In den letzten Wochen ist es hier ruhig geworden, sehr ruhig und das
hat auch einen Grund. Mir fehlt zunehmend die Motivation über die ewig
gleichen Wellen an der Wasseroberfläche zu schreiben, solange sich am
Meeresboden nichts ändert. Und es hat sich nichts geändert. Die grösste
Finanzkrise seit 1929 hat nicht dazu geführt, dass man sich
grundsätzliche Fragen gestellt hätte. Statt Change erleben wir ein
pragmatisches Weiter so im Sinne derer, die die Krise verursacht haben.
Das kurzfristige Denken der Banken spiegelt sich nun auch im Verhalten
der Politik. Deutschland fährt jetzt einen Staatshaushalt auf Sicht und
ist damit in guter Gesellschaft. Maastricht-Kriterien sind zu Makulatur
geworden. Was gestern noch Gültigkeit besass, wird heute schonungslos
über Bord geworfen. Der Grund ist und bleibt der gleiche, die Welt will
Wachstum und da will sich niemand ideologisch in den Weg stellen. Egal
ob links oder rechts, für das Schulden machen sind sie alle.
Noch
nie wurde uns so klar aufgezeigt, dass Wachstum nur durch Schulden
entsteht. Was zuvor die Banken und Konsumenten gemacht haben, müssen
nun die Staaten übernehmen. Doch wer rettet dann die Staaten, wenn sie
für ihre Schulden keine Investoren mehr finden? Die politischen
Würdenträger gehen dieser Frage genau so strikt aus dem Weg wie das
Individuum der Frage nach dem eigenen Tod. Deshalb fahren die Staaten
noch ein bisschen weiter auf Sicht, bis sie eines Tages die Augen
schliessen. Wann das sein wird, wissen wir genau so wenig wie das Datum
des eigenen Ablebens. Doch dass der Zeitpunkt näher rückt, braucht
niemandem mehr erklärt zu werden.
In der Zwischenzeit streiten
die Aerzte über die Massnahmen, um das Ende aufzuschieben und verkaufen
uns Abwrackprämien als nachhaltige Konjunkturmassnahmen. Das Ende der
Rezession wird ausgerufen, wenn das BIP auf tiefem Niveau wieder einmal
einen kleinen Sprung macht. Doch wer genau hinsieht, realisiert
schnell, dass es den einzelnen Organen immer schlechter geht. Das
"Personal Income" ist in den USA weiter gesunken, die Arbeitslosigkeit
weiter gestiegen. Die Milliardensegnungen der Staaten haben den Bürgern
nicht neue Kraft gegeben, sondern deren finanzielles Ableben
verhindert. Doch die Schulden sind immer noch da, die Vermeidung des
Systemkollapses hat das Ausbuchen der Schulden verhindert. Die
Fehlallokation seitens der Gläubiger wurde nicht sanktioniert und ihr
Geld galoppiert renditehungrig weiter durch die Kapitalmärkte.
Aus
diesem Grund glauben zahlreiche Beobachter an eine Hyperinflation. Denn
wo das Geld sich nicht in Luft auflöst, wenn es für toxischen Müll
aufgewendet wurde, braucht es einen neuen Hafen. Und diesen Hafen
können eigentlich nur Sachwerte sein - Boden, Rohstoffe und
Edelmetalle. Auf der anderen Seite stehen die Deflationisten, welche
wegen dem zwangsweisen Konsumverzicht mangels finanzieller
Möglichkeiten auf die Gleichung setzen: Weniger Nachfrage = sinkende
Preise; sinkende Preise = Zusammenbruch der Unternehmen.
Interessant
ist in dieser Situation überreifer langfristiger Zyklen auch der
Einfluss der Finanzindustrie. Laut William K. Black hat sich ihr Anteil
an den Gewinnen in der Wirtschaft in 40 Jahren von 2 Prozent auf 40
Prozent erhöht. Doch eines hat Black nicht verstanden. Laut ihm sollten
die Banken eine Vermittlerrolle in der Wirtschaft spielen und deshalb
wie alle Vermittler so klein als möglich bleiben, ansonsten sie zu
Parasiten werden. Wenn es denn so wäre. Banken sind mehr als das. Sie
vermitteln nicht nur, sie schaffen auch Geld. Von fractional reserve
banking oder Giralgeldschöpfung hat er offenbar noch nichts gehört und
ist damit in guter Gesellschaft. Doch wer das nicht verstanden hat, hat
auch die Wirtschaft nicht verstanden und wird auch in Zukunft überrascht sein, wenn plötzlich ein Eisberg die Sicht verstellt und die Eisberge da draussen sind grösser als man denkt.
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Geschrieben von: MNB, am 30-10-2009 17:03 Sicher doch haben die Banken auch eine Vermittlerrolle. Nur eben eine sehr privilegierte. Weil sie allein an den Thresen der ZB dürfen. Aber ich schreibe v.a. wegen Deiner ersten Zeilen. Ich glaube, viele teilen Deine "Verzweiflung", weil man Ende letzten Jahres an Veränderungen glaubte und sich prinzipiell nichts geändert hat. Gerade mal, daß die Leitplanken einen neuen Anstrich bekamen. - Weisst Du, wie man den Wähler aus seiner Lethargie erweckt. Geschrieben von: HRR, am 30-10-2009 17:33 Dass diejenigen, die an den goldenen Futtertrögen sitzen nichts ändern wollen, versteht sich von selbst. Doch damit etwas geändert werden kann, muss erst einmal das Wissen da sein, wie Banken eigentlich funktionieren. In den Köpfen ist immer noch "Geld verschwindet nicht, es hat nur ein anderer". Dieser Spruch, der noch vom Gold gedeckten Geld herstammt ist nicht nur falsch, er führt auch zu den falschen Schlüssen, wie man in der Krise agieren soll. Geschrieben von: steinklopfer, am 30-10-2009 20:09 Gut gebrüllt Löwe ... aber was nun Schnelle Lösung gibt es keine. Vor allem keine die dem Konsens genügen und damit breite Unterstützung finden könnte. Und schnell muss sie sein, es bleibt nicht viel Zeit. Geschichte wiederholt sich weil wir aus selbiger nix lernen. Geschrieben von: egghat , am 30-10-2009 23:05 Ja leider sehr ruhig ... Ich will dir jetzt mal etwas Motivation geben: Schreib nicht, damit sich die Welt ändert, sondern dafür, dass ein paar Leute mehr die wichtigen Informationen bekommen. Artikel kommentieren
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