trau dir nicht über den Weg".Was ehrlicher wäre überlasse ich dem Leser. :p

Geschrieben von: HRR, am 17-01-2008 11:02
@ Nanuk

Die Zinssätze für Hauskäufe waren in der Vergangenheit sehr tief. Dass heisst nach deiner Ueberlegung - es war wenig Misstrauen da. Also ein Kompliment an die Banken von deiner Seite. Dafür ein Vorwurf an die Hauskäufer, die sich heute so betrogen vorkommen. Dabei haben sie sich nie darum gekümmert, ob sie überhaupt einmal die Kredite zurückzahlen können.

Darüber könnte man jetzt stundenlang philosophieren. Im Grundsatz aber gebe ich dir völlig recht und gehe noch einen Schritt weiter. Bei 100 %-igem Vertrauen können wir nicht nur auf den Zins verzichten, sondern auch auf das Geld. Jeder nimmt die Produkte die er braucht und stellt die Produkte her, die er kann. Weil Gier bei 100 % Vertrauen nicht vorkommt, müsste das auch funktionieren. Ob wir das noch erleben werden, eine Welt frei von Gier, Sucht und Statusdenken...

Geschrieben von: Nanuk, am 17-01-2008 13:16
"Die Zinssätze für Hauskäufe waren in der Vergangenheit sehr tief. Dass heisst nach deiner Ueberlegung - es war wenig Misstrauen da. Also ein Kompliment an die Banken von deiner Seite."

Ich wüste nicht das Banker persönliches Geld verleihen, ich dachte immer die verleihen das Geld anderer...

:grin

Geschrieben von: Michael, am 17-01-2008 15:42
Richtig, die Banken verleihen nicht ihr Geld, sondern das der Sparer. Sie Zahlen dem Sparer 2 % Zinsen, geben das 4-fache an Krediten raus, die vielleicht nur 8 % verzinst sind. Ich zahle 10000 € ein, bekomme 200 € Zinsen, die Bank hinterlegt bei der Zentralbank 2000 €, leiht sich für 4 % 32000 zahlt also nochmal 1280 € und reicht einen Kredit von 32000 € gegen 2560 € Zinsen aus. Im Ergebnis kassiert sie 1080 € Zins, macht also dafür, daß ich ihr mein Geld anvertraue etwas über 10 % Gewinn. Das ist ein konservatives Beispiel. Deshalb ist das Geschäft sehr lukrativ, alle Banken wollen um die Wette das Geld der Sparer. Sensationell werden die Gewinne, wenn verblödete Riester-Sparer das Geld langfristig anlegen.

Deshalb gab es früher den Spruch: Ob Jud oder Christ, ein Schuft, der Wucherer ist. Habe ich auf einer Medallie gelesen, trifft aber den Nagel auf den Kopf.

Nun wollen die Banken, weil sie sich total verzockt haben, Zinssenkungen. Die reichen sie aber, wie schon in der letzten extrem-Niedrigzinsrunde nicht an den Sparer oder Kreditnehmer weiter. Lassen wir die Zinsen auf 2 % senken, ihre Kosten sänken auf 840 €, sie kassieren 1720 € für meine 10.000 € Spareinlage. In diesem Fall hebe ich ganz einfach mein Geld von der Bank komplett ab. Ich (als Masse aller Otto Normal-Nichtschuldner) verzichte auf 200 € Zinsen, das Geld existiert nicht mehr. die Inflation wird abgewürgt. Die Lohnforderungen aller Berufsgruppen sollten bei 20 % liegen, um der Abwertung des Dollars zu folgen. Aber für die InvestmentBanker wäre ein Lohnstopp für die nächsten 10 Jahre völlig angemessen. Sie fordern in der ihr eigenen unverschämten Vollkaskomentalität tatsächlich, daß die Bürger dieses exorbitante berufliche Versagen bezahlen. Nun Freunde der Geldfraktion, da werden aber ganz sicher die Messer gewetzt werden, wenn ihr dafür nicht geradezustehen habt. Im Knast wärt ihr sicher.

Wie schon geschrieben, wenn die Banken als "Fachleute" (ich sähe das anders) sich gegenseitig nicht trauen, sollte Otto Normalbürger extrem aufpassen, ob er seiner Bank traut oder den Gewinn gönnt. Ich würde mein Geld bei solchen Banken die derartig leichtfertig mit meinen Einlagen umgehen gewiß nicht anlegen. Was zwangsläufig zur Beinahe-Pleite mit nachfolgendem Verkauf oder der Verstaatlichung des Institutes führt. Dann gibt es Papa Staates Tarifgehalt und wird bis zur Rente "geriestert". :p

Geschrieben von: Eugene, am 17-01-2008 21:14
"Pecunia non parit pecuniam" - das war Wirtschaftsprinzip des Mittelalters. "Geld gebaert kein Geld". Wucher war (und eigentlich ist) Verbrechen, weil er eine Form des Diebstahls praesentiert. Die moderne "Wirtschatslehre" verzerrt die Sache. Ein Beispiel des Spieles:
Eine Zentralbank setzt in Umlauf 1000 Geldeinheiten (Papiergeld). Es gibt 10 Personen (Laender), und jede bekommt 100 Einheiten mit 5% Zins. Dann arbeiten diese Personen und muessen nach einem Jahr das Geld zurueckzahlen, d.h. jede 105 Einheiten, insgesamt 1050. Egal was sie machen, klappt das einfach nicht, weil nur 1000 Einheiten in der Welt existieren. Jemand (oder alle) bleibt Schuldner. Dann gehen die Schuldner wieder zur ZB und bitten um Kredit und so weiter. Also kalkulieren sie selbst, was weiter passiert...

Geschrieben von: HRR, am 18-01-2008 08:59
@Eugene

Im Artikel hatte ich den Leitzins der Zentralbanken ausdrücklich ausgeschlossen. Was du kritisierst ist nicht der Zins generell, sondern der Leitzins und hier steckt das von dir beschriebene Problem. Aus nichts wird Geld geschaffen - Fiat Money!

Geschrieben von: Stefan Thiesen website, am 11-09-2009 10:28
Es ist wahr: die Höhe der Zinsen soll das Ausfallrisiko ausdrücken. Das ist ein typisches Beispiel dafür, daß Banker nicht in der wirklichen Welt leben. Stichwort selbsterfüllende Prophezeiung.

Sagen wir, wir gehen auf die Pferderennbahn, und ein Pferd hat einen besonders schweren Jokey. Nach der Banker Logik müßte man dieses Pferd jetzt mit zusätzlichen Gewichten beschweren, weil die Wahrscheinlichkeit, daß es verliert, größer ist. Hier wird jedem sofort klar, daß mit den zusätzlichen Gewichten die Wahrscheinlichkeit, daß das ohnehin bereits gehandicapte Pferd verliert, noch größer ist. Nach der Banker Logik aber müßte es - wenn es verliert - beim nächsten Rennen wiederum mit noch mehr Gewichten beschwert werden. Irgendwann brechen dann alle Pferde zusammen. Und das nennt man Finanzkrise.

Oder anders ausgedrückt: der, der wenig hat, muß mehr Zinsen bezahlen, weil die Wahrscheinlichkeit, daß er den Kredit mit geringeren Zinsen nicht zurückzahlen kann größer ist als bei dem, der viel hat? Wie gestört kann eine Logik sein?

Ich denke die Logik ist in Wirklichkeit eine andere. Die Bank sichert keine Risiken ab, sondern sie verhält sich marktkonform. Einer, der viel hat, KANN sich Geld leihen - muß aber nicht. Den locke ich nur an, wenn das Geld halbwegs billig ist. Ein Unternehmen - oder eine Privatperson - mit Liquiditätsproblemen MUSS sich Geld leihen. Die Banken nutzen mithin - zumindest zum Teil - Notsituationen aus. Man stelle sich einen Tagesausflug auf eine heiße Sandbank in den Malediven vor, auf der es Wasserverkäufer gibt. Wonach richtet sich der Wasserpreis? Nur danach, wieviel Wasser die Reisenden mitgebracht haben. Reisende ohne Wasser MÜSSEN jeden Preis bezahlen, den sie grad noch bezahlen können. Und genau das lotet die Bank aus: den Kreditzins, den der notleidende Kunde gerade eben noch bezahlen kann ohne zu verdursten. Außerdem kann einer, der finanziell so grad noch seine Zinsen bedient, sich juristisch nicht wehren. Er ist abhängig. Ebenso wie jemand der wirklich Durst oder Hunger hat ganz schnell aufhört zu lamentieren. Die Lieblingskunden der Banken: Verzweifelte Menschen, die Ihr Leben lang verschuldet sind und immer so grad ihre Kredite bedienen können. So wie einem rein betriebswirtschaftlich denkenden Arzt der langlebige chronisch Kranke zwangsläufig der liebste Patient sein muß.

Aus meiner Sicht ist das komplette internationale Bankensystem in seiner heutigen Form eine groteske Fehlentwicklung. Es ist in seinen Wurzeln eine Art Religion. Prof. Binswanger spricht ja auch von der Glaubensgemeinschaft der Ökonomen.

Geschrieben von: Stefan Thiesen website, am 11-09-2009 10:40
@Michael:

Du schreibst: "2 % Zinsen, geben das 4-fache an Krediten raus, die vielleicht nur 8 % verzinst sind. Ich zahle 10000 € ein, bekomme 200 € Zinsen"

Irgendwie ist die Mathematik nicht korrekt. Du hattest gemeint die Bank macht 10% Gewinn. Wieso das denn? Einmal abgesehen davon, daß fast kein Spargeld verliehen wird, sondern fast ausschließlich virtuelles Geld von der Zentralbank. Aber die Sache mit den Sparanlagen ist einfacher. Die Bank leiht sich von Dir 10.000 Euro für 2% Das kostet sie 200 Euro (der Einfachheit halber). Sie verleiht das Geld für 8%. Sie bekommt also 800 Euro, mithin das Vierfache. Die 10.000 Euro sind ein bedeutungsloser durchlaufender Posten. Wieviel % Gewinn macht die Bank? Der Gewinn ist 600 Euro gegenüber einem Kapitaleinsatz von 200 Euro (das bisschen an Verwaltungskosten und Fensterputzen der sinnlosen Glastürme mal nicht gerechnet). 600:200=3. Mithin macht die Bank bezogen auf ihren Kapitaleinsatz 300% Gewinn. Nicht schlecht für eine Tätigkeit, die im Wesentlichen aus Nichtstun besteht! Und bei 8% wird es zudem ein vergleichsweise gut abgesicherter Kredit sein - zumal die Banken bei schlechter Kreditwürdigkeit meist hohe Zinsen verlangen UND dem gebeutelten Kunden eine Ausfallversicherung aufbürden. Aber das ist ein anderes Thema.


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