Zeitenwende.ch        WIRTSCHAFT - geschüttelt statt gerührt
Widersprüchliche Entwicklungen beim Gold PDF Drucken E-Mail
Freitag, 3. Oktober 2008
"Das ist schon Ausnahmezustand", sagt der Geschäftsführer des Münchner Goldhändlers Pro Aurum SPIEGEL ONLINE. Seit zwei Wochen kommt das Unternehmen mit der Auslieferung kaum hinterher, die Kunden stürmen den Online-Shop. Ein Blick auf den Goldpreis lässt die Goldkäufer hingegen weniger frohlocken. Der Preis sinkt trotz Hiobsbotschaften von der Finanzwelt.

Gold kaufen oder verkaufen wird immer mehr zu einem Glaubenskrieg. Die Freunde des gelben Metalls sehen im Gold den letzten Retter im Hinblick auf eine Kernschmelze des Finanzsystems. Doch dass der Zusammenbruch kommt, wird immer weniger wahrscheinlich. Die Staaten rund um den Globus machen es den USA nach und öffnen ihre Schatulle, um in den Not geratene Banken zu retten. Wer geglaubt hat, dass solche Rettungsaktionen nicht zu stemmen seien, wird täglich eines Besseren belehrt.

Den umfassendsten Schritt hatte vor kurzem Irland gemacht, um die Banken vor heranstürmenden Kunden zu schützen und gleich alle Einlagen bei den grössten Banken des Landes bis 2010 garantiert. Inzwischen ist auch die griechische Regierung auf den Zug aufgesprungen, obwohl dies eigentlich gar nicht nötig sei, wie der Finanzminister Georgios Alogoskoufis betonte. Andere Länder werden sicher noch folgen.

Im Wettstreit um die Sicherheit in unsicheren Zeit zeigen sich die Regierungen gewillt, die Zügel wieder fest in die Hand zu nehmen. Staatsgarantie heisst das Zauberwort, das auch bei den Investoren auf fruchtbaren Boden fällt. Die Staatsanleihen sind mittlerweile so begehrt, dass die kurzfristigen Laufzeiten kaum noch Rendite abwerfen. Doch was gut ist für die Banken, muss nicht unbedingt gut sein für das Gold. Dies zeigt die Preisentwicklung, seit die Staatsinterventionen begonnen haben.

Kurzfristig, so macht es den Anschein, haben die Staaten den Wettstreit um das Vertrauen der Investoren für sich entscheiden können. Wie lange die Staaten die nach oben schnellende Schuldenbelastung stemmen können, ist hingegen eine ganz andere Frage, zumal auch mit noch so viel Geld eine Rezession nicht abzuwenden sein wird. Die Zeit des Goldes wird sicher noch kommen, dass es aber nicht bereits heute der Fall ist, wie die Kunden der Goldhändler es erhoffen, dürfte manchen Goldbug enttäuscht haben.

Trackback-URL  (Trackback)

Tag it:
Delicious
Furl it!
Spurl
NewsVine
Reddit
YahooMyWeb
Technorati
Mister.Wong

Kommentar-Feld ein/ausblendenArtikel kommentieren | Zu Favoriten hinzufügen (0) | Artikel zitieren | Aufgerufen: 2765

RSS Kommentare Kommentare (4)

Geschrieben von: joachim schlecht, am 03-10-2008 19:16
Sehr komische Betrachtungsweise. Wenn Irland durch diese Garantie eine Prokopfverschuldung von ueber 100 tsd Euro riskiert.... Erkennen Sie jetzt was daran gut fuer Gold sein soll. Es geht nicht nur um das Verdienen oder Spekulieren. Physische Edelmetalle werden einfach nur lebensnotwendig werden. Der Autor vergisst, dass z.B Griechenland sich diese Garantien nicht leisten kann. Keiner kann es. Garantieren ist leicht wenn ich mein Geld selbst drucken darf. Wuerden Sie jemandem fuer 2 % Zinsen Geld leihen der total ueberschuldet ist ? Vielleicht stellen sich diese Fragen manche Anleger bald mal. Ob dann die Staatsanleihen noch so beliebt sind ? Hyperinflation ist nicht wenn der Spritpreis 10 Cent hoch geht. Fragen Sie mal Ihre Oma .

Geschrieben von: HRR, am 04-10-2008 00:09
Damit bin ich völlig einverstanden. Im Moment machen sich die Investoren aber diese Gedanken nicht, das zeigt der Goldpreis und die Preise für Staatsanleihen. Der Goldpreis wird langfristig steigen, das ist auch meine Ueberzeugung. Kurzfristig scheint mir aber alles möglich zu sein.

Geschrieben von: sacibo, am 04-10-2008 05:20
"Physische Edelmetalle werden einfach nur lebensnotwendig werden."

Das mag für Kupfer und bedingt für Silber richtig sein, aber definitiv nicht für Gold. Zigaretten und genügend Vorräte sind lebensnotwendig und gut tauschbare Einheiten....

Garantien sind nicht gleich zu setzten mit Verschuldung. Eigentlich ist der Schritt genau der richtige. "Kleinspareren" (bis 100 T€ oder 500 T€) die Einlagen garantieren. Damit vermeidet man einen Bankenrun und den Rest einfach dem Markt überlassen. Dann kostet das nie im Leben 700 MRd, aber einigen Banken den Kopf.

Es ist wie in der Ehe. Wer einmal das Vertrauen missbraucht hat, der wird immer skeptisch betrachtet. Im Prinzip muessten die Banken komplett ausgetauscht werden...

Geschrieben von: martin, am 04-10-2008 22:24
Irland kann locker 400 Milliarden Euro zahlen, Klein-Bimbach kann es auch - no problem.
Frage: wer glaubt diesen Unsinn?
Antwort: die Finanzmärkte.
Und was lernen wir daraus ?
Die Idioten der 1.Kategorie schieben ihren Reibach nach Irland ... zum Versenken im ... Whisky ?
My Dear, wenn EZB sagt: nö - nö nö ,was wird da gespielt.
Das sind doch Zockspielchen vorm Show-Down:
den letzten beißen die Hunde.
Wie hieß der Song der Fußball-WM: F I N A L E .....


Kommentar-Feld ein/ausblendenArtikel kommentieren

AkoComment © Copyright 2004 by Arthur Konze

 
< zurück   weiter >

Blog-Verzeichnisse

Schweizer Blog Verzeichnis TopBlogs.de slug.ch Blogs, die hierher linken list.blogug.ch bloggerei.de - deutsches Blogverzeichnis Blogverzeichnis Bloggeramt.de investinformer.de - TOP100 Investment Sites Blogparade