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Wo sind sie nur - die Milliarden? PDF Drucken E-Mail
Sonntag, 5. April 2009
Gehen Sie auch jeden Morgen hoffnungsvoll zum Briefkasten, in Erwartung eines Checks des Finanzministers mit den aufmunternden Worten: Gehen Sie mal flott einkaufen und stützen Sie die Konjunktur? Tja, die Enttäuschung ist jeweils gross und ich frage mich nur "Wo sind sie denn nur - die Milliarden?"

Seit Rettungsmassnahmen Hochkonjunktur haben, vermehren sich auch die "Vorsicht-Hyperinflation" Beiträge in den Gazetten wie Pilze im feuchten Waldboden. Nur bis jetzt ist nicht viel bemerkbar von den drohenden Ankündigungen - im Gegenteil. Die Schweiz ist gerade das erste Mal seit fünf Jahren in die Deflation gerutscht. Im März lagen die Lebenskosten gemäss Bundesamt für Statistik um 0,4 Prozent tiefer als ein Jahr zuvor. Hübsch umschrieben wird das mit Minus-Teuerung. Das Wort Billigerung muss erst noch erfunden werden.

Wie sinkende Preise mit Konjunkturprogrammen zustande kommen können, lässt sich schön an der Abwrackprämie beobachten. Deutsche Bundesbürger bekommen für die Verschrottung ihres Autos seit Januar eine Prämie von 2500 Euro. Dieser Anreiz hat zu einem wahren Sturm auf neue Kleinwagen geführt. Die Gewinner sind Hyundai, Suzuki, Fiat und Kia. "Ein staatliches Dumping für Importfahrzeuge", wie es der Car-Direktor Ferdinand Dudenhöffer nennt.

Die Kehrseite der Medaille sind deflationäre Preise im Gebrauchtwagenhandel und die Aussicht, dass beim Wegfallen der Prämie niemand mehr die alten höheren Preise bezahlen möchte. Mit Inflation ist hier also noch lange nicht zu rechnen. Doch das ist nur eine Lappalie im weltweiten Schenkkreis der Finanzspritzen. Fast alle Injektionen gingen an die Finanzindustrie und die sind nicht inflationär.

Zu Beginn der Finanzkrise hatten internationale Banken und Finanzinstiute Fremdkapital angehäuft, welches ihr Aktienkapital um das 20 bis 50-fache überstieg. Mit den Billionen der Steuerzahler müssen jetzt deren Löcher gestopft werden und ein Ende der Fahnenstange ist nicht abzusehen. Es geht hier somit nicht um neue Schulden, sondern die Verlagerung alter Schulden auf neue Schultern, um das Finanzsystem am Leben zu erhalten.

Neben der deutschen Abwrackprämie ist somit nicht viel beim Bürger angekommen und solange wird er auch nicht einkaufen gehen - Kreditkartenkredite sind im Moment gar nicht en vogue. Kurzum: Der Konsument hängt in den Seilen und versucht gerade seine Shoppingsucht von gestern ein wenig auf die Reihe zu kriegen. Wer in diesem Umfeld die Preise erhöht, kann gleich die Jalousien runterlassen. Einzige Ausnahme in diesem Umfeld sind die Lebensmittelpreise: denn gefressen wird bekanntlich immer.

Dazu noch ein paar Zahlen aus den USA. Laut einer Umfrage können dort bei einem Jobverlust 50% der Bevölkerung keinen Monat ihre Verpflichtungen bedienen. Weitere 22% kommen 2-3 Monate ohne Gehaltszahlung aus. Die Rentner stehen noch am besten da. 59% aller Amerikaner haben bereits erste Schritte unternommen, um mehr zu sparen und weniger auszugeben. Weitere 34% planen diese Schritte, womit wir bei einer Quote von 93% wären. In Europa dürfte es in manchen Ländern auch nicht viel besser aussehen. (Quelle)
In den USA ist inzwischen jeder zehnte Bürger auf die Lebensmittelhilfe der Regierung angewiesen. Im Januar habe eine Rekordzahl von 32,2 Millionen Bedürftigen Lebensmittelmarken erhalten, teilte das Landwirtschaftsministerium mit. Im Durchschnitt seien in dem Monat pro begünstigter Person 112,82 $ bezahlt worden.
 
Eine nachfragegetriebene Inflation seitens der Konsumenten braucht somit niemand zu befürchten. Tatsächlich haben die Billionenbeträge eine Deflation Richtung Null bei toxischen Wertschriften und deren Besitzern verhindert - viel mehr war da nicht und viel mehr ist auch nicht geplant. Sollte mir der Finanzminister dennoch eines Tages schreiben, dann dürfte es eher um einen Steuererhöhungsbescheid gehen, Geschenke aber gibt es keine.

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RSS Kommentare Kommentare (6)

Geschrieben von: Ray, am 05-04-2009 18:22
Ja, das trifft genau zu!

Die Umverteilung auf andere Schultern trifft exakt zu.

Nur das Problem ist doch die Umverteilung muß der Staat vornehmen, bzw. dessen Regierungen und Zentralbanken. Man kann aber hier nicht von Umverteilung sprechen da die Gegenleistung der aufgebrachten Millarden nur noch einen geringen Wert haben. Also bleibt der Staat (Regierungen, Zentralbanken) auf den "Müll" sitzen.

Nun druckt man Billionen an Gelder um diesen Müll von den schwachen Schultern zu nehmen sonst fliegt das Finanzsystem auseinander. Die Staaten nehmen Schulden auf und die Zentralbanken kaufen dann deren Saatsanleihen. Das ist doch WAHNSINN!

Nun komme ich hier nicht weiter UND BITTE UM HILFE !!!! :cry

WIE KÖNNTE SOWAS ENDEN ??

Geschrieben von: HRR, am 05-04-2009 19:13
Da befinden wir uns auf relativ unbekanntem Gelände. Staatsbankrott, Weltwährung, Schuldenerlass, Vermögenskonfiskation ... ?

Geschrieben von: MH website, am 05-04-2009 20:45
"Eine nachfragegetriebene Inflation seitens der Konsumenten braucht somit niemand zu befürchten."

Das mag sein. Aber, dass nicht jeder Inflation "nachfragegetrieben" ist, mag man unschwer an Zimbabwe und an Deutschland in den 30ern erkennen.

Geschrieben von: HRR, am 05-04-2009 22:02
@MH

Deutschland war damals gegenüber dem Ausland in Gold verschuldet. Ein Problem, das auch heute Länder kennen, die in einer fremden Währung verschuldet sind. Dort kann es tatsächlich zu massiver Inflation kommen. EU-Staaten und die USA fallen aber nicht in diese Kategorie. Bei Grossbritannien sieht es schon ein wenig heikel aus.

Dazu kommt: Heute wird kein Geld gedruckt, wie das in den Medien oft dargestellt wird. Das heisst, Geld kommt nur in die Welt, wenn jemand bereit ist, dies auch zu finanzieren (es gibt kein Netto-Geld). Wenn nicht, dann herrscht Liquiditätsklemme. Die Staaten können hingegen noch Schulden aufnehmen, weil auch Käufer für Staatsanleihen da sind. Dort wo dies nicht mehr uneingeschränkt läuft, sollen neu IWF-Kredite helfen.

Sollten auch Länder wie die USA oder Deutschland Probleme bekommen, die Staatsanleihen zu vertickern, dann ist Ende der Fahnenstange angesagt.

Geschrieben von: Anmerker, am 05-04-2009 23:32
»Die Gewinner sind Hyundai, Suzuki, Fiat und Kia. "Ein staatliches Dumping für Importfahrzeuge", wie es der Car-Direktor Ferdinand Dudenhöffer nennt.«

Naja, der Dudenhöf(f)er, was er damit wohl sagen will? - Wenn die USA sich verschulden um weltweit in Konjunktur zu machen, dann ist das okay. Wenn D etwas ähnliches macht, dann isset nicht mehr okay?

Das ist doch total schizophren: die USA mit jahrelanger negativer Handelsbilanz verfeuern Milliarden und die 3 Gewinner der vergangenen Jahre CN, J und vor allem D zieren sich. Außerdem: deutsche Oberklassewagen minus 2,5 k€ sind immer noch recht teuer...

Geschrieben von: Bankster, am 06-04-2009 18:51
Nun mal im Ernst. Sind es die Kredite der Banken oder die der Verbraucher, die faul werden ? Sind die Autopreise in Deutschland nicht seit 10 Jahren mit 10% pro Jahr gestiegen ? Doch, genau das sind sie. Die Kisten sind schlicht überteuert und die faul werdenden Kredite sind die Schulden von Pappnasen, die sich weitaus mehr gekauft haben, als sie in den nächsten Jahren tilgen könnten. Somit ist diese Krise ein willkommener Heilungsprozess für Missstände. 8)


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