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Statt Heilung kam der Umsatz PDF Drucken E-Mail
Samstag, 2. Mai 2009
Roche gehört mit 80'00 Mitarbeitern und einem Umsatz von 45 Milliarden Schweizer Franken zu den weltweit grössten Pharmakonzernen. Das bekannteste Produkt ist Tamiflu, das dank Vogel- und Schweingrippe auch ausserhalb der Medizin für Schlagzeilen sorgte. Weit spannender ist aber ihre Gründungsgeschichte und die wirft Fragen auf über die Wirkung von Medikamenten und deren Erfolg.

Gefunden habe ich die folgende Geschichte im empfehlenswerten Buch von Alex Capus Patriarchen: Zehn Portraits, in der er die ungewöhnlichen Geschichten einiger Männer erzählt, die den Grundstein von Unternehmen wie Nestlé, Maggi oder eben Hoffman-La-Roche gelegt haben.

Fritz Hoffmann wurde in den Basler Geldadel hineingeboren. Er habe weder besondere Talente noch Vorlieben gehabt, sei weder sonderlich klug, noch überdurchschnittlich charmant noch auffällig schön gewesen. Aber Geld, das war vorhanden. So versuchte er sich nach einigen Irrungen und Wirrungen in der Heilmittelbranche. Lange erfolglos und auf Kosten seines Vaters sollte ein Hustensaft die Wende und den Grundstein für den heutigen Pharmakonzern setzen.

Der Hustensirup hiess "Sirolin", war ausgesprochen wohlschmeckend und gelangte 1898 als Vorbeugungsmittel gegen Tuberkulose und Erkältungen auf den Markt. Er hatte nur einen Nachteil: Er war praktisch wirkungslos. Weil er aber so gut schmeckte, wurde er zum ersten grossen Verkaufserfolg der Firma. Im ersten Jahr verkaufte Roch 700 Flaschen, im zweiten 33'000 und im dritten 78'000, und 1913 erstmals über eine Million. Mehr als sechzig Jahre lang produzierte Roche den Sirup.

Für Sirolin rührte Hoffmann die Werbetrommel wie noch nie ein Heilmittelfabrikant vor ihm. In fast allen europäischen Ländern verteilte er Millionen von Klebebildern und Postkarten, auf denen glückliche, Sirolin trinkende Kinder abgebildet waren... usw.


Und daraus lernen wir, dass Heilung nicht notwendig ist, um mit einem Medikament wirtschaftlichen Erfolg zu haben. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch ein Interview mit dem Medizinprofessor Jerome Kassirer, in dem er sagt, Geschenke von Pharmafirmen an Ärzte und Journalisten zahlen sich aus: Niemand möchte glauben, dass er bestechlich ist.

Tja, da haben wir sie wieder, die Anreiz-Systeme.

Ein offenes Geheimnis ist in der Schweiz auch der Einfluss der Pharma auf die Politik, nur öffentlich darüber gesprochen wird nicht. Doch weshalb all diese Bemühungen? Wenn es die Pharmabranche fertig bringt, Produkte herzustellen, die heilen, dann wären diese sehr teuren Anstrengungen doch gar nicht nötig. Oder noch zugespitzter formuliert: Würde die Pharma tatsächlich Heilmittel produzieren, müssten ihr ihre Kunden mangels Krankheit ausgehen. Doch davon keine Spur. Der schlechteste Leistungsausweis für die Pharma sind ihre steigenden Umsätze.

Das entspricht auch meiner persönlichen Erfahrung. Manche Medikamente haben gewirkt, keines aber hat geheilt. Inzwischen lebe ich mit der Ueberzeugung: Heilung kommt von innen, alles andere ist Placebo.

Schweinegrippe: Worst-Case wäre ein Glücksfall für Roche

P.S. Schon früher waren die Experten völlig neutral, schauen Sie mal...Wink

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RSS Kommentare Kommentare (10)

Geschrieben von: /W website, am 02-05-2009 09:02
"Heilung kommt von innen" ist auch meine Erfahrung. Wer glücklich ist, hat eine stärkere Immunabwehr als jemand, der mit sich und dem Rest der Welt hadert.

Sogar die von der "ernsten" Medizin lange Zeit belächelte Homöopathie hat inzwischen auf den Bauernhöfen(!) Einzug gehalten. Beim Rindvieh kann man einen Plazeboeffekt ausschließen und der Bauer zahlt garantiert nur für etwas, das hilft.

Geschrieben von: HRR, am 02-05-2009 10:49
@W

Es kann auch der Glaube des Arztes an die Homöopathie sein, der die Kühe heilt. Nur mal so ein Gedanke...

Edzard Ernst, der weltweit erste Professor für Komplementärmedizin, geht mit seiner Disziplin hart ins Gericht. Er zahlt jedem 100'000 Dollar, der ihm die Wirksamkeit von Homöopathie nachweist. Quelle

Geschrieben von: sakura, am 02-05-2009 11:32
@HRR

Quote:


We are willing to pay any individual *$250,000 if they can produce empirical evidence which proves that Jesus is not the son of the Flying Spaghetti Monster



boing-boing

:p

Geschrieben von: Josef, am 02-05-2009 13:30
Und ich zahle dem ersten 100.000 Dollar der mir beweist, dass die Medikamente die Patienten heilen und nicht der Glaube der Patienten an das Medikament sie heilt!

Geschrieben von: HRR, am 02-05-2009 13:33
Jesus ist für mich der glaubwürdigere Botschafter als die Pharmaindustrie. Er lief über das Wasser, ohne dass ihn eine PR-Agentur gesponsert hätte :)

Geschrieben von: sakura, am 02-05-2009 16:09
@HRR ad PR-Agentur: Kirche? :roll Die kam zwar später. Nur musste er das in seiner Allwissenheit doch wissen und hat damit die Kirche exakt so geplant.
Ging mir aber nur darum das nur die wenigsten Dinge exakt beweisbar sind. Klappt schon nicht mal immer in der Mathematik oder in der Informatik. Die Naturwissenschaften haben diese Problematik seit Popper zumindest erkannt.

Geschrieben von: Alexander website, am 02-05-2009 20:30
Man muss das etwas differenziert sehen. Ein solcher Hustensirup geht für mich unter Komplementärmedizin (Quaksalberei). Er fällt also in eine ähnliche Kategorie wie Uriellas Badewasser oder Mike Shivas Lebensweisheiten, die er für CHF 4.50 pro Minute an die Leute bringt.

Geschrieben von: Josef, am 02-05-2009 21:26
@sakura

Popper hat es erkannt, aber die meisten Wissenschaftler und die meisten _Menschen_ glauben trotzdem immer noch, dass was die Naturwissenschaftler "beweisen" sei unumstößliche Wahrheit!"

Geschrieben von: egghat website, am 03-05-2009 00:00
Naja.

Erstens wachsen die Umsätze der Pharmaindustrie schon allein durch die wachsende Weltbevölkerung und natürlich auch die Demographie.

Außerdem ist es glaube ich (bei aller angebrachten Kritik an der Pharmaindustrie), dass nicht alles, was die Pharmaindustrie produziert, Mumpitz ist. Bei viele Krebsarten hatte man früher ein paar (ziemlich beschissene) Monate Lebenswerwartung. Heute hat man oft noch ein paar Jahre, und die zum großen Teil mit relativ guter Lebensqualität.

Geschrieben von: HRR, am 03-05-2009 02:21
@egghat

Inhaltlich ging es mir nur um das Thema Heilung. Dass Medikamente wirken steht ausser Frage und somit ist auch nicht alles Mumpitz. Von Schlaftabletten erwartet niemand eine Heilung der Schlafstörung, nur eine Ueberbrückung.


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