Die "keine Ahnung, was der Ramsch wert ist"-Positionen bei den grössten
amerikanischen Finanzinstituten sind im dritten Quartal markant auf 610
Mrd $ angestiegen. Das steigert weder die Transparenz noch das
Vertrauen in die Bankbilanzen. Die Not muss wirklich gross sein, wenn
sie trotz gegensätzlicher Verlautbarungen weiter in die Trickkiste
greifen.
Level 3 heisst die Zauberkiste, auf die aufgeweckte Marktbeobachter
schon seit langem starren, wenn sie die Stabilität der Bilanzen von
Finanzinstitutionen beurteilen möchten. Auch wenn ein Blick auf Level 3
nichts über die grundsätzliche Verfassung einer Bilanz aussagt, so sagt
sie doch viel darüber aus, wieviel man vor der Oeffentlichkeit
verstecken möchte.
Möglich gemacht wird das durch die
Buchhaltungsregel FASB Statement 157. Gemäss dieser dürfen unter Level
3 Vermögenswerte gebucht werden, welche gemäss dem Unternehmen nicht
bewertet werden können und deshalb vom Unternehmen selbst bewertet
werden müssen. Etwas klarer ausgedrückt: Der Wert dieser Positionen
kann frei vom Unternehmen bestimmt werden. In einer Notlage dürfte die
Versuchung gross sein, die Vermögenswerte optimistisch einzuschätzen.
Lehman
Brothers, um nur ein Beispiel zu nennen, erhöhte ihre Level-3
Positionen um 1.4 Mrd $ kurz bevor sie das Zeitliche segnete und David
Einhorn shortete Bankaktien, nachdem er die Level-3 Positionen
konsultierte. Der richtige Blick hatte ihn reich gemacht.
Bereits
jetzt übersteigt der Wert der Level-3 Positionen die
Marktkapitalisierung der Banken um ein Mehrfaches, schreibt die
Financial Times
Und diese Level-3-Positionen sollen in den USA
nun um weitere 15 % gestiegen sein. Es lohnt sich also, bei den
Finanzinstituten einen Blick darauf zu werfen. Nächste Woche
veröffentlichen Morgen Stanley und Goldman Sachs als erste ihre
Quartalsergebnisse. Genau hinschauen lohnt sich.
Quelle: Financial groups’ problem assets hit $610bn Quelle Surprise! Banks Increase "Mark to Make-Believe" Assets to $610 Billion
Chart zu den Level-3 Positionen vom August: Kreative Bewertungen auf hohem Level (Trackback)
Artikel kommentieren | Zu Favoriten hinzufügen (0) | Artikel zitieren | Aufgerufen: 1952
Geschrieben von: Dagobert, am 11-12-2008 19:59 [...Zur Erinnerung: die Citgroup hat allein in den eigenen Schatten-Zweckgesellschaften, Special Purpose Entities (SPEs), Assets in Höhe von unglaublichen 1,226 Billionen Dollar geparkt!...]http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/2008/11 /citigroup-wie-erwartet-nun-am.html ...Also aufgepasst! - Da gibts noch die ganz "Dicken Dinger" in den Schocker-Bilanzen wo einem beinahe das Blut gefriert... P.S.: Bravo - Super Blog! Gruss Dagobert Geschrieben von: DECoien , am 11-12-2008 20:52 Ein Grund für die wachsenden Level-3-Positionen könnte darin liegen, dass es für immer mehr Assets keine Bewertungskurse mehr gibt. Aus meiner Bankzeit erinnere ich für die Bewertung komplexer Positionen folgendes Verfahren: Die Bewertung bestimmter Assets erfolgte so, dass man sich von einem spezialisierten Broker oder einer Investmentbank einen Marktpreis stellen lies und diesen als Bewertungsgrundlage verwendete. In der Regel waren die Broker und Investmentbanken auch bereit auf diesen Kurs zu handeln, so dass die Bewertung einigermaßen gesichert war. Mittlerweile dürfte diese Verfahren insbesondere bei den ABS und seinen Angehörigen vielfach kaum noch möglich sein, weil entweder Höllenpreise gestellt werden oder gar keine Preise mehr, zumindest aber keine Preise mehr, zu denen auch jemand zum Handel bereit ist. Geschrieben von: HRR, am 11-12-2008 21:14 Und wer sagt dir, dass die Höllenpreise nicht die richtigen Preise sind...? Keiner will verkaufen, weil sich dann die Verluste materialisieren und als real heraus stellen. Es herrscht das Prinzip Hoffnung. Inzwischen wissen wir immerhin, dass die Preise vor 3 Monaten, die als Höllenpreise galten, inzwischen noch tiefer liegen. Die Prediger der freien Marktwirtschaft machen sich selbst etwas vor. Den Markt gibt es immer noch, nur will keiner wirklich wissen, wo er ist, weil er desaströse Folgen hätte. Geschrieben von: DECoien , am 12-12-2008 13:09 Die "Höllenpreise" werden vermutlich sogar die richtigen Preise sein. Nur wenn Banken die ansetzen, dann nützt wohl selbst das Rettungspaket nichts mehr. Artikel kommentieren
AkoComment © Copyright 2004 by Arthur Konze |