Gehen Sie auch jeden Morgen hoffnungsvoll zum Briefkasten, in Erwartung
eines Checks des Finanzministers mit den aufmunternden Worten: Gehen
Sie mal flott einkaufen und stützen Sie die Konjunktur? Tja, die
Enttäuschung ist jeweils gross und ich frage mich nur "Wo sind sie denn
nur - die Milliarden?"
Seit Rettungsmassnahmen Hochkonjunktur haben, vermehren sich auch die
"Vorsicht-Hyperinflation" Beiträge in den Gazetten wie Pilze im
feuchten Waldboden. Nur bis jetzt ist nicht viel bemerkbar von den
drohenden Ankündigungen - im Gegenteil. Die Schweiz ist gerade das
erste Mal seit fünf Jahren in die Deflation gerutscht. Im März lagen
die Lebenskosten gemäss Bundesamt für Statistik um 0,4 Prozent tiefer
als ein Jahr zuvor. Hübsch umschrieben wird das mit Minus-Teuerung. Das
Wort Billigerung muss erst noch erfunden werden.
Wie sinkende
Preise mit Konjunkturprogrammen zustande kommen können, lässt sich
schön an der Abwrackprämie beobachten. Deutsche Bundesbürger bekommen
für die Verschrottung ihres Autos seit Januar eine Prämie von 2500
Euro. Dieser Anreiz hat zu einem wahren Sturm auf neue Kleinwagen
geführt. Die Gewinner sind Hyundai, Suzuki, Fiat und Kia. "Ein
staatliches Dumping für Importfahrzeuge", wie es der Car-Direktor
Ferdinand Dudenhöffer nennt.
Die Kehrseite der Medaille sind
deflationäre Preise im Gebrauchtwagenhandel und die Aussicht, dass beim
Wegfallen der Prämie niemand mehr die alten höheren Preise bezahlen
möchte. Mit Inflation ist hier also noch lange nicht zu rechnen. Doch
das ist nur eine Lappalie im weltweiten Schenkkreis der Finanzspritzen.
Fast alle Injektionen gingen an die Finanzindustrie und die sind nicht
inflationär.
Zu Beginn der Finanzkrise hatten internationale
Banken und Finanzinstiute Fremdkapital angehäuft, welches ihr
Aktienkapital um das 20 bis 50-fache überstieg. Mit den Billionen der
Steuerzahler müssen jetzt deren Löcher gestopft werden und ein Ende der
Fahnenstange ist nicht abzusehen. Es geht hier somit nicht um neue
Schulden, sondern die Verlagerung alter Schulden auf neue Schultern, um
das Finanzsystem am Leben zu erhalten.
Neben der deutschen
Abwrackprämie ist somit nicht viel beim Bürger angekommen und
solange wird er auch nicht einkaufen gehen - Kreditkartenkredite sind
im Moment gar nicht en vogue. Kurzum: Der Konsument hängt in den Seilen
und versucht gerade seine Shoppingsucht von gestern ein wenig auf die
Reihe zu kriegen. Wer in diesem Umfeld die Preise erhöht, kann gleich
die Jalousien runterlassen. Einzige Ausnahme in diesem Umfeld sind die
Lebensmittelpreise: denn gefressen wird bekanntlich immer.
Dazu
noch ein paar Zahlen aus den USA. Laut einer Umfrage können dort bei
einem Jobverlust 50% der Bevölkerung keinen Monat ihre Verpflichtungen
bedienen. Weitere 22% kommen 2-3 Monate ohne Gehaltszahlung aus. Die
Rentner stehen noch am besten da. 59% aller Amerikaner haben bereits
erste Schritte unternommen, um mehr zu sparen und weniger auszugeben.
Weitere 34% planen diese Schritte, womit wir bei einer Quote von 93%
wären. In Europa dürfte es in manchen Ländern auch nicht viel besser
aussehen. (Quelle)
In den USA ist inzwischen jeder zehnte Bürger auf die Lebensmittelhilfe
der Regierung angewiesen. Im Januar habe eine Rekordzahl von 32,2
Millionen Bedürftigen Lebensmittelmarken erhalten, teilte das
Landwirtschaftsministerium mit. Im Durchschnitt seien in dem Monat pro
begünstigter Person 112,82 $ bezahlt worden. Eine nachfragegetriebene Inflation seitens der
Konsumenten braucht somit niemand zu befürchten. Tatsächlich haben die
Billionenbeträge eine Deflation Richtung Null bei toxischen
Wertschriften und deren Besitzern verhindert - viel mehr war da nicht
und viel mehr ist auch nicht geplant. Sollte mir der Finanzminister
dennoch eines Tages schreiben, dann dürfte es eher um einen
Steuererhöhungsbescheid gehen, Geschenke aber gibt es keine.
(Trackback)
Artikel kommentieren | Zu Favoriten hinzufügen (0) | Artikel zitieren | Aufgerufen: 2941
Geschrieben von: Ray, am 05-04-2009 18:22 Ja, das trifft genau zu! Die Umverteilung auf andere Schultern trifft exakt zu. Nur das Problem ist doch die Umverteilung muß der Staat vornehmen, bzw. dessen Regierungen und Zentralbanken. Man kann aber hier nicht von Umverteilung sprechen da die Gegenleistung der aufgebrachten Millarden nur noch einen geringen Wert haben. Also bleibt der Staat (Regierungen, Zentralbanken) auf den "Müll" sitzen. Nun druckt man Billionen an Gelder um diesen Müll von den schwachen Schultern zu nehmen sonst fliegt das Finanzsystem auseinander. Die Staaten nehmen Schulden auf und die Zentralbanken kaufen dann deren Saatsanleihen. Das ist doch WAHNSINN! Nun komme ich hier nicht weiter UND BITTE UM HILFE !!!! WIE KÖNNTE SOWAS ENDEN ?? Geschrieben von: HRR, am 05-04-2009 19:13 Da befinden wir uns auf relativ unbekanntem Gelände. Staatsbankrott, Weltwährung, Schuldenerlass, Vermögenskonfiskation ... ? Geschrieben von: MH , am 05-04-2009 20:45 "Eine nachfragegetriebene Inflation seitens der Konsumenten braucht somit niemand zu befürchten." Das mag sein. Aber, dass nicht jeder Inflation "nachfragegetrieben" ist, mag man unschwer an Zimbabwe und an Deutschland in den 30ern erkennen. Geschrieben von: HRR, am 05-04-2009 22:02 @MH Deutschland war damals gegenüber dem Ausland in Gold verschuldet. Ein Problem, das auch heute Länder kennen, die in einer fremden Währung verschuldet sind. Dort kann es tatsächlich zu massiver Inflation kommen. EU-Staaten und die USA fallen aber nicht in diese Kategorie. Bei Grossbritannien sieht es schon ein wenig heikel aus. Dazu kommt: Heute wird kein Geld gedruckt, wie das in den Medien oft dargestellt wird. Das heisst, Geld kommt nur in die Welt, wenn jemand bereit ist, dies auch zu finanzieren (es gibt kein Netto-Geld). Wenn nicht, dann herrscht Liquiditätsklemme. Die Staaten können hingegen noch Schulden aufnehmen, weil auch Käufer für Staatsanleihen da sind. Dort wo dies nicht mehr uneingeschränkt läuft, sollen neu IWF-Kredite helfen. Sollten auch Länder wie die USA oder Deutschland Probleme bekommen, die Staatsanleihen zu vertickern, dann ist Ende der Fahnenstange angesagt. Geschrieben von: Anmerker, am 05-04-2009 23:32 »Die Gewinner sind Hyundai, Suzuki, Fiat und Kia. "Ein staatliches Dumping für Importfahrzeuge", wie es der Car-Direktor Ferdinand Dudenhöffer nennt.« Naja, der Dudenhöf(f)er, was er damit wohl sagen will? - Wenn die USA sich verschulden um weltweit in Konjunktur zu machen, dann ist das okay. Wenn D etwas ähnliches macht, dann isset nicht mehr okay? Das ist doch total schizophren: die USA mit jahrelanger negativer Handelsbilanz verfeuern Milliarden und die 3 Gewinner der vergangenen Jahre CN, J und vor allem D zieren sich. Außerdem: deutsche Oberklassewagen minus 2,5 k€ sind immer noch recht teuer... Geschrieben von: Bankster, am 06-04-2009 18:51 Nun mal im Ernst. Sind es die Kredite der Banken oder die der Verbraucher, die faul werden ? Sind die Autopreise in Deutschland nicht seit 10 Jahren mit 10% pro Jahr gestiegen ? Doch, genau das sind sie. Die Kisten sind schlicht überteuert und die faul werdenden Kredite sind die Schulden von Pappnasen, die sich weitaus mehr gekauft haben, als sie in den nächsten Jahren tilgen könnten. Somit ist diese Krise ein willkommener Heilungsprozess für Missstände.  Artikel kommentieren
AkoComment © Copyright 2004 by Arthur Konze
Erhalten von: Blick Log » Presseschau: Die Blicke in die Wirtschaft am 6. April 2009 , am 06-04-2009 01:23 (PB) [...] Zeitenwende: Wo sind sie nur - die Milliarden? [...] |