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Jefferson County verklagt Wall Street PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 18. Juni 2008
Der grössten Gemeinde in Alabama, USA, droht wegen einer neuen Abwasseranlage der Bankrott. Verantwortlich dafür sollen korrupte Politiker und allzu geschäftstüchtige Investmentbanker sein. Die Geschichte beinhaltet alles, was wir bereits aus der Immobilienkrise kennen und zeigt: Subprime bezieht sich nicht nur auf finanzschwache Hausbesitzer.

JPMorgan Chase & Co., Morgan Keegan & Co. und 10 andere Banken, Beratungsfirmen und Versicherungen wurden von Charles Wilson, Jefferson County, angeklagt, dass ihre Arbeit bei Anleihentransaktionen zu den höchsten Kosten beim Abwasser in ganz USA geführt hat.

Die Anklage betrifft auch sieben aktuelle und ehemalige Politiker welche ihre treuhänderischen Aufgaben verletzt haben sollen. Vorgeworfen wird den Banken, dass sie kontinuierlich gegen die Interessen der Bewohner von Jefferson County gehandelt hätten. Die Abwasser-Rechnungen für die Bewohner seien in den letzten 11 Jahren um das Vierfache gestiegen. Der Grund dafür liege in den Schulden von 3.2 Milliarden US$ für eine neue Abwasseranlage. Fast alle Anleihen, welche für die Finanzierung aufgenommen worden waren, seien mit regulierbaren Zinssätzen (adjustable interest rates) versehen und mit Derivaten verknüpft, welche die Bewohner vor höheren Kosten hätten absichern sollen. Die Strategie ist leider nicht aufgegangen und Jefferson County steht vor dem Bankrott.

Bereits im April hatte die Börsenkommission SEC den ehemaligen Kommissionspräsidenten verklagt, weil er Zahlungen in noch unbekannter Höhe von einer regionalen Firma im Zusammenhang mit den Abwasser-Transaktionen angenommen haben soll. Auch Banker, welche für Bear Stearns und JPMorgan gearbeitet haben als sie Jefferson County Derivat-Kontrakte (SWAPs) verkauften, müssen mit einer Anklage rechnen.

Die Finanzkrise von Jefferson County begann aber bereits im Februar. Die Ratings der Anleihenversicherer FGIC und XL, welche 2.8 Milliarden der Schulden garantierten, wurden damals zurück gestuft. Dies führte zu Verkäufen von Seiten der Investoren und zu höheren Zinszahlungen (ajustable!) . Die Zinsen stiegen bis zu 10 Prozent an. Zur gleichen Zeit verhielten sich die Zinsswaps, welche durch die Investmentbanken vermittelt wurden und als Schutz vor steigenden Zinsen gekauft wurden, nicht so, wie vorgesehen. Die Details  können hier nachgelesen werden: Fraud, Antitrust Investigation Involving JPMorgan, Jefferson County

Die steigenden Kosten auf den Schulden veranlassten nun die Ratingagenturen die Ratings auf den Anleihen zurückzustufen, welche nun Vertragsbestimmungen aktivierten, welche den Investmentbanken das Recht gaben die Derivatkontrakte zu kündigen zu Kosten von 277 Millionen US$. Ohne eine Restrukturierung der Schulden der Abwasseranlage belaufen sich nun die Kosten allein aus der Schuldbedienung in etwa auf das Doppelte, was die Gemeinde an Einkommen daraus erarbeitet.

Jefferson County erlebt nun, was passiert, wenn inkompetente und der Korruption angeklagte Politiker auf mit allen Wassern gewaschene und auch der Korruption angeklagte Investmentbanker treffen. Die daraus resultierenden höheren Kosten müssen nun vor dem Richter diskutiert werden, weil ein Steuerzahler nicht bereit war diese zu akzeptieren. Eine brisante Frage, nicht nur in Jefferson County.
 
JPMorgan, 11 Others Sued Over Jefferson County Crisis

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