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Zensur im deutschen Fernsehen? |
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Sonntag, 31. August 2008 |
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"Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt." So steht es im deutschen Grundgesetz Artikel 5, Abs. 1. Ob diesem Gesetz Folge geleistet wurde im Interview des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders ARD mit Wladimir Putin kann ich nicht beurteilen. Ich bin kein Jurist. Der Sachverhalt wirft aber Fragen auf.
Seit der georgische Konflikt begonnen hat, beschleicht mich das ungute Gefühl, dass die Oeffentlichkeit nicht nach besten Wissen und Gewissen informiert wird. Das folgende Beispiel ist nur eines von vielen, bekommt aber eine spezielle Note, weil es sich um einen staatlichen, gebührenfinanzierten Sender handelt.
Während der georgische Präsident Saakaschwili die Möglichkeit bekam seine Sicht des Konflikts im Kaukasus live bei Maybritt Illner im ZDF der deutschen Oeffentlichkeit darzulegen, war dies dem russischen Gegenpol Wladimir Putin nicht möglich. Sein Interview mit Thomas Roth in den Tagesthemen wurde stark gekürzt. Das erfährt man aber nicht.
Auf der Internetseite der Tagesschau von ARD steht: "Neun Minuten Interview mit Wladimir Putin im Wortlaut." Hier wird suggeriert, dass wir das komplette Interview nachlesen können. Im Blog des Journalisten Thomas Roth, welcher das Interview geführt hat, erfahren wir dazu mehr:
Überraschend bekamen ich und das ARD Studio Moskau Gelegenheit den russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin in einem Hotel an der Schwarzmeerküste der russischen Stadt Sotschi zu interviewen - natürlich im Zuge der Georgienkrise aber auch der kommenden Tagung (Montag) der EU in Brüssel zum Thema Russland eine hochspannende Angelegenheit. Rund eine Stunde dauerte das Interview - übrigens ohne jede Themenbeschränkung. Und dann wurde es wirklich spannend.
Die ARD hatte sich zu Recht entschlossen, nicht nur in der Tagesschau und den Tagesthemen darüber zu berichten, sondern nach den Tagesthemen auch noch 10 Minuten zusätzlich zur Verfügung zu stellen.
Thomas Roth erklärt uns hier durch die Blume, dass das Interview gekürzt wurde. Vermutlich war dies für ihn eine Möglichkeit, der Ethik eines Journalisten Folge zu leisten und den Leser zu informieren. Nur sucht man das komplette Interview auf der Internetseite des ARD vergebens. Gefunden habe ich es dennoch - auf Youtube.com. (Teil 1, Teil 2, Teil 3). Hier wird uns ein Interview präsentiert, welches auf russisch übersetzt wurde und mit englischen Untertiteln versehen wurde. Hiermit ist der Beweis erbracht, dass das Interview tatsächlich mindestens dreimal so lang dauerte, wie das bei ARD publizierte "Neun Minuten Interview mit Wladimir Putin im Wortlaut." Gelogen hat die ARD nicht mit diesem Titel, manipuliert aber sehr wohl.
Auf russlandonline.ru habe ich nun das volle Interview im Wortlaut gefunden, ob es aber tatsächlich dem ursprünglichen Interview entspricht, kann ich leider nicht feststellen. Mein Russisch reicht nicht einmal um ein Bier zu bestellen ;-) Interessant ist es aber dennoch, was Putin gesagt hat (oder gesagt haben mag) und die ARD nicht veröffentlichen mochte.
Das komplette Interview zurück ins Deutsche übersetzt bei russlandonline: ARD kürzt Putin-Interview - Zensur durch Weglassen
Wenn die ARD dem Zensurverdacht entgegentreten möchte, könnte sie dies ganz einfach tun, in dem sie das komplette Interview ins Internet stellen würde. Warum haben sie dies nicht getan? Die übliche Begründung der knappen Sendezeit verfängt im Internet nicht.
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