Vergangenen März rüttelte Chinas Zentralbankchef Zhou Xiaochuan an
der Vorherrschaft der amerikanischen Valuta. Jetzt doppelt der
russische Präsident Dmitri Medwedjew beim Treffen der BRIC-Staaten in
Jekatarinenburg nach und fordert die Schaffung neuer Reservewährungen.
Keine Frage, der Zeitpunkt ist günstig für die zwei östlichen Mächte,
die amerikanische Leitwährung zur Diskussion zu stellen. Doch ist das
realistisch?
Seit mehr als einem halben Jahrhundert gilt der US-Dollar als die
wichtigste Währung weltweit. Erreicht wurde dieses Vorherrschaft
während des zweiten Weltkrieges als die USA zur unangefochtenen
Weltmacht aufstiegen. Zementiert wurde diese Sonderstellung an der
Währungskonferenz von Bretton Woods im Jahr 1944. Dort wurde eine neue
Geldordnung beschlossen, bei welcher der Dollar definitiv das britische
Pfund als Weltwährung ablöste.
Einer der wichtigsten Beschlüsse
war die Einführung eines festen Wechselkurssystems, mit dem sich die
teilnehmenden Staaten - wenn auch teilweise unter großem Widerstreben
(z.B. Großbritannien) - verpflichteten, ihre Wechselkurse an den
US-Dollar als Leitwährung zu knüpfen. Gleichzeitig galt die US-Währung
fortan mit einer fixen Dollar-Gold-Relation (35 US-$ je Unze Gold) als
Weltreservewährung. Doch Russland weigerte sich, dem System
beizutreten, was einer der Gründe für die Spaltung Europas war.
Nicht
vergessen werden dürfen in diesem Zusammenhang auch die
Atombombenabwürfe der Amerikaner auf Hiroshima und Nagasaki vom 6. und
9. August 1945. Begründet wurden die Abwürfe, das Ende des zweiten
Weltkrieges zu beschleunigen und damit vielen US-Soldaten das Leben zu
retten. Doch aus russischer Sicht liest sich die Geschichte etwas
anders. Im April 1945 kündigte der sowjetische Diktator Josef Stalin
den 1941 geschlossenen Neutralitätspakt mit Japan auf. Spätestens drei
Monate nach dem Kriegsende in Europa wollte Stalin in den Pazifikkrieg
gegen Japan eingreifen. Dazu ist es wegen der Bombenabwürfe nie
gekommen.
Die Sowjetunion ging damals "nur" als zweiter Sieger
von der Weltbühne. Für die Amerikaner war das eine ideale
Voraussetzung, um der eigenen Währung die nötige Rückendeckung zu
verleihen, denn die Währungsfrage ist nicht zuletzt eine
Machtfrage. Der US-Dollar konnte seinen Siegeszug starten, trotz
erheblichen Kratzern, weil Richard Nixon 1971wegen den hohen Kosten des
Vietnam-Krieges die Möglichkeit aufhob, den Dollar in Gold
umzutauschen.
Kommt jetzt also die Chance für den russischen
Bären im Schlepptau mit China - der Werkstatt der globalisierten Welt -
dem amerikanischen Dollar die Vorherrschaft streitig zu machen? Keine
Frage, die Chancen scheinen nicht schlecht zu sein, wenn die in
Jekatarinenburg tagenden BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und
China) zusammen spannen.
Seit Anfang Mai fiel der Dollar-Index
um knapp elf Prozent. Dieser Index gibt den Kursverlauf gegenüber den
Währungen der sechs wichtigsten Handelspartner der USA wieder.
Marktteilnehmer sorgen sie sich um die steigende US-Staatsverschuldung.
Washington hat für 2009 ein Haushaltsdefizit von rund 1850 Mrd. $ (1300
Mrd. Euro) eingeplant. Insgesamt wird sie 2500 Mrd. $ am Kapitalmarkt
aufnehmen.
Berkeley-Professor Eichengreen glaubt jedoch nicht an
eine rasche Veränderung. Die Geschichte lehre eher das Gegenteil. Der
letzte große Wechsel fand vor mehr als fünfzig Jahren statt, als der
Dollar das britische Pfund ablöste. Es sei zudem auch nicht
selbstverständlich, dass es immer nur eine einzige Reservewährung gebe,
führte Eichengreen aus. In den 20-er- und 30-er-Jahren hätten neben dem
Dollar auch noch die Reichsmark und der französische Franc den
Reservestatus innegehabt.
Doch auch in wirtschaftlicher Hinsicht
ist die Lage äusserst heikel. Russland und speziell China gehören zu
den grössten Gläubigern amerikanischer Staatsanleihen. Sie können somit
an einem Wertzerfall des US Dollars nicht interessiert sein. Zudem ist
die USA immer noch der wichtigste Handelspartner der Chinesen. Eine
schwache US Währung würde automatisch die Bedingungen für die
Exportnation Nummer eins erschweren mit erheblichen innenpolitischen
Folgen.
Auch die jetzt wieder vom russischen Präsidenten ins
Spiel gebrachten Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds
werden kritisch beurteilt. Der Gouverneur der französischen Notenbank,
Christian Noyer, der Mitglied des Rats der Europäischen Zentralbank
ist, ist nicht überzeugt: "Ich glaube nicht, dass man eine Währung als
Reservewährung durch politischen Willen oder administrative Beschlüsse
festschreiben kann. Das entscheiden die Kräfte des Markts."
Doch
wohin der Markt geht, hängt vorallem von den wirtschaftlichen und
machtpolitischen Möglichkeiten ab. Die USA sind angeschlagen, doch
ihren Handelspartner geht es auch nicht viel besser. Die kritischen
Töne aus Jekatarinenburg werden deshalb kaum zu grossen Veränderungen
führen. Die Absicht hingegen, sich von der Dollar-Dominanz zu befreien,
werden sie sicher weiter verfolgen. Die im Titel dieses Artikels
gestellte Frage kann man also getrost mit Ja beantworten. Doch über
Nacht wird das nicht geschehen. Machen Sie sich auf einen
Fortsetzungsroman mit vielen überraschenden Wendungen gefasst. Artikel kommentieren | Zu Favoriten hinzufügen (0) | Artikel zitieren | Aufgerufen: 2550
Geschrieben von: Melanie Gatzke, am 26-06-2009 10:45 Zitat: Kommt jetzt also die Chance für den russischen Bären im Schlepptau mit China - der Werkstatt der globalisierten Welt - dem amerikanischen Dollar die Vorherrschaft streitig zu machen? Keine Frage, die Chancen scheinen nicht schlecht zu sein, - ------------------- Warum nicht, warum soll man nicht auch Öl z. B . in anderen Währungen abrechnen? Das würde ein Gleichgewicht herstellen zwischen dem Währungen, das Monopol für den Dollar beseitigen. Wir sind doch auch sonst bemüht, in allem ein "Gleichgewicht der Kräfte" - militärisch und wirtschaftlich zu schaffen. Warum nicht auch das Dollarmonopol abschaffen, durch eine andere Verechnungseinheit. Vielleicht bin ich naiv, aber ich würde das begrüßen. Wir sehen doch derzeit, wo die absolute Dominanz des Dollars hinführt, Geldschwemme ohne Beispiel, Druckerpressen laufen heiß und die ganze Welt muß das Papier nehmen, durch Zahlung mit Dollar für Öl. Warum sollen Iraner, Araber, Iraker u. alle anderen nicht auch Euro akzeptieren. Doch , was wird passieren wenn...? Die USA werden das nicht kampflos hinnehmen. Sie werden den Konsum auf Kosten der Welt nie aufgeben. Im Irak wurde es demonstriert. Artikel kommentieren
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