"Die Einschränkung von Leerverkäufen stellt die Frage nach dem Prinzip. Solle das ein Markt sein, in dem Preise nur steigen und nicht fallen könnten?" schreibt die Frankfurter Allgemeine in einem Aritkel zu den neuesten Massnahmen der SEC. Dabei zielt sie auf das Verbot von "naked shorts" in Aktien von bestimmten Unternehmen. Doch je mehr ich darüber lese, nachfrage und recherchiere, desto mehr komme ich zu einem ganz anderen Ergebnis.
Zuerst nochmal kurz die Begriffsdefinition: gedeckte Leerverkäufe - handelsüblich "Shorts" genannt - entstehen dann, wenn ein Verkäufer von Aktien nicht im Besitz dieser Aktien ist und sie für die Zeit des Shortes borgt. Geborgt werden diese Aktien von Anlegern - meist institutionelle Anleger - welche dafür eine Gebühr erhalten - sogenannte borrowing fees.
Dies ist handelsüblich und auch nicht von den neuesten Massnahmen der amerikanischen SEC betroffen.
Naked shorts hingegen sind Leerverkäufe von Aktien die nicht geborgt wurden. Grundsätzlich ist dies rund um den Globus nicht statthaft wird aber erlaubt, damit der Handel möglichst reibungslos abläuft. In der Praxis werden Aktien an Kunden verkauft, die nachher vom Broker eingedeckt oder geborgt werden. Bei illiquiden Titel kann es aber vorkommen, dass keine Aktien vorhanden sind, die geborgt werden können. So entstehen "naked shorts", die nicht beabsichtigt wurden. Wie mit dieser ungewollten Situation weiter verfahren wird hängt von Land zu Land und deren Regulierungsbehörden ab.
Die USA haben nun aber "naked shorts" in Aktien verboten, die alles andere denn illiquide sind. Es handelt sich um die grössten Banken weltweit inklusive Fannie Mae und Freddie Mac . Mich stört daran insbesondere, dass
- hier etwas verboten wird, dass es gar nicht geben dürfte (abgesehen von 2-3 Handelstagen für die es diese neue Massnahme nicht gebraucht hätte)
- nur eine eine kleine Gruppe von Unternehmen davon profitiert - wie lässt sich dies juristisch begründen?
Wikipedia schreibt dazu:
Naked short selling, or naked shorting, is the practice of selling a stock short without first borrowing the shares or ensuring that the shares can be borrowed. Naked shorting is not necessarily a violation of the federal securities laws, and can contribute to market liquidity, but is illegal when it drives down stock prices.
Die amerikanische SEC handelt das Thema naked shorts sehr schwammig ab, was Tür und Tor für freie Interpretation zugungsten der Investmentbanken öffnet und ich gehe davon aus, dass die Investmentbanken (und auch Hedge Funds?) diesen Spielraum auch ausgenutzt haben. Nur so kann ich mir dieses neue Verbot nun erklären.
Interessanterweise schossen auch zeitgleich mit dieser Massnahme die Bankaktien aus dem Keller nach oben. Die Interpretation, dass gute Zahlen von Citigroup und J.P. Morgan dafür verantwortlich seien, kann ich nur insofern nachvollziehen als dass die Berichterstatter keine andere vernünftige Erklärung dafür gefunden hatten.
Mir scheint die Erklärung, dass es sehr viele naked shorts in Bankaktien gegeben haben muss, die nun eingedeckt wurden, viel plausibler. Dann wären aber die Regeln der SEC gebrochen worden, denn dort heisst es "but is illegal when it drives down stock prices".
Die FAZ und zahlreiche weitere Zeitungen bezeichnen das Verbot als Einschränkung der Leerverkäufe. Ich sehe es als ein Verbot von etwas, dass es eigentlich gar nicht geben dürfte.
Der FAZ-Artikel: Wieso die Börsenkurse nicht gleich per Dekret festlegen?
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Geschrieben von: mylli, am 21-07-2008 08:29 Im Universum gibt es ja das Prinzip der Energieerhaltung, daher ist es nur natürlich, dass es auch ein Gesetzt der Erhaltung der Aktienanzahl geben sollte. Was bedeutet es, naked shorts einzudecken? Wenn der Shorter eine Aktie verkauft, die er nicht geborgt hat, dann ist er naked. Wenn er aber sich nun mit der Aktie eindeckt und sie an der Börse kauft, dann ist er gar nicht mehr short. Borgt sich der Nakerte also eine Aktie und bleibt short? Aber das würde doch den Aktienkurs nicht beeinflussen, oder? Geschrieben von: egghat , am 21-07-2008 13:27 Einen Punkt sehe ich (ausnahmsweise) mal anders. Es haben sich nämlich schon viele zu Wort gemeldet, die OHNE naked Shorts gar nicht arbeiten könnten, vor allem die Market Maker in Aktien. Wenn diese tatsächlich jede Aktie, die sie sich zur Geld-Brief-Spanne handeln, ins eigene Buch holen müssen, bzw. diese auch wirklich besitzen müssen, bricht das Geschäft quasi zusammen. Aktuell sichern die Makler sich nämlich auch über Naked-Shorts ab. Naked-Shorts sind also durchaus üblich und auch notwendig. Aber dass die Kursbewegung auf die Eindeckungen zurückzuführen war: Volle Zustimmung. Das wirklich blöde: Ich hatte genau diese Überlegung VOR der Bewegung. "Ich frage mich jetzt als Investor natürlich, ob sich daraus nicht eine kurzfristige Spekulationsmöglichkeit ergibt? Denn wenn die Shorties wirklich Schuld sind und ihre Positionen glatt stellen müssen, sollten die entsprechenden Kurs doch durch die Decke gehen, oder?" Dummerweise musste ich weg und als ich wieder da war, war die Bewegung gelaufen ... "Dieses Posting ist nicht zu Ende geprüft, der Gedanke muss aber raus, bevor ich jetzt weg bin ... Hoffe auf eine anregende Diskusssion ..." http://egghat.blogspot.com/2008/07/die-krise-ist-vorbei-der-schuldige.html Geschrieben von: HRR, am 21-07-2008 16:45 @egghat "Es haben sich nämlich schon viele zu Wort gemeldet, die OHNE naked Shorts gar nicht arbeiten könnten, vor allem die Market Maker in Aktien." Wenn es hier nur um das Market Making ginge, dann wären naked shorts auf den speziellen Banktiteln nicht jetzt verboten worden. Im übrigen können auch Market Maker Aktien borgen, wenn sie Aktien längere Zeit short sind. Als ehemaliger Market Maker weiss ich, dass dies auch gemacht wird und ich glaube kaum, dass sich alles innert ein paar Jahren geändert hat. Geschrieben von: HRR, am 21-07-2008 16:48 @mylli "Borgt sich der Nakerte also eine Aktie und bleibt short? Aber das würde doch den Aktienkurs nicht beeinflussen, oder?" Nein, aber der short wäre nicht mehr so interessant, denn borgen kostet und das kann auf lange Zeit ganz schön teuer werden. Geschrieben von: HRR, am 21-07-2008 16:59 @egghat Wer Aktien shortet ohne sie zu borgen kommt zu Gratisgeld. Kein Wunder möchten dies die Market Maker nicht ändern. Geschrieben von: egghat , am 21-07-2008 21:38 Ich glaube ehrlich, dass es einen anderen Grund gibt, das Naked Short Selling zu verbieten: Es gibt keine Gegenseite des Geschäfts. Und wenn nur eine Seite das Geschäft alleine macht, kann man das schlechter kontrollieren. Anders herum: Über die geliehenen Aktien hat die SEC einen ziemlich guten Überblick ... Das Problem an den neuen Regeln der Fed ist wohl, dass sie ziemlich schwammig sind und niemand genau weiss, wer denn jetzt noch darf und wer nicht. Darauf wolle ich eigentlich hinaus. Dass ich mit Eindeckungen gerechnet habe (und damit auch davon ausging, dass durchaus siginifikante Short-Positionen im Markt waren, habe ich ja selber geschrieben). Ich ärgere mich noch immer, dass die die Mutter als Short-Rallies richtig geahnt habe, aber davon nicht profitiert habe ... Artikel kommentieren
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