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Donnerstag, 10. Januar 2008 |
Tony Blair, vormals britischer Premierminister, wird künftig die US-Investmentbank JP Morgan Chase mit Ratschlägen zur politischen Lage beraten, lese ich in der Zeitung. Damit macht er das, was sein Vorgänger schon gemacht hat und was fast alle Politiker machen, die national oder international einen Namen haben und auf ein ausgesuchtes Netzwerk zurück greifen können.
Man braucht nicht besonders viel Phantasie, um sich vorstellen zu können, was man selbst in dieser Situation machen würde, wenn man die ökonomische Effizienz zu seinem obersten Prinzip gemacht hat.
Ich versetze mich nun gedanklich in einen Politiker, setzte mich auf einen gut gepolsterten Sessel, nimm eine Zigarre zur Hand und sinniere über meine Zukunft nach, der Zukunft, die meiner Politkarriere folgen wird. Das grosse Geld steht auf der Matte, ich brauche es nur noch abzuholen. Schliesslich habe ich mich lange genug den Lobbyisten der Grosskonzerne gebeugt und die werden alles tun, damit sie mich in ihren eigenen Reihen einreihen können, damit ich dann von der anderen Seite meine Nachfolger beeinflussen kann.
Die Leute da draussen haben ja keine Ahnung. Als Politiker habe ich so gut wie gar keinen Einfluss. Selbst wenn ich im Interesse des Volkes handeln möchte kann ich dies nicht tun, weil zuviele andere Politiker mit einem Job bei einem Grosskonzern liebäugeln und sich deshalb auf deren Seite stellen. Meine frühere Einstellung, das Land in eine bessere Zukunft zu führen hat schon längst dem Zynismus Platz gemacht und jetzt sollen meine enttäuschten Hoffnungen auch bezahlt werden. Etwas Pragmatismus in einer komplizierten Welt kann schliesslich nicht schaden.
So zimmere ich mir meine Welt zu recht, ich bin doch nicht blöd. Das Paradigma der Oekonomie soll schliesslich nicht unmittelbar vor meinem Geldbeutel halt machen und überhaupt, die anderen machten es doch aus so.
Oekonomische Effizienz kann manchmal ganz schön trostlos sein, zum Glück bin ich kein Politiker.
Blair geht an die Wall Street (Trackback)
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