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Wilde Thesen, vage Vermutungen und naive Vorstellungen |
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Dienstag, 25. August 2009 |
Der Gesamtbetriebsratschef von Opel droht Detroit wegen der
Hinhaltetaktik mit spektakulären Massnahmen. Denkbar sei eine
Demonstration vor der US-Botschaft oder vor einem anderen in den USA
bekannten Monument in der Hauptstadt. Ist das nicht süss...?
Deutschland macht mit den USA gerade die Erfahrungen, die die Schweiz
bereits hinter sich hat. Beide Länder haben ein Unternehmen, dass sie
nicht fallen lassen können respektive wollen. Die Amerikaner nutzen das
konsequent aus. Das ist Politik - Machtpolitik. Die Schweiz ist aus dem
Schlamassel, der auf dem feuchten Boden grössenwahnsinniger UBS-Banker
entstanden ist, mindestens vorübergehend mit einem blauen Auge davon
gekommen. Weder wurde das Bankgeheimnis preisgegeben, zumindest
offiziell, noch musste die UBS sich mit einer Milliardenbusse
freikaufen. Das hat die Experten überrascht. Ueberraschend ist es aber
nur, wenn man die Informationen zur Kenntnis nimmt, die von offizieller
Seite stammen. Wahrscheinlicher aber ist es, dass die Schweiz die
Tinner-Akten ins Spiel gebracht hat. Da schlottern selbst den Amis die
Knie. Ob es tatsächlich so war, werden wir zwar nie erfahren, aber
irgendetwas muss die Schweiz noch in die Waagschale geworfen haben, um
dieses überraschende Ergebnis zu erreichen.
Der Name Tinner
dürfte den deutschen Lesern dieses Blogs nicht sehr geläufig sein.
Deshalb eine Kurzzusammenfassung von Wikipedia:
Urs Tinner ist
ein Schweizer Agent, der nachrichtendienstliche Tätigkeiten ausübte.
Als Spion der CIA half er mit, das Atomwaffen-Programm von Muammar
al-Gaddafi aufzudecken. Tinner arbeitete ab 1998 in Dubai und Malaysia
für Abdul Kadir Khan, den „Vater der pakistanischen Atombombe“, sowie
für dessen Vertrauten Buhary Syed Abu Tahir. Dabei gelangte er in den
Besitz von Dokumenten, welche für die Herstellung von Kernwaffen und
für die Anreicherung von waffenfähigem Uran relevant sind. Er verkaufte
diese Dokumente dem amerikanischen Geheimdienst CIA bzw. der
Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, welche in der Folge im Oktober
2003 eine Lieferung mit nukleartechnischem Material auf dem Frachter
BBC China abfangen konnten. Tinner trug so wesentlich dazu bei, das
Atomwaffenprogramm von Libyen aufzudecken und das
Atomschmuggel-Netzwerk von Khan zu zerschlagen. Urs Tinner wurde am 8.
Oktober 2004 in Deutschland verhaftet und am 30. Mai 2005 an die
Schweiz überstellt. Auch gegen seinen Vater Friedrich Tinner, seinen
Bruder Marco Tinner sowie weitere Personen ergingen Haftbefehle. Unter
dem Verdacht, gegen das Schweizerische Kriegsmaterialgesetz verstossen
zu haben, wurden die Tinners von der Bundesanwaltschaft über Jahre in
Untersuchungshaft gehalten.
Und jetzt wird es erst richtig interessant...
Auf
Antrag des damaligen Justizministers Christoph Blocher entschied die
Schweizer Regierung im November 2007, die Dokumente aus dem Besitz von
Urs Tinner zu vernichten. Der Bundesrat begründete diesen Schritt
damit, dass man habe verhindern wollen, dass diese Dokumente in falsche
Hände gelangten oder die Schweiz deswegen erpresst würde.
In der
Schweiz sind diese Ereignisse als Tinner-Affäre, auch Tinner-Akten,
bekannt. Die Geschäftsprüfungskomission des Parlaments, welche die
Veröffentlichung eines offiziellen Berichts gegen den Willen des
Bundesrates durchsetzte, kritisierte die Aktenvernichtung scharf: Der
Bundesrat habe ohne akute Bedrohung auf Notrecht zurückgegriffen und
damit in ein laufendes Verfahren eingegriffen. Es besteht zudem der
Verdacht, dass die Vernichtung des Materials auf Druck der USA
erfolgte, welche damit die Rolle der CIA in der Atomschmuggel-Affäre
vertuschen wollte.
Doch nach der Vernichtung der Akten kamen im
Dezember 2008 plötzlich Kopien zum Vorschein. Die Bundesanwaltschaft
fand die Akten eher zufällig, wie BA-Sprecherin Walburga Bur erklärte.
Diese vorsorglichen Kopien hatte die Polizei für die BA angefertigt.
Sie landeten in Schachteln im BA-Archiv, ohne dass der für den Fall
Tinner zuständige Staatsanwalt davon erfuhr.
Ob dieser "Zufall" einen Beitrag zum guten
Verhandelsergebnis für die Schweiz beigetragen hat, werden wir
natürlich nie erfahren. Den Schweizern dürfte es auch wurscht sein,
Hauptsache, die UBS wurde vom politischen Glatteis geholt. Kritischen Geistern dürfte auch die zeitliche Koinzidenz der Reise nach Tripolis von Bundespräsident Merz kurz nach dem UBS-Deal aufgefallen sein. Auch Gaddafi ist ja Bestandteil der Tinner-Affäre. Zufälle gibts...
Doch zurück zur Opel-Geschichte. Die Idee des
Betriebsratschef von Opel mit Demonstrationen vor der US-Botschaft das
Verhandlungsergebnis zu verbessern, wirken wie unausgegorene Gedanken
eines Hasen im Streichelzoo, dem Fuchs in der freien Wildbahn den Tarif
durchzugeben. Eine nette Geschichte, vielleicht sollte man dafür
Eintritt verlangen. Die FTD ist da schon etwas realistischer und
schreibt:
Der Verwaltungsrat von GM lässt sich Zeit mit der
Entscheidung über die Zukunft von Opel. Rücksicht auf deutsche
Interessen ist nicht zu erwarten.
Seit wann nehmen Länder gegenseitig Rücksicht aufeinander? Es geht um Politik - Machtpolitik!
FTD: Washingtons Vasallen Der Spion, der aus dem Rheintal kam Dokumente, die das SF im Bundesarchiv entdeckte Bundespräsident Merz entschuldigt sich bei Libyen
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