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Staatliche Schönheitsoperationen PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 13. Mai 2008
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Staatliche Schönheitsoperationen
Seite 2
Image Ein Staat ist eine von Menschen gemachte und geführte Institution und hat der Logik folgend vergleichbare Stärken und Schwächen wie jedes menschliche Individuum. Dennoch haben viele Menschen die Tendenz Informationen, welche von Regierungsvertretern kommen, blind zu vertrauen.

Völlig zu unrecht wie ich meine, denn überall wo Interessenskonflikte herrschen steht Opportunismus der Wahrheitsfindung im Wege und Interessenskonflikte gibt es viele, wie das Beispiel USA zeigt.

Ob die USA in einer Rezession ist, hängt vom realen Wachstum ab. Ist dies während zwei aufeinander folgenden Quartalen im negativen Bereich, spricht man definitionsgemäss von einer Rezession. Die entscheidenen Grössen sind dabei die Veränderung des Bruttoinlandprodukts BIP (GDP) abdiskontiert um die Inflation. Soweit so einfach. Die Wahrheit ist komplizierter, denn von diesen Zahlen hängen Finanzentscheide rund um den Globus ab.

Wen kann es da noch verwundern, dass der Staat wie auch so mancher seiner Untertanen gerne mal zum Skalpell greift, um die Attraktivität zu erhöhen? Ein kleines Lifting hier, ein bisschen Absaugen dort und schon entfaltet sich die Schönheit der Zahlen trotz mangelhaften Innenlebens. Ich hatte bereits im Artikel "Die Kunst der Inflationsmessung" darüber geschrieben. Ein Leser sagte mir darauf: Die Kritik an der Erhebung der Inflation sei fast so alt wie die Inflationsmessung selbst und die meisten Analysten seien sich dem Problem auch bewusst.

Wenn dies wirklich so ist, weshalb haben dann die Amerikaner die hedonistische Inflationsmessung eingeführt, um nur ein Beispiel zu nennen? Litten vielleicht die hauseigenen Statistiker unter mangelndem Arbeitsvolumen? Wohl kaum. In einer globalisierten Welt in der das Kapital sich ungestört bewegen kann ist die Attraktivität der landeseigenen Wirtschaft von unschätzbarem Wert. Die hedonistische Inflationsmessung - das behaupte ich jetzt einfach mal so - wurde nicht aus staatsinternen Gründen eingeführt, sondern um ausländisches Kapital anzuziehen. Dass dies natürlich nur gelingt, wenn die Investoren nicht realisieren, dass mit dem Skalpell nachgeholfen wurde, versteht sich von selbst.

Nun sind sich die Investoren der sich ständig ändernden Erhebungsmethoden vielleicht durchaus bewusst, wie obiger Leser bemerkte, aber wurden auch die Finanzmodelle der institutionellen Kunden wie Pensionskassen und Hedge Fonds dementsprechend angepasst?

Machen wir einen Blick zurück. Schon seit Jahren gab es skeptische Stimmen zum Immobilienboom in den USA. Doch Skepsis hin oder her, der Boom dauerte viel länger als dies manche Skeptiker für möglich hielten - mich eingeschlossen. Im Nachhinein haben wir dann erfahren, dass die Banken auf die Ratings der Ratingagenturen vertrauten. Sie hätten es besser wissen können, wenn sie die Zeitung gelesen hätten und vielleicht wussten es auch manche Banker besser, aber was ist mit den Finanzmodellen? Da stand AAA und bei AAA spuckt das Finanzmodell "Topqualität" aus.

Die Finanzmodelle wurden nicht angepasst, obwohl die Ratingagenturen immer nachlässiger wurden bei ihren Analysen - aus gutem Grund natürlich - die Nachlässigkeit förderte das Geschäft von Standard & Poors und ihren Mitstreitern. Die Banken hatten blind auf die Ratingagenturen vertraut, weil sie sich deren Interessenskonflikte nicht bewusst waren.



 
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