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Schachmatt an den Finanzmärkten PDF Drucken E-Mail
Montag, 3. Dezember 2007
ImageDie Finanzmärkte werden hin- und hergerissen zwischen deflationären Kreditausfällen und inflationären Liquiditätsspritzen. Wer sein Augenmerk auf die Immobilienkrise legt, wird kaum an einer Rezession zweifeln. Zuviel hängt vom Konsumverhalten einer amerikanischen Durchschnittsfamilie ab. Doch die Zentralbanken kontern jede Negativmeldung mit einem neuen Vorschlag, wie das Kredit-Domino aufzuhalten sei. Bis jetzt deutet vieles auf ein Schachmatt dieser divergierenden Kräfte hin.

Das deflationäre Szenario

Das Kreditwachstum war der Motor des vergangenen Wirtschaftsaufschwungs. Die Amerikaner hatten den Preisaufschwung ihrer Immobilien für Aufstockungen der Hypotheken benutzt, um ihren Konsum zu finanzieren. Eine lasche Kreditprüfung der Broker und die Tiefzinspolitik der FED hatten dies möglich gemacht. Doch irgendwann kommt jeder Aufschwung an sein Ende. Neue Schuldner wurden nicht mehr gefunden, das Schneeballsystem war bei den „Underdogs“ angekommen, die nie und nimmer in der Lage waren, die Kredite auch zu bedienen.

So wie der Immobilien-Aufschwung viele andere Wirtschaftsbereiche mitgetragen hatte, ist es nur logisch, dass ein Abschwung auch weite Kreise ziehen musste. Nicht nur direkt Betroffene wie Banken bekamen die Krise zu spüren, auch andere Bereiche wurden herunter gezogen – von Gartenbaufirmen über Kreditkarten-Organisationen bis zu Versicherungen.

Wird an dieser Stelle der Dominoeffekt nicht unterbrochen, kommt es unweigerlich zu Massenentlassungen, Lohnkürzungen und Einbrüchen bei den Steuereinnahmen – die bekannten Begleiter einer Rezession.


Das inflationäre Szenario

Die Notenbanken sind sich dieser Effekte durchaus bewusst und suchen nun krampfhaft nach Lösungen. Zinssenkungen sind dazu das bekannte Allheilmittel gegen Depressionen an der Kreditfront, doch allein dies genügt nicht mehr, weil die Banken und Investoren nicht mehr bereit sind, jedem unabhängig von seiner Bonität, Kredit zu geben.

Henry Paulson, Finanzminister der USA, hat deshalb ein Zinsmoratorium für Subprime-Schuldner zur Diskussion gestellt und der Fed-Chef brachte eine partielle Staatsgarantie für Anleihen der Hypotheken-Giganten Fannie Mae und Freddie Mac ins Spiel.

→  Zinsmoratorium für Subprime-Schuldner?
→  Der Steuerzahler soll ran

All diese Massnahmen zielen darauf, den Schuldnern wieder etwas mehr Luft zu verschaffen und Luft bedeutet in diesem Fall mehr Liquidität und dies ist inflationär. Es kann deshalb auch nicht verwundern, dass jedes Mal wenn so ein Vorschlag die Runde macht, die Aktienbörsen nach oben schiessen.


Mein Szenario

Ich gehe davon aus, dass die Politik und die Zentralbanken Massnahmen beschliessen werden, die den Zusammenbruch des amerikanischen Konsumenten soweit in die Zukunft verlagert, bis sich die Banken durch Kapitalerhöhungen, Beteilungen von Staatsfonds und Hedge-Fonds, vom Schlimmsten erholt haben werden.

Noch wurde diesbezüglich nichts beschlossen, mögliche Lösungen liegen aber schon auf dem Tisch.

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