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Zentralbanker im Fegefeuer PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 3. Juli 2008
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Zentralbanker im Fegefeuer
Seite 2
Die schweren Jungs der Zentralbanken, Bernanke und Trichet, sind wirklich nicht zu beneiden. Egal was sie auch tun, geliebt werden sie dafür nicht. Entweder sie heben die Zinsen an, um die Inflation in den Griff zu kriegen und würgen dabei den Wirtschaftsmotor ab oder sie entscheiden sich für das Gegenteil. Sie haben die Wahl zwischen Pest und Cholera, eine Spontanheilung ist nicht in Sicht.

Wir leben nicht in normalen Zeiten, welche dem ökonomischen Theoriebuch folgen. In der Theorie sind Inflation und Hochkonjunktur ein Paar, welches zur gleichen Zeit auf dem Wirtschaftsparkett ihre Aufwartung macht. Jetzt aber haben wir Inflation und Kreditkrise - ein unbekanntes Paar, das partout nicht zur Musik der Zentralbanken tanzen möchte.

Um dieser Disharmonie den Puls messen zu können, braucht es einen Rückblick auf die Globalisierungsgeschichte. Die Konsumenten der USA sind seit spätestens Mitte der 90er Jahre die Wachstumslokomotive der Weltwirtschaft. Der American Way of Life oder wie ich ihn nenne - Optimismus mit fehlendem Bodenkontakt - wurde zunehmend mit Konsumkrediten finanziert. Nicht das Einkommen entschied über das, was man sich leisten konnte, sondern der Kreditrahmen, welcher von den Finanzinstituten zur Verfügung gestellt wurde.

Schon damals stand ich den Jubelschreien der Wirtschaft skeptisch gegenüber, denn wer heute sich ein Leben leistet, dass er sich gemessen am Einkommen gar nicht leisten kann, wird morgen von einer Summe leben müssen, die unter seinem Einkommen liegt, was unweigerlich zu einer Rezession führen muss. Doch dieser Zyklus hat viel länger gedauert, als ich mir dies je vorstellen konnte.

Immer neue Finanzierungsmodelle wurden aus der Taufe gehoben und nichts mehr wurde bar bezahlt, ob Auto, Ausbildung, Möbel oder Gummibärchen - Kredit war die neue Religion. Begleitet wurde dieses Phänomen von der Kreativküche im Zentrum Manhattans. Die Wallstreet-Banken fanden ein Mittel, um die Kredite weiter zu geben und die Investoren nahmen sie dankbar an. Die steigende Nachfrage nach zinsbringenden Wertschriften hatte ihre Hauptursache in der Vorsorge. Wegen der sich verändernden Demographie in den westlichen Staaten (Alterspyramide) floss den Pensionskassen immer mehr Geld zu, Geld welches angelegt werden musste.

Die Nachfrage nach Krediten seitens der Konsumenten traf auf eine Nachfrage nach Wertschriften seitens der Pensionskassen - alles war in Butter. Dass die Kreditexpansion nicht zu höheren Preisen führte, war der Globalisierung geschuldet. Die Produktion verlagerte sich in Billiglohnländer. Doch dann kam der 11. September 2001. Die ganze Weltwirtschaft schien auf der Kippe zu stehen. Der damalige Chef der amerikanischen Zentralbank FED, Alan Greenspan, senkte den Leitzins in kürzester Zeit massiv und machte dadurch plötzlich Immobilienkäufe für viele Amerikaner möglich, die bislang nicht einmal davon zu träumen wagten. Die Wirtschaft fasste wieder Fuss als bereits Untergangsszenarien die Runde machten.

Die Wallstreet dehnte ihr Produktportfolio weiter aus, die Hypothekenbroker wurden immer kreativer, die Liegenschaftenhändler immer korrupter, die Bank für internationalen Zahlungsausgleich BIZ immer lockerer, die staatlichen Aufsichtsorgane immer nachlässiger und die Ratingagenturen immer kulanter. Alle waren glücklich und lagen sich freudentrunken in den Armen. Plötzlich konnten sich auch Mittellose ein Haus kaufen nach dem Motto, kein Job, kein Vermögen, kein Problem.

Durch die Nachfrage nach immer neuen Häusern stiegen die Preise und dank den steigenden Preisen konnten die Immobilienbesitzer die Hypotheken weiter aufstocken, obwohl das Durchschnittseinkommen der Amerikaner schon seit Jahrzehnten stagnierte. Doch irgendwann kam der Moment als jeder Amerikaner ein Haus hatte. Die Nachfrage ging zurück und das Domino nahm seinen Lauf. Ich hatte vor einem Jahr mehrmals darauf hingewiesen(1, 2, 3, 4, 5)

Gleichzeitig kam jetzt noch dazu, dass in China die Preise zu steigen begannen. Dort wo Land und Leute unendlich zur Verfügung zu stehen schienen, machte plötzlich Knappheit auf die endlichen Ressourcen aufmerksam. Tja, und jetzt haben wir den Salat. Das zuckersüsse Menue der Vergangenheit ist ungeniessbar geworden.



 
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