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Werfen jetzt die Scheichs das Gold auf den Markt? PDF Drucken E-Mail
Freitag, 27. November 2009
In einem See aus Liquidität hebt es eben jedes Boot, schreibt Frank Meyer und bezieht sich auf den Goldpreis - und Liquidität ist noch mehr als genug vorhanden, erklärte mir gerade ein befreundeter Banker. Ich mache jetzt mal auf Advocatus Diaboli und bringe eine Gegenthese.

"Gold ist Geld - und sonst nichts", sagte 1907 der legendäre Banker J. P. Morgan. Wer hätte es gedacht, dass er rund 100 Jahre später immer noch recht behalten sollte. Alan Greenspan hatte ebenfalls recht, als er 1966 in einem Aufsatz Gold und Freiheit untrennbar in Verbindung brachte. Vielleicht hat er sich gewünscht, dass er das nie öffentlich geschrieben hätte, doch Papier ist bekanntlich geduldig. (Quelle)

Wenn Greenspan recht hatte, dann muss J.P. Morgan falsch liegen, zumindest aus heutiger Sicht. Denn was Geld - also gesetzliches Zahlungsmittel ist, das bestimmt der Staat, da sind wir nicht frei. Gold hingegen ist nur ein beliebtes Metall, das von der Geldschwemme profitiert. Selbstverständlich ist es möglich, dass Gold wieder den Status eines Zahlungsmittels annimmt, wenn das Vertrauen in die Währungen zusammenbricht. Doch bis jetzt ist es immer noch so, dass man Geld braucht, um die Kredite tilgen zu können und genau hier lauert die Gefahr. Welcome in Dubai...

Ich zitiere nochmals Frank Meyer aus einem Artikel von vergangenem Dezember

Dubai spielt im internationalen physischen Goldhandel seit Jahrhunderten eine dominante Rolle, die in den letzten Jahren weiter angewachsen ist. Im Gegensatz zu deutschen Anlegern gibt es in Dubai kaum einen, der von Gold nichts hält. Viele haben ihre Ersparnisse in Gold angelegt. Da weiß man, was man hat.


Und genau hier könnte das Problem für das Gold liegen, denn die Scheichs brauchen jetzt vorallem Cash, um ihre Schulden tilgen zu können. Also raus aus dem Edelmetall und rein in den US$, was zu sehr unangenehmen Folgen führen würde.

Der Goldpreis sinkt und der Dollar steigt und plötzlich stehen die Carry-Trades, welche die Finanzmärkte massiv aufgeblasen haben, zur Disposition. Alle Positionen werden verkauft, damit man den US$ möglichst schnell eindecken kann, bevor er entgegen den Erwartungen zu steigen beginnt. Deleveraging nennt man das im Fachjargon und plötzlich ist die Liquidität weg.

Voilà, hier haben wir das perfekte Crash-Szenario. Ob es auch so eintrifft, hängt wie immer von den handelnden Personen ab. Ein Spiel mit ungewissem Ausgang. Deshalb: Vorstellen kann ich mir viel, wissen tu ich gar nix.


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RSS Kommentare Kommentare (5)

Geschrieben von: egghat website, am 27-11-2009 16:06
interessante Überlegung!

Geschrieben von: egghat website, am 27-11-2009 17:07
Gold schon wieder bei 1.080 nach 1.040 heute morgen. Wow!

Geschrieben von: HRR, am 27-11-2009 17:14
Na, ja, das ändert nichts an den Zusammenhängen, welche wirksam werden können. So feierte der Dow seine Höchstkurse mehrere Monate NACHDEM der Immomarkt bereits nach unten lief. Nachher ging es jedoch schnell.

Deshalb schrieb ich auch, vorstellen kann ich mir viel, wissen tu ich gar nix. Wann Personen handeln oder zum Handeln gezwungen sind, kann man nicht prognostizieren. Wissen tun wir aber, dass Dubai irgendwie Geld besorgen muss, um die Schulden zu bedienen.

Geschrieben von: Zyniker, am 27-11-2009 22:23
Kann HRR nur recht geben. Ein Gross Investor der seine Positionen liquidieren muss kann etwas auslösen. Vorallem da der Gold USD trade tausendfach rund um Welt kopiert wurde. Short USD long Gold. Obwohl ich ja glaube die Herrscherfamilie wirds richten:-)javascript:ac_smilie(':)')

Geschrieben von: DepressiverRealismus, am 28-11-2009 16:03
Sehr guter Artikel! schon vorab vielen Dank für die Erleuchtung der Zusammenhänge.
Anmerkungen:
1. Es dauert eine Weile bis die Marktteilnehmer reagieren und der Goldpreis sinkt. Der Goldpreis wird wohl erst nächstes Jahr sinken.

2. Damit wäre die Brasilien-Sause wohl auch bald beendet sein. Willkommen im Club der anämisch, depressiven Ökonomien. Brasilien und Australien werden wohl die grössten Opfer des Carry-Trades werden.
Ich hoffe das Brasilien daraus lernt und den Handel mit Derivaten verbietet.


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