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Trendumkehr bei der Globalisierung |
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Sonntag, 24. August 2008 |
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Seite 1 von 2 Trotz einem stark gestiegenen Kreditwachstum in den vergangenen Jahren verharrte die Inflation wider jeglicher Theorie auf einem gemässigten Niveau. Der Grund war Outsourcing. Teure Produkte aus dem Inland wurden durch billige Produkte aus China ersetzt und Dienstleistungsarbeitsplätze nach Indien exportiert. Das könnte sich schon bald ändern. Ein Blick über den zeitlichen Gartenzaun.
Irgendwann ist jeder Trend zu Ende, das gilt nicht nur im Immobilienmarkt sondern auch für die Globalisierung. Die Preise steigen in Asien mittlerweiler schneller als anderswo. Der Grund dafür sind höhere Energie-, Transport- und Arbeitskosten. "Die globale Lage ist sehr viel schlechter, als noch vor einiger Zeit gedacht", schreibt der chinesische Oekonom Chen Shi in einer Analyse und verweist auf rückläufige Kennziffern in den USA, in Europa und Japan. Auch wenn er es nicht ausdrücklich erwähnt, die Botschaft ist klar für eine vom Export abhängige Wirtschaft.
Besonders eindrücklich zeigt sich dies laut der Sonntagszeitung in der südchinesischen Stadt Dongguan, einem zentralen Produktionsstandort Chinas. In den ersten sechs Monaten haben bereits 3300 Fabriken Pleite gemacht. Die meisten der rund 20 000 Firmen schreiben Verluste.
Inzwischen werden bereits einfache aber arbeitsintensive Produktionen nach Bangladesh und andere Staaten verlagert. Doch eines zeigt sich schon jetzt - das Ende der Fahnenstange ist fast erreicht und eine Verbilligung der Produktion nicht mehr möglich. Mancherorts macht sich bereits der Gegentrend bemerkbar und Produkte aus China steigen im Preis. Damit dürfte nicht nur der westliche Export von Produktion und Arbeitskräften nach Asien sondern auch der Export von Inflation zu einer Kehrtwende ansetzen.
Die Folgen werden an vielen Enden und Ecken zu spüren sein. Auf der positiven Seite ist sicher die Schaffung von Arbeitsplätzen durch Insourcing in der westlichen Welt zu nennen. David Huether, Chefökonom bei der National Association of Manufacturers, dem grössten Industriedachverband in Washington, sieht deshalb auch einen Lichtblick am durch die Kreditkrise verdunkelten Horizont - die Exporte. Die US-Exporte sind im ersten Halbjahr 2008 gegenüber der Vorjahresperiode um 19,2% gestiegen. Der Wert der ausgeführten Güter betrug im letzten Jahr über 1000 Mrd. $ und hat gegenüber 2002 um 40% zugenommen.
Die Kehrseite der Medaille ist der Import von Inflation, der von steigenden Preisen importierter Güter aus Asien ausgeht. Deshalb kann ich auch der Hoffnung der Zentralbanken, dass die Inflation schon bald Geschichte sein wird, nichts abgewinnen. Die Deflation wird weiter da von sich Reden machen wo sie nicht in die offiziellen Inflationszahlen Einzug finden - bei den Immobilien. Vielleicht müsste man den Warenkorb mit Immobilien anreichern, damit die Statistik etwas aufgemöbelt werden kann (Vorsicht Ironie!)
Dass Inflation aber den Konsum weiter einschränkt, braucht nicht weiter ausgeführt zu werden, was sich wiederum negativ für Chinas Exporte auswirkt. Die asiatischen Börsen nehmen diesen Trend bereits vorweg. China wird deshalb eine Lösung finden müssen, um einen Teil der Exporte durch Binnenkonsum oder staatlich finanzierte Infrastrukturprojekte zu kompensieren.
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