Die Bankaktien sind von einer Talfahrt in eine Achterbahnfahrt umgeschwenkt. Einiges, was vorher unter dem Teppich war, ist jetzt auf dem Tisch. Auch wenn das verdorbene Menue noch nicht komplett ist, so sind sich die Investoren inzwischen bewusst, dass sie genau hinschauen müssen.
Noch völlig offen ist, was bei anderen Firmen unter dem Teppich liegt, denn die Banken waren in erster Linie als Vermittler der Subprime-Kredite aufgetreten. Wo diese gelandet sind, wussten wir bis heute nicht. Bloomberg hat sich auf die Suche gemacht und ist fündig geworden.
Noch bis vor ein paar Wochen war die Welt von Hal Wilson in Ordnung. Der Finanzchef von Floridas Jefferson County Schule ist verantwortlich für 2.7 Millionen US Dollar, welche von den ansässigen Steuerzahlern einbezahlt wurden. Das Geld, welches er in einen Investment Pool investiert hatte, rentierte 5.77 Prozent. Das war mehr, als ihm ein Geldmarktfonds eingebracht hätte und er ist sicher, dass die Manager dieses Fonds die Gelder intelligent investiert haben. Schliesslich kennt er alle persönlich.
Wir sind eine kleine Schulgemeinde, sagt Wilson, und wir haben nicht die Zeit und die Leute für eine professionelle Vermögensverwaltung. Deshalb überlassen wir das dem Local Government Investment Pool, das ist einfach und risikofrei. Einfach ja, risikofrei nein. Was Wilson noch bis vor kurzem nicht wusste – und Tausenden Finanzchefs von lokalen Schulgemeinden, Pensionskassen, Feuerwehrgruppen nie erzählt wurde – ist, dass die Investmentpools, welche von staatlichen Stellen verwaltet werden, das Geld der Steuerzahler auch in illiquide, unverständliche und undurchsichtige Wertpapiere investiert haben.
Dazu gehören die so genannten structured investment vehicles (SIV), welche die Banken weltweit erschüttern. Die meisten dieser SIVs haben hoch rentierende Hypothekenkredite und Unternehmensfinanzierungen angekauft und diese mit kurzfristigen Krediten finanziert. Seit im August die Subprime-Krise die Schlagzeilen beherrscht, ist diese Finanzierung eingebrochen und den SIVs fehlt die Liquidität, um das Vehikel am Laufen zu halten.
 Finden sich keine neuen Investoren, sind die SIVs gezwungen, die Hypothekarkredite zu jedem Preis auf den Markt zu werfen. Die Wallstreet-Banken JPMorgan, Bank of America und Citigroup versuchen nun mit einem Superfonds dieses Problem in den Griff zu kriegen. Die Investoren müssen aber auch hier noch erst gefunden werden.
Im Bloomberg-Bericht können Sie lesen, wo sich überall Risse auftun und die ersten Verluste aufgetreten sind: Public School Funds hit by SIV debts hidden in investment pools.
Eines sollte dabei nicht vergessen werden, die Banken haben diese Kredite weltweit verkauft und dieser Artikel zeigt nur, dass wir auf der Suche nach Verlusten aus der Kreditkrise überall fündig werden können. Wer alles investiert ist, wird sich erst in den nächsten Monaten zeigen, aber eines kann jetzt schon gesagt werden: Die geschätzten Verluste von 200-500 Milliarden US Dollar aus der Kreditkrise und die von den Banken bekannt gemachten Verluste und Abschreibungen von 50-100 Milliarden US Dollar stehen in keinem Verhältnis. Es liegt noch viel unter den Teppichen und die Teppiche sind überall, nicht nur bei Banken.
Cartoon via Immobilienblasen
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Geschrieben von: schule , am 15-11-2008 16:30 und jetzt beginnt es wieder... Artikel kommentieren
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