Begonnen hat die Kreditkrise mit kapitalschwachen Immobilienbesitzern, welche zu teure Häuser kauften und Hypotheken abschlossen, die auf kurzfristigen Zinsen (variabel) basierten. Inzwischen sind wir bei Banken angelangt, die sich über kurzfristige Kredite (Geldmarkt) refinanzierten, zu hoch bewertete Assets in ihren Bilanzen haben und über ein geringes Kapital verfügen.
Die Parallelität ist frappierend, die Reihenfolge aber eigentlich umgkeht. Erst die Ausdehnung der Bankbilanzen inklusive Off-Balance-Sheet Positionen hatten den Immobilienboom erst möglich gemacht. Wie bei den Immokäufern wurden auch bei den Geldhäusern die Eigenkapitalvorschriften aufgeweicht. Noch vor ein paar Jahren galt es als normal, dass man nur mit 20 % EK ein Haus kaufen konnte. Bei den Banken gab es Minimalvorschriften von 8 % Eigenkapital.
Offiziell hat sich daran nicht viel geändert - nur wurde die Definition von Eigenkapital aufgeweicht und zwar so, dass nur noch Bilanzexperten nachvollziehen können, was man darunter versteht. Tatsächlich sind die Eigenkapitaldecken der Finanzinstitute extrem dünn und das wissen sie selbst nur zu genau und leihen sich deshalb auch kein Geld mehr aus.
Nachdem die Banken den Immobilienmarkt mit billigem Geld hochgepusht haben, fällt er nun auf sie zurück. Sie sind nun gezwungen, das Eigenkapital zu erhöhen und/oder die Bilanz zu verkleinern und entziehen damit der Realwirtschaft die nötige Liquidität. Besonders betroffen sind davon Unternehmen, welche sich am Geldmarkt refinanziert haben. Die Fed schafft deshalb einen Spezialfonds, ohne den zahlreiche Unternehmen - vorallem Grosskonzerne - die Jalousien in Kürze runterlassen müssten. Andere Staaten greifen gleich zur Teil- oder Komplettverstaatlichung von Banken.
Der Retter in der Not heisst jetzt überall Staat. Er hat den Vorteil, dass er nicht zu buchhalterischen Tricks greifen muss, um die Bilanz zu schönen. Er führt gar keine. Doch auch hier spielt das Vertrauen die zentrale Rolle, solange die Investoren im Ausland ihr Geld anlegen können. Ich bin jetzt schon gespannt, wie lange es noch dauern wird, bis erste Staaten Devisenrestriktionen einführen werden.
Vorderhand haben Investoren noch die Wahl und haben Island das Subprime-Schild um den Hals gehängt. Wird er schon bald "fusionieren", um zu überleben?
UPDATE: Island schickt Bittsteller nach Moskau
Der pleitebedrohte Inselstaat will am Mittwoch eine Delegation nach Russland entsenden. Sie soll einen Milliardenkredit aushandeln, mit dem Island sein Finanzsystem stabilisieren will. Die größte Bank des Landes erhielt Unterstützung aus Schweden.
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Erhalten von: Eine Stadt im Sog der Finanzkrise - Freiburg kommt nicht an sein Geld » Beitrag » Kredit und Finanzen , am 10-10-2008 15:02 (PB) [...] nach Großbritannien blickt, der sieht einige Londoner Kommunen, wie zum Beispiel Kent, an der Krise der isländischen Banken verzweifeln. Das Geld ist wohl, bis auf einen geringen Teil, auf alle Zeiten hin [...] Erhalten von: Islands Bankrott scheint nicht aufzuhalten zu sein » Beitrag » Investments und Geldanlagen - Blog , am 14-10-2008 18:54 (PB) [...] Heute nun steht Island vor dem Abgrund. Die Börse des Landes verzeichnete einen Einbruch von mehr als 75 Prozent. Wie lange überhaupt weitergehandelt werden kann und werden wird, ist nicht klar. Der mögliche Staatsbankrott, der gerade durch die Verstaatlichung von Landsbanki, Kaupthing und Glitnir, den drei Banken des Inselstaates, abgewendet werden sollte, ist immer noch nicht vom Tisch. [...] |