Der legendäre Ausspruch von Warren Buffett, dass Derivate
Massenvernichtungswaffen seien, bekommt mit der VW-Aktie eine neue
Dimension. Seit Porsche am Sonntag mitteilte, neben der Erhöhung ihres
Anteils an VW auf 42,6 Prozent auch noch 31,5 Prozent in Form von
Optionen zu kontrollieren, schossen die VW-Aktien auf über 1000 Euro -
fern jeglicher fundamentalen Berechnungen.
Total hat Porsche nun 74,1 Prozent des VW-Konzerns unter Kontrolle.
Weil aber auch das Land Niedersachsen gut 20 Prozent der Anteile
besitzt, ist nur noch ein sehr kleiner Anteil von gut fünf Prozent
überhaupt noch am Markt verfügbar. Und um diesen letzten Rest
verfügbarer Aktien kämpfen nun gleich mehrere Parteien. Vorne weg all
jene Marktteilnehmer, welche die Aktien haben müssen, um den DAX
abzubilden.
Den DAX abbilden müssen all jene Vermögensverwalter,
welche den DAX als Benchmark mit ihren Kunden vereinbart haben. Dazu
kommen auch noch Indexzertifikate und viele mehr. Je stärker nun die
VW-Aktie steigt, desto grösser wird ihr Anteil am DAX. Wer zuvor zu
wenig VW-Aktien im Depot hatte, wird nun zu Käufen gezwungen. Da davon
auszugehen ist, dass fast alle Teilnehmer in VW untergewichtet sind,
weil die VW-Aktien fundamental zu teuer sind, müssen sie nun gegen ihre
Ueberzeugung kaufen oder die Situation aussitzen. Diese Spirale stoppen
kann nur Porsche selbst, aber Porsche hat kein Interesse daran, weil
sie von dieser Bewegung profitiert.
Die Analysten der DZ-Bank
haben deshalb das Preisziel der VW-Aktien nun massiv heraufgesetzt und
beweisen auch noch Humor: Nach ihren Berechnungen seien die VW-Aktien
nun 911 Euro wert in Anspielung auf den Sportwagenklassiker.
Porsche
kontrolliert nun nicht nur VW sondern auch den gesamten DAX und treibt
damit sehr viele Marktteilnehmer in den Wahnsinn. Man braucht sich nur
einmal vorzustellen, wie gross die Wut jener Teilnehmer ist, die ihre
Depots mit DAX-Puts abzusichern versuchten und nun trotz gigantischen
Verlusten auf ihren Aktien wie Allianz, Deutsche Bank usw auch noch
Verluste auf den DAX-Put-Optionen vorweisen. Alle Zahlenmodelle sind
jetzt Makulatur.
Betroffen von dieser Entwicklung sind sicher
auch die Banken - nur welche - das ist die grosse Frage. Niemand hat
Einblick in die sich täglich verändernden Handelsbücher. Betroffen sind
aber auch Hedge Fonds. Die Rede ist von Verlusten von 15 Milliarden
Euro, laut Berichten der Financial Times.
Weshalb bei dieser
Illiquidität die VW-Aktien immer noch im DAX gelistet sind, bleibt mir
hingegen schleierhaft. Die Aufsichtsbehörden, welche für einen
geregelten Ablauf der Märkte verantwortlich sind, schlafen komplett und
dies vor aller Augen der Oeffentlichkeit und irgend wann muss man auch
die Frage der Moral stellen. Darf Porsche den gesamten deutschen
Aktienmarkt manipulieren, nur weil sie clever genug waren, sich in
diese Position zu hieven? Und wer kommt für die Schäden auf, die sich jetzt bei den Finanzinstituten summieren? Klar, der Steuerzahler - vielleicht bekommt er als Entschädigung einen staatlich subventionierten Golf geliefert und die Porsche-Eigner dürfen sich gleich doppelt freuen.
Die Deutsche Börse will die VW-Aktie trotz der seit Wochenbeginn erneut
exorbitanten Kurssteigerungen im Leitindex DAX lassen. "Es gibt
keinerlei Überlegungen, VW aus dem DAX zu nehmen. Solange fünf Prozent
der Aktien im Streubesitz sind, gibt es dazu keine Veranlassung", sagte
ein Sprecher des Marktbetreibers am Dienstag und verwies dabei auf das
Regelwerk der Deutschen Börse. Auch gebe es keine Hinweise auf
Rechtsverstösse, die eine Herausnahme rechtfertigten. Eine Änderung der
DAX-Regularien sei ebenfalls nicht geplant. Am Markt dagegen empören
sich immer mehr Händler, dass das deutsche Börsenbarometer durch eine
einzige Aktie zurzeit derart verfälscht werde. "Das Verhalten der
Deutschen Börse ist unverantwortlich", sagte einer von ihnen. Alle
anderen Aktien im DAX würden anscheinend ohne Rücksicht auf Verluste
verkauft, nur um Aktien von Volkswagen finanzieren zu können.
UPDATE: Deutsche Börse kappt VW-Anteil am Dax (Trackback)
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Geschrieben von: Joerg , am 28-10-2008 12:23 Man könnte doch eigentlich gut eine Obergrenze einzelner Werte in der Indexgewichtung einführen die sich an historischen Durchschnittskursen orientiert. Kann doch nicht angehen, dass VW mit 17% nun am DAX gewichtet ist. Geschrieben von: quadrillion, am 28-10-2008 13:13 DAX in VWDAX umtaufen! Geschrieben von: Nanuk, am 28-10-2008 13:17 Das ist nurnoch ne Kirmes Bude... Bananen Republik... Wer ist eigendlich jetzt Herr im Hause Deutschland? Wulf und Wiedeking... Die anderen betteln nurnoch... Geschrieben von: kosh, am 28-10-2008 14:57 Find ich voll cool von die Porsches - Weshalb bei dieser Illiquidität die VW-Aktien immer noch im DAX gelistet sind, bleibt mir hingegen schleierhaft. Warum schleierhaft, die Antwort steht doch im Kasten. Am DAX-Sprecher angelehnt sind keine Rechtsverstösse auszumachen, evt. wäre für die Zukunft eine Neuregelung angebracht, aber on the road die Regeln ändern? Das nennt sich Rechtsstaat, wenn man darauf verzichtet, man sich ergo auf das Recht noch verlassen kann. Ganz im Gegensatz zur offensichtlichen Vergewaltigung des Rechts im Rahmen der grassierenden Krise. Begriffe wie Insolvenzverschleppung oder "als Geldfortschritt getarnter Kreditbetrug" http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/16 18999_Als-Geldfortschritt-getarnter-Kreditbetrug.html etc. wurden herumgereicht. Wie oft haben sich Stupid White Men in den letzten Jahren über mangelnde Rechtsicherheit in Entwicklungsländern beschwert, deretwegen sie nicht gewillt seien zu investieren? Die Rechtssicherheit eines Staates bemisst sich nicht an ihrer Handhabung bei Sonnenschein, sondern an der Glaubwürdigkeit des Rechts und das in es gesetzte Vertrauen in stürmischen Zeiten. Im Westen wird darüber noch nicht gross diskutiert, aber wir erleben gerade ein tiefe Rechtsunsicherheit, ehrliches investieren lohnt sich nicht, man macht besser irgendwas mit Banken und so, da kriegt man sein Geld notfalls wieder zurück, vom Deppen vom Dienst, dem Steuerzahler (nicht persönlich betroffen reagieren gelle, bin selber bekennender Depp). - Porsche kontrolliert nun nicht nur VW sondern auch den gesamten DAX und treibt damit sehr viele Marktteilnehmer in den Wahnsinn. Die Systemrisiken sind bekannt, resp. sollten den Marktteilnehmern bekannt sein. Börse ist keine Einbahnstrasse zur persönlichen Bereicherung. - ... wie gross die Wut jener Teilnehmer ist, die ihre Depots mit DAX-Puts abzusichern ... Dumm gelaufen, Kurzläufer gewählt? Klar, Wut, und hoffentlich auf sich selber, weil man sich verspekuliert hat. Da sind überall Risiken und nochmal Risiken mit drinne, auf Heller und Promille genau berechnete Zahlenparks die einem nichts anderes mitteilen als Achtung, Vorsicht, Risiko -> "auf eigene oder Steuerzahlers Verantwortung". Nu ja, die VW-Aktie wird wohl nicht ewig im siebten Himmel schweben und wer Langläufer gewählt hat, kann zumindest aussitzen. - Und wer kommt für die Schäden auf, die sich jetzt bei den Finanzinstituten summieren? Klar, der Steuerzahler ... Klar doch, solange der Steuerzahler als Wähler jene Parteien wählt, die dafür sorgen, dass der Steuerzahler für alles aufkommt, solange können sich die Parteien auch am Steuerzahler schadlos halten. Da muss man sich nicht wundern, wenn Porsche auf seine Weise einen auf carpe diem macht. Jede ökonomische Nische läuft ständig Gefahr irgendwann besetzt zu werden, das ist eben genau das was wir unter Freier Marktwirtschaft verstehen, in Sonntagsreden. Dass nun Porsche volle Kanne zuschlägt und Kasse macht, und das auch noch legal, steht aber in keinem Verhältnis zu den Umständen, wie die Banken die hohle Hand machen. Der Unterschied ist der, dass Porsche sich momentan topfit - sonntagsredlich survival of the fittest - gebärdet und damit evt. einige Banken in weitere Bedrängnis bringt und erst dafür soll Steuerzahler aufkommen. Wenn Steuerzahler will, kann er ja auch noch Porsche retten wenn's schief geht. Eines von vielen Stupid White Mans Lehrbeispielen, TA vom 28.10. S. 25: Für seine Banken tut der Westen heute Dinge, die er Asien einst verboten hat. Wenn aber unsere Banken am Boden sind, dann gibt's vom Spekulanten wohl nur eins, werft Porsche auf den Poden. Abgesehen davon hat Porsche seit geraumer Zeit versucht, auf sympathischere Weise an VW zu kommen. Ein anderer Punkt, warum ist es nicht ebenso fragwürdig, wenn Fonds blindlings den Aktienindex abbilden, ob die Zukäufe fundamental berechtigt sind oder nicht? Sollten allein die Charts ausschlaggebend sein, sollte jedem halbwegs gebildeten Anleger bewusst sein, dass Kurse auch steigen können, wenn sie fundamental längst fallen müssten. Ein Mechanismus sich selbst verstärkender Zukäufe ist nichts weiter als ein Dominospiel, ein simpler Algorithmus für eine positive Feedbackschlaufe. Eigentlich will ich gar nicht zukaufen, aber weil der andere kauft, tue ich das auch, und der dann wiederum etc etc. Die selbsterfüllende Prophezeiung steckt da schon mit drin, bis zum Umkehrpunkt, und dann geht es im gleichen Tempo wieder bergab. Solche zwanghaften Domino-Mechanismen erhöhen ledliglich die Volatilität, nur dass uns das vornehmlich an solch krassen Beispielen wie VW sauer aufstösst. Die Amis auf Kurs kosh Geschrieben von: HRR, am 28-10-2008 16:32 Find ich voll cool von die Porsches Dann müsstest du auch die Ackermanns & Co cool finden. Auch sie haben das System clever zu ihren Gunsten genutzt. Bei mir kommt da keine Begeisterung auf. Es geht mir hier nicht um Formelles sondern Ideelles und ohne Ideale wird ein Land früher oder später zu grunde gehen. Ich sag nur Gut Nacht Deutschland. Geschrieben von: kosh, am 28-10-2008 17:25 @HRR - Dann müsstest du auch die Ackermanns & Co cool finden. Auch sie haben das System clever zu ihren Gunsten genutzt. Bei mir kommt da keine Begeisterung auf. Als Beobachter versuche ich meine Ideale von der Realität abzukoppeln. Cool im Sinne des Gesamtsystems, ja. Aber Porsche hat sich innerhalb des geltenden Rechts bewegt, soweit bislang bekannt. Auf diesen Unterschied habe ich explizit hingewiesen (-> "Dass nun Porsche volle Kanne zuschlägt und Kasse macht, und das auch noch legal, steht aber in keinem Verhältnis zu den Umständen, wie die Banken die hohle Hand machen"). - Es geht mir hier nicht um Formelles sondern Ideelles und ohne Ideale wird ein Land früher oder später zu grunde gehen. Ohne Ideale keine Zukunft zwischen den globalen Supersippen. Der Homo sapiens hat sich evolutionär für eine maximale Sippengrösse von 150 Individuen entwickelt. Darüber hinaus brauchen wir Gesellschaftsideale z.B. für einen idealisierten Freien Markt, in dem sich sich die Marktteilnehmer wenigstens in unserer Fantasie freiwillig "ethisch" unbedenklich verhalten. Ironischerweise haben in einem solchen Freien Markt Al Capones und andere Parasiten eigene Fantasien und verstehen sich ebenfalls als freie Marktteilnehmer, weil Ethik auch in der Theorie ein weitgehend dehnbarer, subjektiver wahrgenommener Begriff und darum umstritten ist. Auf die Realität abgebildet entspricht der idealisierte Freie Markt jenem gelebten Gärtchen, welches der Staat als GeSETZgeber Rechte und Pflichten SETZend und bindend eingezäunt hat. Die ethischen Wahrnehmungsverzerrungen schlagen - leider, so ist er halt, der Homo sapiens - auch praktisch auf den vom Gesetzgeber geplanten Freien Markt nieder. Der Theorie nach hat der Gesetzgeber für solche Fälle einen Strafkatalog vorgesehen. Der Herr Ackermann nahm also die Gartentür und verlangte nach verbotenen Früchten, die vom Gesetzgeber so nicht vorgesehen waren, resp. nur unter Strafe. Aus meiner rein subjektiven ethisch-moralischen Sicht eine Schweinerei, aus sozialevolutionärer Sicht und sich um Neutralität bemühende Beobachter der Zeitenwende aber interessant, denn er und seine globale Kumpanei demonstrierten unverfroren in aller Öffentlichkeit ("eine Lüge muss nur gross genug sein", ein Zitat aus Zeiten, die hinterher "nie wieder" geschehen sollten), dass es auch heutzutage möglich ist, das Gesetz zu brechen und dafür belohnt zu werden, durch Rückgriff auf den Wähler, den Steuerzahler. Aus der Perspektive der Rechtssicherheit absolut keine Begeisterung auch von mir. Das einzige was jeden Staat zusammenhält ist die Rechtssicherheit, die man aus diesem Grund auch mit dem Befinden des Staats gleichsetzen kann. Fazit: Dem Wirtschaftsversagen folgte das Staatsversagen auf dem Fusse, die nächste Blase wird gebildet und die massgebliche Multimedienlandschaft wird auch die frühestens thematisieren, wenn sie geplatzt ist. Langsam geht es an die Grundfesten unserer demokratischen Gesellschaften, eine spannende, aber auch eine riskante Zeit (Thema Risiko: soll mir keiner erzählen, dass das Risiko durch Systemversagen nicht bekannt ist, selbst der kommunste Steuerzahler dürfte davon eine leise Ahnung haben). Die Amis auf Kurs kosh Geschrieben von: DANTE, am 28-10-2008 18:53 1. Die 15 Milliarden Hedgefondsverluste sind Zahlen von gestern Abend. 2. Ich hörte etwas von Dax-Gewicht 16-17% von VW; das war vor der Bewegung heute 3. Die Bewegung heute war nominell gesehen größer als gestern. => Dax-Gewichtung dürfte weiter angewachsen sein. 4. Dax-Gewichtung wird nicht angepasst von Deutsche Börse 5. Deutsche Börse Tochter Stoxx wird heute Abend VW Gewichtung anpassen: http://www.financial.de/news/agenturmeldungen/2008/10/28/rou ndup-2-stoxx-pruft-indizes-nach-vw-kursexplosion-deutsche-bo rse-nicht/ 6. => Fonds können morgen etwas mehr VW anbieten als heute. 7. => Morgen ist ein Korrekturtag für VW 8. Da im Dax die Gewichtung nicht herunter gesetzt wird, ist morgen ist ein Korrekturtag für den Dax. Gruß, DANTE Geschrieben von: HRR, am 28-10-2008 23:37 @Dante Das mit der Korrektur wird wohl nix werden  Artikel kommentieren
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