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Kostspieliger Zweckoptimismus PDF Drucken E-Mail
Freitag, 15. Februar 2008
Image Ist das Finanzsystem sicher, fragte sich letzten Sommer ein Blogger und lieferte auch gleich die Antwort: Ja, es ist. Mit dieser Einschätzung kam er dem nur allzu menschlichen Bedürfnis nach, auf komplexe Fragen eine einfache Antwort zu liefern.

Und ob sie es glauben oder nicht, auch ich hätte eine einfache Antwort auf diese Frage gehabt, nur steht sie der Erkenntnis des erwähnten Bloggers diametral gegenüber: Im Leben ist gar nichts sicher ausser dem Tod und selbst da sind sich nicht alle einig. Vielleicht begibt sich die Seele auch nur auf eine neue Reise. Wie auch immer, dieses Feld überlasse ich gerne anderen. Zurück zum Finanzsystem...
 
Dass sich der Blogger überhaupt Gedanken zum Finanzsystem gemacht hatte, lag an den Verwerfungen an den Kreditmärkten, die im August 07 erstmals für alle sichtbar in Erscheinung getreten waren. Und die Frage hatte durchaus seine Berechtigung, wie wir in den darauf folgenden Monaten erfahren haben.
 
Hätte sich der Blogger der Frage damals ernsthaft gestellt, dann wäre er unweigerlich auf die Tatsache gestossen, dass das Finanzsystem so sicher ist wie die Kredite, die das System am laufen halten. Denn ohne Kredite gibt es kein System, das Finanzsystem ist ein Kreditsystem. No credits, no economy!

Solange also von der Kreditfront keine good news kommen, gibt es keinen Grund Aktien zu kaufen. Das ist der aktuelle Stand meiner Erkenntnis, den ich gerne über den Haufen werfe, wenn sich das was ich glaube nicht mehr deckt mit dem was ich sehe. Vorderhand sehe ich aber keine Veranlassung, dass zu ändern, was ich glaube, denn die Bemühungen faule Kredite mit fresh money zu füttern, waren bislang nicht von Erfolg gekrönt und neue Schuldner tauchen bis dato auch nicht am Horizont auf.

Nichtsdestotrotz ist der eingangs erwähnte Blogger wie viele andere auch optimistisch geblieben und empfiehlt - nicht zum ersten Mal - Aktien zu kaufen, weil sie so billig seien und zitiert zahlreiche Experten, die seine Meinung teilen.

Nun nichts gegen Optimisten, ich bin auch einer, nur beschränkt sich mein Optimismus auf Dinge, die ich auch beeinflussen kann. Mit Optimismus aber die Börse zu betrachten kann teuer zu stehen kommen. Manche Banker können ein Lied davon singen. Bei ihnen nennt man dies aber Berufsoptimismus oder gar Gier und beides vernebelt schnell einmal den Blick auf die Realitäten.

Und die Realitäten zeigen nachwievor risikoscheue Banken und Investoren. Damit lässt sich die Wirtschaft nicht ankurbeln. Es muss sich also etwas ändern und wie eine solche Aenderung aussehen könnte, beschreibt Bernard Connolly in seiner Analyse.

Depression risk might force U.S. to buy assets

Bernard Connolly glaubt, dass eine grosse Depression nur abgewendet werden kann, wenn die FED aktiv an den Finanzmärkten als Käufer auftritt. Dies ist von Gesetzes wegen zwar verboten, aber Gesetze können geändert werden. Sollte dies tatsächlich geschehen, dann steigen die Aktienkurse in den Himmel. Dieses Szenario mag im Moment noch absurd tönen, aber ausschliessen möchte ich es nicht, denn wie gesagt, sicher ist eben gar nichts.

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