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Mittwoch, 27. August 2008
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Wachstumsmotor Rüstungsindustrie
Seite 2
Wer Heuchler erleben möchte, kann sie dieser Tage in einem ihrer favorisierten Biotope beobachten: der Weltpolitik, schreibt Katrin Brand. Ihr Kommentar hebt sich dabei angenehm von vielen Journalisten ab, die immer noch glauben, dass der Feind nur im Osten sein könne während die USA schon längst im europäischen Wohnzimmer Platz genommen haben.

Die eine Weltmacht simuliert Herzenswärme für die Rechte von Minderheiten, die andere Weltmacht glüht vor Sorge um das Selbstbestimmungsrecht aller Völker. Die Begriffe sind dabei austauschbar, denn nichts davon ist echt. Den USA ist das Schicksal Georgiens, Südossetiens und Abchasiens glatt egal - genauso wie den Russen. Ihnen geht es um politische Macht, wirtschaftlichen Einfluss, jede Menge Energie und darum, den jeweils anderen vorzuführen.

Und weil Geld Macht bedeutet und Geld in den USA gerade am Austrocknen ist, haben die Amerikaner ihren Statthalter in Georgien gerade noch rechtzeitig vor den Präsidentschaftswahlen von der Leine gelassen. Der Zeitpunkt schien günstig und die Blicke waren gerade auf Peking gerichtet. Doch die Russen liessen sich nicht zweimal bitten und nahmen das Angebot dankend an. Es krachte.

Die mit Hilfsgütern beladenen amerikanischen Kriegsschiffe haben darauf den Kaukasus schneller erreicht als vor drei Jahren New Orleans. Ein Schelm, wer Böses denkt. Nun stehen sich die trojanischen Pferde aus Ost und West getarnt als friedliche Gäule in Georgien gegenseitig auf die Füsse. So schön kann Propaganda sein. Wer dieses Schachspiel mit zahlreichen Bauernopfern gewinnen wird ist noch offen. Gewonnen hat aber sicher die Rüstungsindustrie, verloren haben genau so sicher die Südosseten, denen das Mitgefühl von allen Seiten um die Ohren fliegt. 

Unter dem Eindruck von Russlands militärischem Vorgehen gegen Georgien haben sich Polen und die USA auf den Aufbau einer amerikanischen Raketenabwehr auf polnischem Gebiet geeinigt. 10 Tage zuvor war noch keine Einigung zustande gekommen. (Quelle)
 
Der amerikanische Vizeprädident Cheney begibt sich nun am 2. September nach Tiflis um Danke zu sagen, dass die schlingernde US-Wirtschaft jetzt wieder neue Impulse bekommt. Wen gar nichts mehr geht war Krieg schon immer ein probates Mittel um die Leute bei Arbeit zu halten. Die Russen können im Gegenzug ihr gedemütigtes Ego der vergangenen Jahrzehnte mit neuen Machtspielen pflegen.

Viel schwieriger ist es die Motive der EU-Staaten zu verstehen. Dass sie sich so schnell auf die Seite von Saakaschwili stellten und dabei etwas von "territorialer Integrität" als Rechtfertigung schwafeln, mag nach dem Kosovokonflikt nur wenige zu überzeugen. Während dessen provoziert der georgische Präsident munter weiter und es ist nicht anzunehmen, dass er dies gegen den Willen der USA tut. Es wäre jetzt an der EU die Situation zu beruhigen bevor der russische Bär die Tatzen etwas weiter Richtung Westen ausstreckt.



 
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