„Holt mich hier raus, ich bin eine Bank!“ Die Rufe sind unüberhörbar und werden immer zahlreicher. Doch so tief sind nicht einmal die Taschen der Staatsfonds, als dass sie allen zur Hilfe eilen könnten und bereits ertönen Rufe aus ganz anderen Ecken. So hat so eben ein Immobilienfonds in Grossbritannien seine Rolläden herunter gelassen, weil zu viele Investoren gleichzeitig ihr Geld wieder haben wollten. Doch das geht nicht, weil der Fonds nicht so schnell die Immobilien verkaufen kann.
Erinnerungen an das Northern-Rock Debakel werden wach und jetzt beginnen auch noch den Versicherungen die Knie zu zittern. Von Panikverkäufen an den Börsen ist die Rede. Es ist die Logik des Kreditsystems, dass bei einer Vertrauenskrise die Investoren ihr Geld wieder nach Hause bringen wollen. Nicht Rendite ist das Mass aller Dinge, sondern Sicherheit. Die Gier wird von der Verlust-Angst abgelöst.
Dass jetzt die Versicherungen an der Reihe sind, ist nicht überraschend. Ueberraschend war es viel mehr, dass es so lange gedauert hat, denn die Versicherungen gehörten zu den grössten Investoren von mit Hypotheken, Autoleasing-Verträgen und Kreditkarten gedeckten Anleihen.
Vor ein paar Wochen glaubte ich noch daran, dass die Zentralbanken und Politiker den Domino-Effekt vielleicht stoppen könnten, doch im Moment sieht es nicht danach aus. Die Investoren realisieren langsam, dass die Kaiser nackt sind wie im Märchen von Hans Christian Andersen. Die angekündigten Massnahmen von Bernanke, Paulson oder Bush verpuffen oft schon, bevor die Zeitungen die frohen Botschaften unters Anlegervolk bringen können.
Wie kann dieser Trend gestoppt werden?
Auf jeden Fall nicht, indem man mit dem Geld der Steuerzahler um sich wirft, das haben die Reaktionen an den Finanzmärkten eindrücklich bewiesen. Was fehlt, sind vertrauensbildende Massnahmen und diese können nur von denen kommen, die vom Boom profitiert haben. Doch bis jetzt habe ich noch keinen Kaiser entdecken können, dem die Untertanen am Herz liegen, ganz im Gegenteil.
Die Abgangsentschädigungen zahlreicher CEOs im vergangenen Jahr und die immer noch sehr hohen Bonuszahlungen bei den Banken trotz katastrophalen Resultaten zeigen ein erbärmliches Bild. So wird das Domino nicht zu stoppen sein. Ein Umdenken bei der Geld-Elite ist dringend nötig, im ureigensten Interesse, denn eine Vertrauenskrise hinterlässt auch beim Geld seine Spuren – die USA werden nicht so leicht wie Argentinien zu retten sein. Ob sie das begreifen, bevor der letzte Kredit verspielt ist?
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Geschrieben von: Michael, am 21-01-2008 15:46 Das ist vielleicht hedonistisch betrachtet eine Panik, real haben wir von 2001 bis 2003 ganz andere Abschwünge gesehen. Dieses Mal sind glücklicherweise die Kleinanleger und unsere Banken nicht mehr in der asiatischen Zockerbude gewesen, als das Dach brannte. Sie haben genau gewußt, wie das mit dem (gefühlten) "Aufschwung" zu verstehen war. Es erwischt wirklich nur Deppen, die nicht wissen, daß Geldmangel für die Börse einfach ekelhaft ist. Das sind die, die wirklich zuviel hatten. Hut ab. Keine Sorge, wenn die Gewinnchancen wieder wesentlich höher sind, kann man auch wieder Aktien kaufen. Die "Abgeltungssteuer" ist immerhin ein Argument den Ballons namens Aktie noch viel kräftiger die Luft abzulassen. Geschrieben von: egghat , am 21-01-2008 15:53 Es ist mir ein absolutes Rätsel, dass Washington nicht die Municipal Bonds, die die Kreditversicherer versichert haben, übernimmt. Damit hätte man immerhin 2,4 Billionen Dollar ungerateter Anleihen mit AAA hinterlegt und damit sicher und liquide gehalten. Lässt man jetzt die Kreditversicherer alle abschmieren (was IMHo unvermeidbar ist), hätten wir 2,4 Billionen Anleihen, die sich nie jemand angeschaut hat, weil ja AAA drauf stand. Und womöglich neben den CDOs eine weiteren, ja sogar noch größeren Markt, der illiquide werden könnte. Ich bin nicht für den Staat als permanenten Eingreifer, aber in diesem Fall ist es vertretbar, weil die Zeche bei einer Pleite eines Counties oder einer Stadt sowieso der Steuerzahler trägt. Den Rest von den Kreditversicherern, der dann nur noch CDOs hält, kann man ruhig Pleite gehen lassen. Das tut nicht mehr so viel zur Sache ... Das hatte ich letzte Woche schonmal geschrieben: http://egghat.blogspot.com/2008/01/hasse-mal-ne-milliarde.ht ml Der ganze Mist gesammelt: http://egghat.blogspot.com/search?q=MBIA Es ist erschreckend, wie unfähig die Politiker sind. Allerdings ist es auch erschreckend zu sehen, wie schlecht die (Bank-)Manager die Lage schätzen. Das permanente Miliarden-unter-den-Teppich-kehren nützt ja auch nichts, weil bis zum Quartalsende der Tepich so wellig ist, dass man doch wieder alles gestehen muss ... Bye egghat Geschrieben von: Daniel , am 21-01-2008 20:50 Das schlimme ist doch eigentlich, dass niemand genau weiß, wie hoch die Summe an Ausfällen letzten Endes sein wird. Kaum hat man einen Beitrag dazu verfasst und aktuelle Zahlen eruiert, wie etwa auf http://www.online-kredite.com/blog/news/neue-ausmase-der-us- hypothekenkrise.html, kann man die geschätzte Summe schon wieder um einen beliebigen Faktor nach oben korrigieren. Der Spruch "Gier frisst Hirn", scheint bei Bankern weltweit zum Innbegriff ihres Tuns geworden zu sein. Artikel kommentieren
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