|
Es gibt zu wenig Steuerbetrüger |
|
|
|
|
Montag, 4. Februar 2008 |
Falls Sie beim Lesen dieses Titels etwas irritiert den Kopf geschüttelt haben, dann haben Sie sich von Ihrer Moral leiten lassen. Würden Sie ökonomisch denken, dann müssten Sie dem Titel zustimmen, denn die Häufigkeit der Steuerprüfungen liegt in den meisten Ländern - darunter auch die Schweiz - so tief, dass Schummeleien nur selten bemerkt werden.
Reto U. Schneider schreibt im NZZ Folio:
Steuern zu hinterziehen, garantiert so sicher einen Vermögenszuwachs, dass selbst Leute es tun müssten, die das Lottospiel als untragbares finanzielles Risiko ansehen.
Aber sie tun es dennoch nicht. Schätzen die Steuerzahler die Risiken falsch ein? Aus Sicht der Wissenschaft heisst die Antwort JA, denn Oekonomen gehen davon aus, dass der Mensch immer den Gewinn maximieren will
Auf den Punkt gebracht ist der nicht hinterziehende Steuerzahler aus Sicht der Wissenschaft entweder dumm (falsche Risikoanalyse) oder ängstlich. Dass es im Leben auch noch andere Werte geben kann als Geld, passt nicht in das oekonomische Konzept, weil sich diese Werte nicht messen lassen. Und was die Wissenschaft nicht messen kann, gibt es nicht.
Aber das ist noch nicht alles. Selbst die Androhung einer Strafe verkehrt sich ins Gegenteil - also gegen die ökonomische Logik. Denn nach der gängigen Theorie sollten weniger Steuern hinterzogen werden, wenn mehr kontrolliert wird. Doch in der Realität liess sich ein solcher Effekt nicht nachweisen. Oft war das genaue Gegenteil der Fall: Mehr Kontrolle führte zu mehr Hinterziehung.
Der Steuerzahler bestraft demnach vermehrte Kontrollen durch Hinterziehung nach dem Motto: Wenn du (Staat) mir misstraust, dann traue ich auch dir nicht zu, dass du mit meinem Geld vertrauensvoll umgehst. Ich nenne dies das Resonanzprinzip (wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es zurück), das dem oekonomischen Prinzip zuwider läuft, aber nach meiner fundierten Wald und Wiesen-Analyse mindestens so verlässlich ist.
Lesenswerter Beitrag von NZZ folio Hinterziehen Sie auch? (Trackback)
Artikel kommentieren | Zu Favoriten hinzufügen (0) | Artikel zitieren | Aufgerufen: 2001
AkoComment © Copyright 2004 by Arthur Konze |