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Vernissage bei Merrill Lynch PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 29. Juli 2008
Bankbilanzen lesen ist keine Wissenschaft sondern eine Kunst. Dieses Bonmot aus der Börsenszene hat dank Merrill Lynch weitere Glaubwürdigkeit erhalten. Das abstrakte Werk lässt viele Interpretationen offen. Zu wirr sind die Pinselstriche, zu vielschichtig die Farben als dass man noch die wahre Substanz erkennen könnte. Selbst wenn man an der Oberfläche kratzt, wird das Bild nicht besser - im Gegenteil.

Weniger als zwei Wochen nach seinem jüngsten Milliardenverlust schockte das Geldhaus die Märkte erneut mit hohen Abschreibungen. Vorstandschef John Thain muss zudem weiteres frisches Kapital von 8,5 Milliarden Dollar einsammeln, obwohl er Mitte Juli noch von einer komfortablen Ausstattung gesprochen hatte. Begründet wird dieser Schritt mit dem anhaltenden Preisverfall komplexer Schuldverschreibungen im laufenden dritten Quartal, welcher zu weiteren 5,7 Milliarden Dollar Abschreibungen führte.

Soweit die "gute" Nachricht - die schlechte kommt erst. Der Abschreibungsbedarf von 5.7 Milliarden berechnet sich hauptsächlich aus einem CDO-Portfolio welches ursprünglich einen Wert von 30,6 Milliarden hatte und zum Ende des zweiten Quartals auf 11.1 Milliarden abgeschrieben wurde. Dieses Portfolio verkaufte Merrill nun an Lone Star Funds zum Preis von 6.7 Milliarden. Ende schlecht, alles gut? Denkste!

Merrill Lynch konnte das Portfolio nur verkaufen, weil sie Lone Star Funds den Verkauf zu 75 Prozent finanzierte. Besichert wird dieser Kredit - einmal dürfen Sie raten - mit dem CDO-Portfolio. Tatsächlich hat Merrill Lynch für das ehemals mit 30,6 Milliarden $ bewertete Portfolio gerade einmal 1,675 Milliarden Dollar - 5,5 Cent für jeden Dollar Nominalwert erhalten.

Man braucht jetzt nur 1 und 1 zusammen zu zählen um zu erkennen, weshalb sich Josef Ackermann so gegen die Bilanzierung zu Marktpreisen stemmt.

Auch bei der Kapitalerhöhung sieht es nicht viel besser aus. Mit 8.5 Milliarden $ will Merrill Lynch ihre Bilanz stärken, so die offizielle Meldung. Tatsächlich kommen aber nur 6 Milliarden $ in die Kasse. Der Grund heisst Temasek. Zwar übernimmt die staatlich gelenkte Temasek Holding aus Singapur, die bereits im Dezember und im Februar fünf Milliarden Dollar in Merrill-Aktien investiert hatte, erneut 3,4 Milliarden Dollar. Doch weil sich seit dem Erstengagement des Fonds der Aktienkurs mehr als halbiert hat, muss Merrill an Temasek 2,5 Milliarden Dollar zurück zahlen als Kompensation für Verwässerung und Kursverlust. 

Merrill Lynch: Kein Investment für Privatanleger

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RSS Kommentare Kommentare (2)

Geschrieben von: egghat website, am 29-07-2008 20:55
Was ich jetzt mal wirklich gerne wüsste: Waren *das* die Triple A CDOs? Die, bei denen keine Gefahr drohte? War ja AAA ... Jaaa JAAA, schon klAAAr ...

Geschrieben von: Thomas website, am 15-09-2008 11:09
Tja und was nützen die ganzen Mühen? Am Ende wird man von der Bank of america für 50 Mrd. Dollar in Aktien übernommen... Bin echt mal gespannt, wen's als nächstes trifft. Prognosen haben zur Zeit wohl überhaupt keinen Sinn mehr. Also abwarten und immer schön aufs Geld aufpassen.


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Erhalten von: Finanz aktuell » Blog Archive » Die Gier hat kein Ende ? US-Banker greifen noch mehr in die Taschen der Banken pingback-website, am 18-10-2008 15:00 (PB)
[...] kommt. Dies war unter anderem gedacht für die neun größten Banken der USA, unter ihnen Merrill Lynch, Goldman Sachs und JPMorgan Chase. Und genau diese drei Banken schütten nun Bonuszahlungen in der [...]

Erhalten von: Finanzblog - Wissenswertes und Informatives aus der Welt der Finanzen » Beitrag » Kredit und Finanzen pingback-website, am 18-10-2008 16:07 (PB)
[...] sei nur dazu genannt: Merrill Lynch zahlte im vergangenen Quartal 3,49 Milliarden US Dollar aus. Dem entgegen stehen Abschreibungen in Höhe von 5,7 Milliarden US Dollar im gleichen Quartal. Abschreibungen haben immer auch zur [...]

 
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