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Angela Merkel im Fussballfieber PDF Drucken E-Mail
Samstag, 28. Juni 2008
"Enemenemuh und wo bist du?" "Im Fussballstadion!" In etwa so stelle ich mir Gespräche zwischen Politikern in den letzten Wochen vor. Es gibt kaum einen Kameraschwenk in Richtung der Haupttribüne ohne dass uns Politiker in den heiss begehrten Schalensitzen ins Gesicht springen. Keiner möchte es verpassen, sich als Teil des Volkes zu präsentieren. Besonders aufgefallen ist mir dabei die deutsche Bundeskanzlerin.

Angela Merkel, deren fussballerischer Horizont bereits an der Seitenlinie endet, ist sich nicht zu schade nach jedem Spiel ihrer Untertanen einen  Kommentar in die Mikrofone zu flöten. Mit Einstiegsfloskeln wie "wenn ich mir eine Laienmeinung gestatten darf …" palavert sie sich absturzsicher durch unbekanntes Gelände und gibt den deutschen Zuschauern zu verstehen: "Ich bin eine von Euch." Dabei weiss sie vom runden Leder in etwa soviel wie Lothar Matthäus von der Konjunktur Süd-Anatoliens.

Auf gerade zu bewundernswerte Art schafft sie es dabei viel zu reden und nichts zu sagen und gleichzeitig das Publikum für sich einzunehmen. Wahrscheinlich ist es genau diese Qualität, die sie zur mächtigsten Frau Europas gemacht hat. Mal kuschelt sie verbal mit dem Volk, mal distanziert sie sich von ihm - wie etwa bei der Abstimmung zum EU-Reformvertrag. Die Meinung ihrer Mitbürger - unter die sie sich in diesen Tagen medienwirksam mischt - ist hier nicht gefragt. 

Dabei frage ich mich, ob nicht nur sie sondern auch alle anderen Politiker, welche sich für den Reformvertrag ausgesprochen haben, diesen auch wirklich gelesen haben. Der mühsam zu lesende Wälzer ist keine Bettlektüre und erfordert ein intensives Studium, um deren Inhalt und seine Folgen auch wirklich verstehen zu können. Ich traue dies weder der deutschen Bundeskanzlerin noch irgend einem anderen Politiker zu.

Deshalb wette ich mein allerletztes Hemd (alle anderen bleiben im SchrankWink), dass kein Politiker es geschafft hat zwischen öffentlichen Auftritten und tagelangen Sitzungen Zeit zu finden, sich intensiv und kritsch mit dem Vertrag auseinander zu setzen. Angela Merkel dürfte also - wenn ich mir eine Laienmeinung gestatten darf... - genau so wenig Kenntnis über allfällige Bomben in den Fussnoten des Vertrages haben wie Marcel Ospel noch letzten Sommer über die Bomben, welche sich in der UBS Bilanz eingenistet haben.

Aus diesem Grund hätte ich genau so abgestimmt wie die Iren - komplizierte und ausufernde Vertragswerke sind genau so wenig vertrauenserweckend wie Bilanzpositionen bei den Banken, deren Bewertung nicht einmal mehr die Experten verstehen. Das Nein der Iren interpretiere ich nicht als ein Nein zu Europa, sondern als ein Nein zu einer EU, deren Regeln niemand mehr durchschaut.

P.S. Wie manche EU-Politiker ihr Geld verdienen...

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