|
Anleihenversicherer am Abgrund |
|
|
|
|
Donnerstag, 20. Dezember 2007 |
Wenn ein finanzstarkes Unternehmen für ein finanzschwaches Unternehmen bürgt, dann wird das finanzschwache Unternehmen stärker und das finanzstarke Unternehmen schwächer. Was an sich logisch erscheint, gilt nicht für die Anleihenversicherer oder auch Monolines genannt, zumindest offiziell.
Die Monolines hatten und haben teilweise auch heute noch Top-Ratings. Dank diesen Ratings haben sie Versicherungen abgeschlossen für schlechte Schuldner und dafür eine Kommission kassiert und das funktioniert so:
Die Anleihenversicherer leihen ihr Rating aus und versprechen im Falle von Zahlungsschwierigkeiten des versicherten Schuldners die Zahlungen zu übernehmen vergleichbar mit einer Bürgschaft.
Solange die versicherten Schulden kleiner waren als das Eigenkapital des Versicherers ist dagegen nicht viel einzuwenden, doch dies ist nicht der Fall und war es vermutlich noch nie. Die Anleihenversicherer versicherten 3'300 Milliarden USD Schulden bei einem Eigenkapital von gerade mal 22 Milliarden USD.
Bereits vor einem Monat hatte ich in „Monolines – der nächste Sturm?" auf dieses Missverhältnis hingewiesen. Doch die Situation beruhigte sich wieder ein wenig, als folgende Meldung über den Ticker lief:
Der weltgrößte Anleiheversicherer MBIA bekommt vom Finanzinvestor Warburg Pincus eine Finanzspritze von einer Milliarde Dollar. Damit werde die eigene Kapitalbasis gestärkt, teilte MBIA am Montag mit. Demnach will Warburg zunächst mit 500 Millionen Dollar gut 16 Millionen MBIA -Aktien zu einem Stückpreis von 31 Dollar kaufen. Weitere bis zu 8,7 Millionen Aktien könne der Investor später für je 40 Dollar erwerben. Warburg werde darüber hinaus zwei neue Mitglieder des MBIA -Boards stellen, dem dann insgesamt 13 Manager angehören sollen. Die Ankündigung ließ die Aktien von MBIA an der Wall Street zeitweise um bis zu 25 Prozent in die Höhe schnellen. Gegen Mittag verzeichneten sie noch ein Plus von rund 16 Prozent auf 34,79 Dollar. ( Quelle) Doch mit der Ruhe ist es jetzt wieder vorbei. Der Anleihenversicherer ACA Financial Guaranty wurde von A zu CCC zurückgestuft, Ambac, MBIA, XL Capital Assurance und XL Financial Assurance wurde auf „negative outlook“ gesetzt und FGIC auf „review for downgrade“.
Und dies geschah aus gutem Grund. Neben den ständig steigenden Verlusten aus hypothekarisch gedeckten Anleihen schockierte der grösste Monoliner MBIA die Märkte gestern, dass sie 8.1 Milliarden USD versichert haben von so genannten CDOs-squared. (Mein Wortschatz nimmt von Tag zu Tag zu…)
CDOs-squared, sind CDOs welche andere CDOs und Wertschriften verbunden mit Subprime-Hypotheken neu verpacken. Da soll mal einer sagen Investment-Banker seien nicht kreativ.
Die Aktien von MBIA verloren darauf 27 Prozent auf 20 USD. Schlecht für den oben erwähnten Finanzinvestoren Warburg Pincus, der die Aktien vor 10 Tagen zu 31 USD erworben hatte. Schlecht sind aber auch die Zeiten für alle von Anleiheversicherern versicherten Schuldnern. Denn ob die Rating-Agenturen nun das tun, was sie schon längst tun müssten oder nicht, die Investoren trauen den Ratings der von den Monoliners versicherten Anleihen sicher nicht mehr. Und da geht es um sagenhafte 3'300 Milliarden USD.
Schätzungen von Analysten gehen von Abschreibungen von 200 Milliarden USD bei einer Rückstufung der Monoline-Ratings aus.
Dass die Rating-Agenturen die Ratings nicht zurück stufen hatte vorher oekonomische Gründe, sie hatten gut daran verdient, und heute politische Gründe. Eine Zurückstufung würde ein Erdbeben auslösen, ein Erdbeben, das faktisch schon da ist, vor dem aber die meisten die Augen verschliessen.
Monolines - a business model that cannot survive without an AAA rating is a business model that cannot fundamentally deserve an AAA rating. Arguing otherwise is believing in voodoo black magic. Zitat: Nouriel Roubini
Die Schuldner sind grösstenteils amerikanische Kommunen, Schulen, usw, deren Finanzhaushalte durch ein Downgrading durchgeschüttelt werden und damit natürlich auch die der Steuerzahler. Ein weiterer Stich ins amerikanische Konsumentenherz.
MBIA Bond Risk Soars on $8.1 Billion CDO Disclosure
(Trackback)
Artikel kommentieren | Zu Favoriten hinzufügen (0) | Artikel zitieren | Aufgerufen: 3622
AkoComment © Copyright 2004 by Arthur Konze |