Walter Wittmann, Wirtschaftsprofessor an der Uni Freiburg, Sachbuchautor und regelmässiger Gast im Schweizer Fernsehen macht wieder mit provokanten Aussagen auf sich aufmerksam. Mehr Staat fordert Wittmann, denn ohne neue Regulierungen sei nach seiner Ansicht der Weg für den Aufbau der nächsten Finanzkrise frei.
Vor knapp einem Jahr kam sein Buch Der nächste Crash kommt: So sichern Sie sich als Anleger ab auf den Markt. Besser hätte sein Timing nicht sein können. Der Mann mit dem Riecher für aktuelle Themen schrieb in einem Gastbeitrag in der Berner Zeitung:
Der Finanzindustrie gelang es, so viel politischen Einfluss zu gewinnen, dass sie jene Regulierungen verhindern konnte, die ihr nicht genehm waren - und sind. Sie setzt auf den freien, unregulierten Markt. Es ist exakt jener, welcher uns die laufende Finanzkrise beschert hat.
Wer Kosten verursacht, muss diese selbst tragen, darf sie nicht an die Gemeinschaft weitergeben, das heisst externalisieren.
Lässt sich das Verursacherprinzip nicht durchsetzen, so sind Verbote sowohl angezeigt als auch marktkonform.
Kein Unternehmen darf ausserdem eine volkswirtschaftliche Dimension erreichen, die es unmöglich macht, es in einer Krise fallen zu lassen.
Gut gebrüllt Herr Professor, nur wenn bereits die deutsche IKB zu gross war, wer ist es dann nicht?
Es sei daher überfällig, die Finanzindustrie nach ordoliberalen Grundsätzen zu regulieren, schreibt der Professor. Kredite an Unternehmen , Konsumenten, Kreditkartenbesitzer, Leasingnehmer und Hauseigentümer (Hypotheken) dürften seines Erachtens weder verkauft noch in «Wertpapiere» umgewandelt «verbrieft» werden (Securitization). In dem Masse, wie Kreditgeber Risiken weitergeben können, fehle jede Bremse, bei der Kreditvergabe vorsichtig und zurückhaltend zu sein.
Vorsichtig hätten die Investoren und Aktionäre sein müssen - es war ihr Geld. Zudem kommt die Erkenntnis jetzt zu spät, der Umsatz ist zusammen gebrochen und das nächste Mal brennt es an einem anderen Ort. Da können wir uns die Regulierung in diesem Bereich gleich sparen.
Die Vergabe von Krediten an Finanzinvestoren sei ins Visier zu nehmen. Hedge Funds arbeiten mit einem gigantischen Hebel. Er beträgt nicht selten das 20- bis 30-Fache der verfügbaren Eigenmittel. Das verleiht ihnen jene entscheidende Macht, die erforderlich ist, Märkte aller Art zu manipulieren.
Wir brauchen den Staat nicht, der den Banken die Kredite an Hedge Fonds verbietet, das ist Sache der Aktionäre. Wer die Hedge Fonds als problematisch beurteilt, der sollte sich dafür stark machen, dass Pensionskassen nicht mit unserem Geld in Hedge Fonds investieren. Es macht keinen Sinn langfristiges Sparkapital kurzfristigem Gewinnstreben nachzuwerfen. Das wäre Sache des Staates und auch viel einfacher durchzusetzen.
Ein hochriskanter Bereich seien Derivate im Allgemeinen und strukturierte Produkte im Besonderen. Diese haben sich explosionsartig vermehrt, sind in unvorstellbare Dimensionen vorgestossen. ... Solche Produkte werden immer komplexer und entsprechend unbeherrschbar. Man kann sie nicht (mehr) verstehen. ... Es gibt zudem keine funktionierenden Märkte, aus denen man nach Belieben aussteigen kann. Aus diesem und anderen Gründen sind Derivate, insbesondere strukturierte Produkte, zumindest für private Anleger, zu verbieten.
Wo bleibt denn hier die Selbstverantwortung? Eine erstaunliche Aussage für einen liberalen Professor. Wer etwas nicht versteht, soll die Finger davon lassen.
Das Investmentbanking (UBS, CS) muss ausgelagert, verselbstständigt werden.
Diese Forderung wird nach jeder Finanzkrise gestellt und sobald die Märkte wieder rund laufen schnell vergessen. Nicht Neues also, aber durchaus populär.
Die Analyse der Probleme aus der Kreditkrise ist sicherlich richtig, aber nicht wirklich neu. Die Forderungen hingegen sind populistisch und wenig bis gar nicht realistisch. Was solls - für etwas Medienpräsenz macht auch ein Professor gerne mal den Pfau.
Der Original-Artikel: So sind die Banken zu regulieren
(Trackback)
Artikel kommentieren | Zu Favoriten hinzufügen (0) | Artikel zitieren | Aufgerufen: 1936
Geschrieben von: Nanuk, am 05-05-2008 10:25 Man braucht eine Geduld wie Sisyphos um Autolykos beim stehlen zu erwischen... Aber wenn man die Hufe seiner Pferde markiert kommt man schon zu dem Schluss das die Lobbyisten und die Finanzindustrie mit ihrer Fähigkeit alles so zu verändern das man nichts mehr wieder erkennt eine nicht unerhebliche Mitschuld tragen... die Heldenhaftigkeit eines Sisyphos kann man aber nicht von jedem verlangen...  Artikel kommentieren
AkoComment © Copyright 2004 by Arthur Konze |