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Wann kommt endlich die Krise? PDF Drucken E-Mail
Samstag, 28. März 2009
Gestern rief mich ein Freund an und erzählte frustriert von seinem Versuch eine Wohnung oder ein Einfamilienhaus zu kaufen. Das Angebot an einer vernünftigen Lage habe sich innert Jahresfrist verschlechtert. "Ich finde einfach nichts!" Bestätigt wurden seine Erfahrungen auch von seinem Bankberater. Die Nachfrage sei immer noch da und Notverkäufe haben Seltenheitswert. Von Krise keine Spur, das zeigt auch die folgende Statistik.

Die Finanz & Wirtschaft hat die Preisveränderungen am Immobilienmarkt von 19 Ländern zusammengestellt. Dort schwingt die Schweiz oben auf. Innert Jahresfrist sind die Preise um 3.7 % gestiegen. Leichte Zunahmen konnten ausserdem nur noch Italien (+ 1.1 %) und Frankreich (+ 0.8 %) verzeichnen. Deutschland befindet sich im Mittelfeld mit Abschlägen von durchschnittlich - 2.5 %. Am Ende der Liste sind wenig überraschend die USA mit - 19.2 % und Grossbritannien mit - 17,6 %.

Da die Schweiz keine Immobilienkrise kennt, läuft auch der Detailhandel weiterhin gut. Das ist nicht überraschend. Bereits im Jahr 2003 hat die BIZ in einer Studie aufgezeigt, dass der Immobilienmarkt der entscheidende Faktor für die Wirtschaft eines Landes ist. Die Performance des Aktienmarktes hingegen wird massiv überschätzt.

Genau dieses Wissen hat sich die USA nach dem Platzen der Technologie-Blase zu eigen gemacht und den Immobilienmarkt durch künstlich tiefe Zinsen und eine laxe Hypothekenvergabepolitik gestützt. Doch jetzt ist die amerikanische Konjunkturlokomotive zum Erliegen gekommen und reisst ihre Importeure mit nach unten und ein Ende ist nicht absehbar.

Die F&W schreibt, Wie weit der amerikanische Markt derzeit von einer ausbalancierten Angebots-Nachfrage-Situation entfernt ist, illustrieren die 3,5 Mio. Häuser, die landesweit zum Verkauf stehen. Setzt man diese Zahl mit der monatlichen Verkaufsrate ins Verhältnis, so ergibt das einen Ueberbestand, der die Nachfrage um das Zehnfache übertrifft. Barclays schätzt deshalb, dass die Preise bis Ende 2010 weitere 20 % korrigieren werden. Eine Entwicklung, die Spanien noch vor sich haben dürfte. Dort sind die Preise seit 1997 um 184 % gestiegen und haben seit ihrem Höchst erst 3.2 % korrigiert.

Weniger betroffen von der Immobilienkrise aber bleiben Länder, welche gar keinen Boom erlebt haben. Betreffen wird sie aber der weltweite Wirtschaftsabschwung, der sich über Nacht bei den Exporteuren bemerkbar gemacht hat und sich nun verzögert vorallem bei den langfristigen Gütern wie Autos und Möbel zeigt.

In Kürze: Während in Ländern wie USA, Grossbritannien oder Spanien der Immobilienmarkt die Ursache für den Wirtschaftsabschwung ist, wird in Ländern wie Deutschland und der Schweiz der Exportsektor zur Ursache werden, welcher in Folge den Immobilienmarkt nach unten zieht, falls die Weltwirtschaft nicht rechtzeitig wieder neuen Schwung erhalten sollte.
 
In Detroit kosten Häuser nur noch einen Dollar
Die Fiesta ist vorüber



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RSS Kommentare Kommentare (5)

Geschrieben von: tin, am 28-03-2009 12:49
Finde den Artikel etwas zynisch - ich weiss von verschiedenen Leuten, die auf Kurzarbeit gesetzt wurden oder bald ihren Job verlieren werden - und mit 50 oder mehr Jahren werden die kaum mehr einen finden. Es wird sein wie immer, die einen (gutbetuchten) wird die Krise vielleicht verschonen - aber andere werden werden sie voll abkriegen...

Geschrieben von: HRR, am 28-03-2009 12:58
Der Artikel bezieht sich auf den Immobiliensektor - speziell die Schweiz. Und da ist von Krise keine Spur. Das hat mit "gutbetucht" nichts zu tun, es spiegelt nur die verschiedenen Realitäten.

Geschrieben von: tin, am 28-03-2009 15:22
"Die Krise" wird bezieht sich aber leider nicht nur auf den Immobiliensektor - der Wortwahl wäre also mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Geschrieben von: Jens, am 29-03-2009 01:35
Tin, was willst Du, eine Wohlfühl-Weichspül-Website, die jeden, der von der Krise betroffen sein könnte, in Watte packt, oder eine Site, die Interessantes über das Thema Wirtschaft berichtet? Dank @HRR für die Wiedereröffnung:-)

Geschrieben von: tin, am 29-03-2009 11:10
Wie bitte? Ganz im Gegenteil von "Wohlfühl-Weichspül. Das Zähneklappern, wenn die neue Revolution ausbrechen wird, wird bestimmt weniger toll sein. Aber man kann gerne den Kopf in den Sand stecken.


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