|
UBS und die Finma - Teil 1 |
|
|
|
|
Sonntag, 20. September 2009 |
Die Finanzmarktaufsicht Finma ist die Nachfolgerin der Eidgenössischen
Bankenkommission EBK und für die Kontrolle der UBS zuständig. In einem
soeben erschienenen Bericht "Finanzmarktkrise und Finanzmarktaufsicht"
arbeitet sie nun die letzten Jahre mit einer überraschenden Offenheit
auf, die einen interessanten Einblick in die Entscheidungsfindung der
Zeit vor und in der Krise aufzeigt.
Lange vor der Krise hatte ich auf das viel zu tiefe Eigenkapital der
Banken, im speziellen der Investmentbanken, hingewiesen. Die von den
Instituten ausgewiesenen Eigenkapitalquoten gaben die tatsächlichen
Verhältnisse viel zu rosig um nicht zu sagen völlig falsch wieder.
Weshalb hatte die Finma, deren Aufgabe es gewesen wäre, hinter die
publizierten Zahlen zu blicken, nicht reagiert? Aus dem Finma-Bericht...
Die
SNB hat in ihren jährlich erscheinenden Berichten zur Finanzstabilität
bereits mehrere Jahre vor der Krise regelmässig darauf hingewiesen,
dass die Schweizer Grossbanken gemessen an der ungewichteten
Eigenmittelquote (Verhältnis zwischen Eigenmitteln und Bilanzsumme)
einen im internationalen Verhältnis sehr hohen Verschuldungsgrad
aufweisen. Bei der risikogewichteten Eigenmittelquote belegten die
Grossbanken jedoch jeweils den internationalen Spitzenrang.
Obwohl
die Gefahr von ungenau berechneten Risikogewichten und das stete
Wachstum der Bilanzsummen erwähnt wurde, gaben die Quoten keinen Anlass
zu einer grösseren Beunruhigung.
Die Ausweitung der Bilanzsumme
und die damit zusammenhängende tiefe Tier-1/Gesamtaktiven-Ratio
(„Leverage Ratio“) wurde mit der Bank mehrmals besprochen. Die UBS
begründete ihr international schlechtes Abschneiden mit folgenden
Faktoren:
Unterschiedliche Berechnungsmethoden
Anwendung
von IFRS als Rechnungslegungsstandard, wo anders als nach US GAAP,
gegenläufige Forderungen nicht zu einer Nettoposition saldiert werden
können (Netting). Diese Unterschiede in der Bilanzsumme zwischen IFRS
und US-GAAP machen bei einer Grossbank mehrere Hundert Milliarden
Franken aus. In Extremfällen kann die Bilanzsumme bei gleichem Geschäft
nach IFRS sogar doppelt so hoch ausfallen.
Tiefe Funding-Kosten
der UBS, was das Halten von Positionen mit guter Qualität
gewinnbringend mache. Dies führe zu einem sehr grossen Anteil an
hochliquiden Aktiven von höchster Bonität auf der Bilanz (z.B.
Repo-Buch).
Die Argumentation der Bank vermochte die EBK zum
damaligen Zeitpunkt (2005) zu überzeugen. Die Auffassung, dass das
Verhältnis zwischen Eigenkapital und Bilanzsumme unter Risikoaspekten
nicht aussagekräftig sei, entsprach der in Aufsichtskreisen
vorherrschenden Meinung. So wurde im Basler Ausschuss noch im September
2006 ein Vorstoss der FDIC-Vorsitzenden Sheila Bair, unter Säule 2 von
Basel II eine Leverage Ratio als ergänzendes Mass einzuführen, als
nicht verträglich mit dem durchdachten risikogewichteten System von
Basel II einhellig abgelehnt. Erst als absehbar wurde, dass grosse
Teile der vermeintlich „risikoarmen“ Positionen dennoch grössere
Liquiditäts- und Bonitätsrisiken bargen, rückte die Diskussion rund um
die Leverage Ratio wieder ins Zentrum. Es war aber schon zu spät, um
noch eine Wende herbeiführen zu können.
Das Problem des
risikogewichteten Eigenkapitals liegt in deren Beurteilung. Seit Basel
I gelten Hypotheken als geringe Risiken, die mit wenig Eigenkapital
unterlegt werden müssen. Die Finma wusste somit, dass für Ausfälle im
Hypotheken-Geschäft nur wenig Eigenkapital zur Verfügung stand, um die
Verluste aufzufangen. Der Immobilienboom in zahlreichen Ländern hätte
sie alarmieren müssen.
Tatsächlich war sie auch skeptisch. Weshalb sie dennoch nicht gehandelt hat, kommt morgen in Teil 2.
Weitere Lektüre
Ist die BIZ die Ursache der Kreditkrise? Grossbanken auf dünnem Eis (Trackback)
Artikel kommentieren | Zu Favoriten hinzufügen (0) | Artikel zitieren | Aufgerufen: 2193
Geschrieben von: Echnaton, am 21-09-2009 12:28 Der folgende Artikel aussert sich dazu, wie seriös die Berechnung der problematische Kernkapitalquote angepasst wurde. http://sonntag-online.ch/index.php?show=news&type=wirtschaft ps: Link funktioniert wahrscheinlich nur bis nächsten Samstag Artikel kommentieren
AkoComment © Copyright 2004 by Arthur Konze |