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Montag, 13. Oktober 2008
Mit der Staatshilfe für Banken wurde die Büchse der Pandora geöffnet und niemand weiss, wann man den Deckel wieder schliessen kann. Nach den Finanzinstituten haben nun auch die Autobauer entdeckt, wie schlecht es ihnen geht. Nimmt man die Millionensaläre der Manager zum Vergleich, wäre man zwar nie darauf gekommen, dass hier jemand Hilfe benötigt, aber man will jetzt ja nicht kleinlich sein.

Ein Zittern geht durch die Autobranche. Als eine der Ersten bekommt sie jetzt die ganze Schlagkraft der Finanzkrise zu spüren, schreibt die FTD.

Das ist völliger Humbug. Die Autokonzerne sind weder die ersten noch die einzigen, aber sie sind diejenigen mit den besten Lobbyisten. Das Blumengeschäft um die Ecke spürt die aufkommende Rezession genau so, aber ihr Jammern dringt nicht bis zum Regierungsgebäude.

Selbst eine Insolvenz von Riesenkonzernen wie dem US-Hersteller General Motors wird nicht mehr ausgeschlossen.

Die waren schon am Ende bevor die Journalisten das Wort Kreditkrise buchstabieren konnten.

In dessen Heimatmarkt begann ein Absatzeinbruch, der nun Europa erfasst. Teure Kredite für Firmen und Autokäufer verschlimmern die Lage drastisch.

...und der Absatz wird auch mit Subventionen nicht steigen.

Schon schreien erste Hersteller in Europa nach dem Staatssäckel

Es schreien noch ganz andere, nur werden sie nicht gehört.

Mit zinsgünstigen Milliardenkrediten will ja immerhin schon die US-Regierung ihre Autobauer stabilisieren.

Die europäischen Autobauer brauchen keine zinsgünstigen Kredite, weil sie auch nicht hoch verschuldet sind.

Nun zeigt sich, dass die USA einen Flächenbrand entzündet haben. Es droht der Start in einen weltweiten Subventionswettlauf.

Der droht nur, wenn europäische Regierungen mitmachen. Niemand verpflichtet sie dazu. Die amerikanischen Hersteller brauchen sie so oder so nicht zu fürchten.

Wenn Europa in die Hysterie um die Zukunft der Autokonzerne einstimmt, warum sollten China, Russland und Indien ihren Konzernen dann nicht auch helfen?

Genau, also erst gar nicht damit anfangen. Aber dafür ist es schon zu spät. 

Angela Merkel stellt den Autobauern Hilfe in Aussicht, Nicolas Sarkozy spendiert den französischen Autobauern 400 Mio. Euro und Fiat-Chef Sergio Marchionne fordert ein EU-Hilfsprogramm, für das er ein Volumen von 40 Mrd. Euro als angemessen hielt. Das Geld könnte verwendet werden, um umweltfreundliche Autos zu bauen.

Aber gerne, willkommen im Staatskapitalismus!

Quelle

Merkel macht Autobauern unmoralisches Angebot

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RSS Kommentare Kommentare (5)

Geschrieben von: martin r, am 13-10-2008 20:51
Mei, wenn ich mir vorstelle, wie man beim Mittelstand den Umsatz und die Beschäftigung ankurbeln könnte, wenn nicht alles in PKW's und Benzin verbraucht würde...Da fährt er hin, unser Wohlstand...Ja und überhaupt, wo fährt er hin ? 5000Euro Gewinn durch Produktion und 5000Euro Verlust durch Benzineinfuhr macht 15000Euro Gewinn für das Staatssäckel durch Produktion und Vertrieb: Respekt.
:grin

Reichtum herrscht nur dort, wo die Gewinne durch Investitionen in die Gesellschaft zurückgeführt werden. Angesammelter Reichtum machte immer alle ärmer - auch die Vermögenden. Nur die Kirchen bilden da eine Ausnahme: sie wurden so reich, daß alle anderen zurückstanden. Das ist übrigens der Grund, warum das Gold aller Glaubensrichtungen in Sakralräumen verstaut wurde: da war es sicher und galt als Unterpfand. :grin

Geschrieben von: decoien website, am 14-10-2008 09:46
Sehr dünn und enttäuschend ist das, was gestern der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Banken, Klaus-Peter Müller, der Bildzeitung gesagt hat. Fehler habe man gemacht, gesteht er “freimütig” ein. Großartig. Dabei verweist er auf die komplizierten Finanzprodukte, die man so nicht hätte zulassen dürfen. Keine angemessene Reaktion für einen Banker, der eigentlich die Notwendigkeit der Finanzprodukte kennen müsste. Kein Verweis darauf, dass die Fehler nicht in den Finanzprodukten lagen, sondern in der Gier, mit diesen Finanzprodukten den letzten Renditepunkt aus den Kunden herauszuquetschen.

Diese und weitere dünne Worte enttäuschen mich und machen mich fassungslos. Die Banken als Hauptverursacher der Finanzkrise finden keine Weg zu tiefer Selbstkritik und scheinen auch nicht an ihren Hausaufgaben zu arbeiten. Immerhin gab es jetzt eine öffentliche Äußerung. Ich bin gespannt, wann sich weitere Institute oder Verbände rühren.

Weiterer Ärger zu dem Interview in meinem Blog

Geschrieben von: quadrillion, am 14-10-2008 12:08
Es ist schon erstaunlich, welche Summen innerhalb von wenigen Tagen aufgebracht werden, um den vollständigen Kollaps des Finanzsystems nochmals zu verzögern. Während für Ernährungssicherungsprojekte in Afghanistan, Afrika, Asien und Lateinamerika seit 2002 nur etwa 0,04 Mrd Euro (40 Mio Euro) aufgebracht werden konnten, stehen für die Banken innerhalb von wenigen Tagen!! 400 Mrd Euro Bürgschaften zur Absicherung gegenseitiger Kredite zur Verfügung. Zusätzlich werden 80 Mrd Euro zur Sanierung der Bankenbilanzen zur Verfügung gestellt. Und von wem soll das alles bezahlt werden? Vom Steuerzahler auf Kredit! Wenn wir uns recht erinnern, ist der Steuerzahler (Staat) bereits so weit überschuldet, daß er die Zinsen für die Kredite nicht aufbringen kann, ganz zu schweigen von einen ausgeglichenen Haushalt. Aber in der Lage, Bürgschaften und neues Kapital im Umfang von 480 Mrd Euro aufzubringen, soll er sein??? Da ist es nicht verwunderlich, dass das "Volk" das Vertrauen in die Finanz- und Politik-Elite verloren hat - fragt sich nur, wann es die Geduld verliert...

Geschrieben von: Philipp website, am 14-10-2008 15:52
Ich bin auch der Meinung, dass Managergehälter viel zu hoch sind, aber es ist einfach bireweich zu suggerieren, dass durch deren Senkung irgend ein realwirtschaftliches Problem gelöst werden kann. Also zum Beispiel: Hätten die Autoindustriemanager nicht so viel Lohn, gings der Autoindustrie finanziell besser. Oder: Hätte man die Boni der Bankmanager einbehalten, könnte man jetzt damit Verluste ausgleichen. Etc. Moralisch würde man besser da stehen. Finanziell fallen diese Löhne in der Gesamtheit der Problematik aber nie ins Gewicht.

Geschrieben von: HRR, am 14-10-2008 15:56
Es ist auch "bireweich" zu glauben, dass gierige Manager sich Gedanken über das langfristige Ueberleben eines Unternehmens machen.


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