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You walk away PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 30. Januar 2008
Image Dass die Moral nur allzu oft beim eigenen Geldbeutel aufhört ist nicht der Weisheit letzte Erkenntnis. Schon eher neu mutet hingegen die Erkenntnis an, dass unmoralisches Verhalten wie ein Bumerang zum Absender zurückkommen kann.

Das erleben jetzt die Banken, unabhängig davon, ob sie bei der Hypothekenvergabe gegen geltende Gesetze verstossen haben. Und jetzt kommts noch dicker. In den USA gibt es einen neuen Trend unter klammen Immobilienbesitzern - just walk away. Völlig unethisch zwar, aber ökonomisch sehr sinnvoll.

Seinen Verpflichtungen nachzukommen und die Schulden abbezahlen, dies gehörte früher zum ungeschriebenen Gesetz einer Gesellschaft. Dieses Gesetz - besser bekannt unter dem Begriff Moral ist ausser Mode gekommen. Zahlreiche Manager haben dies mit ihren goldenen Fallschirmen und hohen Gehältern bei schlechtem Geschäftsgang bewiesen und jetzt ist die Message auch ganz unten angekommen. Das Geschäft boomt!

Haben Sie Probleme mit ihren Hypozins-Zahlungen, fragt die Website "you walk away" oder ist der Wert des Hauses unter den Wert Ihrer Hyposchulden gesunken? Haben Sie Probleme, Ihr Haus zu verkaufen und möchten Sie bis zu 8 Monate kostenlos wohnen?

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Was in Europa nach Bauernfängerei klingen würde, ist in den USA laut zahlreichen Bloggern völlig legal. Die Amerikaner können ihr Haus einfach stehen lassen, wenn sie sich beim Verkauf des Hauses keinen Gewinn mehr erhoffen. Die Hypothekarschulden beschränken sich nur auf das Haus. Der Gläubiger kann nicht auf die Ersparnisse des Schuldners zurück greifen. Diese Gesetzeslücke war bis anhin kein Problem, weil es zum moralischen Verständnis eines Schuldners gehörte, dass er alles tun würde, um die Schulden oder mindestens die Zinszahlungen begleichen zu können.

Aber das war einmal und findige Geschäftemacher gehen sogar noch weiter und versprechen klammen Immobilienbesitzern - selbstverständlich auf Kredit und ohne Eigenkapital - kostenlos zu wohnen. Dies ist möglich, weil es bis zu 8 Monate dauert, bis der Gläubiger seine rechtlichen Möglichkeiten durchgesetzt hat. Dazu muss man wissen, dass der Gläubiger nicht der Verkäufer ist, sondern irgendwo auf der Welt auf seinen Anleihen sitzt, unter anderem auch in Europa, wie wir inzwischen wissen.

Nochmals in Kürze: Die Website "you walk away" empfiehlt völlig legal ihren Kunden, wenn sie nicht mehr bezahlen können, weiter im Haus zu bleiben für maximal 8 Monate. Das einzige, was die Kunden bezahlen müssen, ist eine Beratungsgebühr an "you walk away" von US$ 995 für ca. eine halbe Stunde. Für beide ein gutes Geschäft. Mike Shedlock schreibt in seinem Blog, dass das unmoralische Verhalten in der Gesellschaft Entwicklungen möglich macht zu denen wir noch vor ein paar Jahren gesagt hätten: Dies kann nie passieren.

Das Immobilien-Kartenhaus

Wie das Hypotheken-Geschäft in den USA funktioniert CHART


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RSS Kommentare Kommentare (10)

Geschrieben von: Nanuk, am 30-01-2008 16:18
"Die Amerikaner haben 5 DVD Player der Rest der Welt hat Papier" :zzz

Geschrieben von: Michael, am 30-01-2008 17:59
Englands Staatschef beim Minigipfel: Angesichts der Unsicherheit (Lage der Nation Bush) , so Brown, sei es nun notwendig, ein Signal für das Prinzip offener Märkte abzugeben, um einen Rückfall in den Protektionismus zu vermeiden. :( Als wenn der Dollar nicht schon von 1,21 auf 1,48 zum € gefallen wäre. :( Was glaubt der Heini denn, wer er ist. Sein Pfund hat lange nicht so mörderisch aufgewertet und die halbe Wirtschaft ruiniert. Es ist sehr einfach nötig, mit massiven Zöllen den europäischen Markt vor Dollar und Pfund zu schützen. Firmen, die auslagern wollen haben ihren Firmensitz dorthin zu verlegen, wo ihre Mitarbeiter sind. Sie bekommen hier keine Staatsaufträge mehr. Wie wäre es denn damit Mister Brown ? Diese "offenen Märkte" waren doch wohl seit Jahrzehnten für €uropa ein einseitiges Verlustgeschäft. Nun sollen die Banken mal in Ruhe ihre Fehlspekulation bereinigen. Vorher sollte man sich als Europäer gut überlegen, ob man Produkte aus Übersee kauft, auch sogenannte "made in Germany". Lieber ein paar Euro mehr ausgeben, als diese "offenen Märkte" weiter zu dulden. Nämlich den schwachen Dollar, an der Zapfsäule genau zu messen. :(

Geschrieben von: Adamek, am 30-01-2008 19:00
Ich habe kein Mitleid mit den Banken, bis jetzt war es so, das unseriöse Beratung nach jahrelangem Rechtstreit vielleicht unter gewissen Umständen mit viel Mitteleinsatz zu Konsequenzen geführt hat.
In amerika fällt das unseriöse Arbeiten nun direkt auf die Bank/Gläubiger zurück und eine Schuldenspirale kann nicht ausgelöst werden.
Manchmal geht es doch gerecht zu, auf der Welt.

Geschrieben von: Nanuk, am 30-01-2008 19:57
Da soviele gegen Protektionismuss wettern, glaube ich das die Schranken in den Köpfen der Politiker schon höher sind als man das bisher aus den Medien erfahren hat. Die EU hat ja schon mit Zöllen auf Stahl gedroht wegen fehlender Umweltstandards.
Hat sich wohl erledigt mit der Globubblelisation...
Warten wir halt auf die nächste Bubble. :grin

Geschrieben von: Michael, am 30-01-2008 20:12
Mit unseren eigenen Banken, insbesondere der IKB und den Landesbanken habe ich sehr wohl Mitleid. Sie sind im Prinzip in einen Hinterhalt geraten, ihre Chefs gehören aber vor Gericht. Diese ausrangierten Politclowns wußten nicht, daß man Dollars gegen Gold absichert. Das hätte ihnen die BuBa sagen können, aber sie waren sich wohl zu fein zu fragen. Mit Schweizer Banken habe ich generell Mitleid. Sie sollten schnellstmöglich US-Know-How über Bord werfen. Dann kommt auch der solide Touch zurück. :)

Geschrieben von: HRR, am 30-01-2008 21:05
@Michael

Mitleid habe ich mit den Landesbanken definitiv nicht. Banken, deren Ratings auf dem Steuerzahler basieren, haben im Ausland nichts zu suchen und dass sie im Ausland engagiert waren wusste jeder, der es wissen wollte. Ich wusste es schliesslich auch ;)
Die deutschen Landesbanken gehören am Schweizer Kapitalmarkt zu den ganz grossen Schuldnern.

Geschrieben von: Michael, am 30-01-2008 21:35
@HRR
Ein Grund mehr die Banken zu restrukturieren. Zum Beispiel aus den LB reine Kreditbanken für den €-Raum zu machen. Wenn sie tatsächlich in der Schweiz große Schuldner sind, spielen sie wohl auch carry-trade. Deshalb hätte ich mir schon seit einiger Zeit gewünscht, daß die SNB ihren Leitzins anhebt und statt dessen Steuern in der Schweiz gesenkt würden. So kann man die Stromer wohl am ehesten abkochen. Die DM war dem CHF gewiß ebenbürtig, mit dem € hätte ich erhebliche Bedenken. Deshalb habe ich in der Schweiz keine Schulden, sondern sehr gering (was ich für richtig halte) verzinste Franken. Aber da gerät man leider in die höhere Politik.
:)

Geschrieben von: HRR, am 30-01-2008 23:11
@Michael
Das war wohl ein kleines Missverständnis.
Ich habe mich mit den Landesbanken beschäftigt, weil sie in der Schweiz Kapital aufgenommen haben und dabei erfahren, dass sie das Geld nicht für Kredite im eigenen Bundesland brauchen sondern für lukrative Geschäfte rund um den Globus (die heute bekannten Finanzvehikel)
Die CHF haben sie sicher nicht in CHF behalten, sondern in die dementsprechene Währung gewechselt.
Dass die Landesbanken Anleihen in CHF aufgenommen haben, lag daran, dass Investoren nach Anleihen in CHF nachgefragt haben, sagen aber nichts darüber aus, welche Währung der Schuldner braucht. Das was er braucht, holt er sich dann beim Devisenmarkt.

Geschrieben von: Michael, am 31-01-2008 05:17
@HRR
Nein, wir haben uns da richtig verstanden. Sie haben sich in CHF verschuldet und in einer höher verzinsten Währung z.B. in solchen "tollen Produkten" wie CDO, "angelegt", sprich carry trade betrieben. Ein Grund mehr, der Truppe feste Zügel anzulegen und aus ihnen einfach lokale Kreditbanken zu machen. :)

Geschrieben von: Nanuk, am 31-01-2008 08:13
@Michael & HRR
Carry trades... :)


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