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Waterloo für die Hedge-Fonds-Industrie PDF Drucken E-Mail
Sonntag, 21. September 2008
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Waterloo für die Hedge-Fonds-Industrie
Seite 2
Nach dem Verbot von Shorts in den USA, Grossbritannien und Deutschland wird es kalt in der Hedge Fonds Industrie. Ihr Geschäftsmodell ist ohne Leerverkäufe nur schwer denkbar. Auch wenn bis jetzt "nur" Finanztitel von diesen Massnahmen betroffen sind, hat diese kurze Regeländerung garantiert Schneisen in die Performance der ehemaligen Stars des Börsenkasinos gefegt.

Was war geschehen? Die Finanz und Wirtschaft bringt dazu folgende Geschichte: Die Vertrauenskrise hatte die Chefs zweier führender US-Wertschriftenhäuser dazu bewogen, Washington um Schützenhilfe zu ersuchen. Hinter der Kulisse sprachen John Mack von Morgan Stanley und Lloyd Bankfein von Goldman Sachs mit Behördenvertretern über "missbräuchliche" Leerverkäufe, die - so die gängige Meinung - an den jüngsten krassen Kursverlusten schuld sind.

Nach dem Verkünden des Verbots gab es für die Börsenhändler kein Zögern mehr. Für jeden Händler war klar, jetzt müssen die Kurse rauf ohne Wenn und Aber. Für die zwei Investmentbanken war das Ziel erreicht.

Nur weshalb kam die Massnahme erst am Donnerstag abend, NACHDEM Lehman Brothers bereits bankrott war und AIG unter die staatlichen Fittiche gestellt wurde? Und vorallem - wie kann es sein, dass die zwei verbliebenen Investmentbanken über Nacht missbräuchliche Transaktionen entdeckten? Entweder gab es diese Transaktionen schon lange oder sie gab es nicht.

Egal was auch stimmen mag, entscheidend ist, dass Morgan Stanley und Goldman Sachs nur aus einem Grund zum Telefonhörer griffen, sie hatten Angst, das gleiche Schicksal wie ihre Konkurrenten zuvor zu erleben. Doch diese krasse Regeländerung konnte der Oeffentlichkeit nicht vermittelt werden OHNE moralischen Hintergrund: die bösen Spekulanten. (Mehr dazu hier: Lügengeschichten)

Mit "den bösen Spekulanten" hatten die zwei Investmentbanken in erster Linie die Hedge Fonds im Visier, deren Geschäft (HEDGE) ohne Leerverkäufe nicht denkbar ist. Nach den neuen Regeln müssen sie zwar die bestehenden Shortposition nicht eindecken, aber sie dürfen erstens keine neuen mehr eingehen und sie müssen die alten ab einer Höhe von 0.25 % der Marktkapitalisierung den Behörden melden.

Man braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass die Hegde Fonds nun mächtig sauer sind. Bis jetzt konnten sie mehr oder weniger im Dunkeln agieren. Die mangelnde Transparenz wurde zwar in Sonntagsreden von Politikern und Finanzbehörden immer wieder bemängelt, doch geschehen ist nichts. Der eine oder andere mag sich vielleicht noch daran erinnern, dass die deutsche Bundeskanzlerin beim G8-Treffen in Heiligendamm vor einem Jahr von den USA und Grossbritannien abserviert wurde, als sie die Regeln verschärfen wollte.

Alles passé. Goldmann hatte gerufen und die Behörden liessen sich nicht zweimal bitten. Die Shortpositionen müssen nun eingedeckt werden oder sie kommen ans Licht. Ein schauerlicher Gedanke für Finanzjongleure, welche das Licht scheuen wie der Teufel das Weihwasser und wenn es ganz dumm kommt, sogar noch der Presse zum Frass vorgeworfen werden. 



 
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