Zeitenwende.ch        WIRTSCHAFT - geschüttelt statt gerührt
Showtime in Washington PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 24. September 2008
Beitragsinhalt
Showtime in Washington
Seite 2
Seite 3


Mögliche Entwicklung

Der Durchschnittsamerikaner muss sich zusätzlich zu den bereits bekannten Problemen, wie sinkenden Immobilienpreisen, steigender Arbeitslosigkeit und Inflation auch noch mit höheren Staatsschulden auseinander setzen, die er früher oder später über mindere Leistungen, höhere Steuern oder einem schwächeren Dollar (ergo importierte Inflation) zu spüren bekommen wird. Für die Weltkonjunktur heisst es damit: die Wirtschaft schwächelt weiter, nur der Zusammenbruch wurde vermieden.

Trackback-URL  (Trackback)

Tag it:
Delicious
Furl it!
Spurl
NewsVine
Reddit
YahooMyWeb
Technorati
Mister.Wong

Kommentar-Feld ein/ausblendenArtikel kommentieren | Zu Favoriten hinzufügen (0) | Artikel zitieren | Aufgerufen: 1742

RSS Kommentare Kommentare (8)

Geschrieben von: kosh, am 24-09-2008 13:03
The Showtime must go on

Noch weniger wird die Nummer bringen, wenn per Implementierung einer Finanzdiktatur bewährte Marktmechanismen zugunsten des Goldmann-Sachs-Ministeriums ausgehebelt werden. Jeglicher Selbstregulation des Finanz-Ökosystems würde das Bein gestellt.

- Deshalb möchte nun Paulson den Banken helfen. Aus der aktuellen Perspektive ist dies nachvollziehbar. Die Fehler wurden in den Jahren zuvor gemacht, jetzt gibt es keinen Weg mehr zurück.

Wenn man davon ausgeht, dass kein Plan dahinter steckt, ja, dann hätte man sich ins Aus manövriert und nun keine andere Wahl mehr. Sollte allerdings einer dahinter stecken, müsste man zunächst den Plan kennen, um nachzuvollziehen. Dass aber ein Plan dahinter steckt, das ist meiner Meinung nach so klar wie Klosbrühe, zu sehr standen die letzten Jahr(zehnt)e unter dem Motto NWO. Es war eine Ansage ähnlich "Mein Kampf", alles was da kommen sollte wurde wortreich fest- und eingehalten. Ebenso wortreich indoktrinierte die Begleitpropaganda die Massen. Wir wurden sowas von weichgeklopft, dass uns gar nicht mehr auffällt, wie sehr die heutige Zeit im Zeichen eines Plans steht. Die Diskrepanz ist so gross geworden, dass wir kleinste Ermittlungspannen in jedem plumpen Fernsehkrimi erkennen und für oberpeinlich halten, während wir die Mega-Ermittlungspanne, nämlich den Fall WTC, für das Natürlichste der Welt halten. Der gesunde Menschenverstand würde theoretisch ausreichen, praktisch aber sieht es so aus, dass im Einklang mit unserer Vergesslichkeit und dem notorischen Hang zur Verdrängung die Propaganda in unseren Köpfen eingeschlagen hat wie Streumunition. Wo auch immer in unseren Denkstübchen noch ein Funken Verstand übrig ist, explodiert wie geplant eins der fiesen Dinger. Die Medien pflanzen uns längst eine Parallelwelt in unsere Köpfe, um einerseits dem Plan zu dienen, andererseits den Wähler bei Laune zu halten. In den USA stand es um die Jahrtausendwende auf der Kippe, gleich 2 Mal sah man sich zur Wahlfälschung gezwungen,um dem rechten Flügel der Einheitspartei Schub zu verleihen.

So viel wir auch von dem Plan selbst nur erahnen können, so offen liegen einige seiner Ziele verstreut im www zu Tage. Es ist darum leider zu befürchten, dass nichts besseres nachkommt, weil nichts besseres geplant ist (Clash of Zivilisations, Grand Chessboard). Denn nach dem Zusammenbruch der UdSSR frohlockte der Westen, alle Türen schienen offen zu stehen für eine prosperierende Zukunft. Jetzt noch die letzten lästigen Diktaturen regimechangen und wir könnten aufbrechen ins All. Doch es kam alles anders, die NWO sollte sich als alter Wein in alten Schläuchen entpuppen. Sie sah vor, wie lauthals angekündigt, dass die USA in die Rolle des Weltpolizisten schlüpfen, zunächst scheinbar eine rein zivile Angelegenheit. De facto schickten sie Vierfruchtpolizisten mit DU-Munition im Bombenhagel. Die Propaganda konnte dank WTC dermassen beschleunigt werden, dass unsere Sprachen entstellt daraus hervorgingen. Bis anhin relativ unumstrittene Begriffe (z.B. Widerstand = Terrorismus, Kriegsopfer = Kollateralschaden) haben in dieser Zeit über die Massen arg gelitten, das Leiden hielt Einzug in unseren Gehirnen, wo es sich festgefressen hat und sein Unwesen bis heute treibt. Computerviren gleich arbeiten die Propagandaschnipsel, kaum ein kritischer Gedanke überlebt den Angriff der neuronalen Trojaner länger als ein paar Stunden, manchmal nur Minuten oder Sekunden.

Im gleichen Atemzug nähert sich der Westen an chinesische Verhältnisse ebenso wie umgekehrt. Die Internetzensur ist nur noch eine Frage der Zeit, der zentralisierte Überwachungsstaat gegen das BÖSE bereits auf GUTEM Wege. Zu allem Überfluss im Reigen der Entstellungen gesellt sich nun eine weitere dazu, die Entstellung der Wettbewerbskraft unserer Wirtschaft. Ganz offen verbieten offenkundig Wirtschaftskundige eine Binsenwahrheit, stellen die Fitnesstrainer des Marktes frei, die Shortspezialisten sollen als Sündenböcke des planwirtschaftlichen Niedergangs an der Seitenlinie ihren eigenen Untergang bejubeln. Auch diese Verdrehung der Sprache findet reichen Zuspruch, ist sie doch von PR-Spezialisten ausersonnen. Wenn der Markt runtergeht, können dafür nur jene verantwortlich sein, die auf tiefere Kurse setzen, ergo müssen sie sie auch herbeigeführt haben. So einfach kann Propaganda sein, nein eigentlich ist GUTE Propaganda immer einfach, aber immer noch zu wenig plump als dass es den Adressaten auffallen würde. Und wieder breitet sich ein patenter Trojaner aus, um den gesunden Menschenverstand bröckeln zu lassen.

- Politiker haben dank gigantischen Einsätzen der Wall-Street-Lobbyisten jahrelang den Karren schleifen lassen.

Wohlwissend, dass dies in eine Krise führen musste! Nach meiner Meinung ist dies Teil des Plans, sich von Krise zu Krise zu hangeln und daraus gestärkt hervorzugehen, dank Kriegswirtschaft.

aus http://www.radio-utopie.de/2008/09/21/heute-nacht-telefon-ko nferenz-der-g7-finanzminister/
- Zuletzt gab es eine solche Form des Staatskapitalismus (”State Capitalism”) während der zurückliegenden zwei Weltkriege. Offensichtlich muss nun das Imperium USA seine Wirtschaftsordnung auf Kriegswirtschaft umstellen und versucht möglichst viele Staaten seiner Hegemonie mit hineinzuziehen.

Wie polterte der Grössenwahn doch so schön: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.

- Verstehen dürften die Politiker auch nicht, ...

Es ist nicht die Aufgabe der Politiker zu verstehen, die haben eine Funktion in einer Parallelwelt zu erfüllen, mehr nicht. Als z.B. Kriegskanzlerin Merkela Angel nur zu verstehen braucht, wie man wieder gewählt wird.

- Schenkt er den reinen Wein aber nur hinter den Kulissen ein, dann müssen sich die Politiker öffentlich wirksam entrüstet zeigen.

Das ist die haargenau eine der Rollen eines Politikers in dieser Parallelwelt. Das Abzocken der Wähler übernehmen andere, z.B. Nationalbanken indem sie tun wozu sie (Achtung Realsatire: vom Wähler :-)) beauftragt wurden, z.B. USD kaufen zwecks Einhaltung der Inflationsziele (ist der Franken zu stark, ist der Dollar zu schwach, oder so ähnlich). Also vorne rum Entrüstung und hinten rum trotzdem wie es gefällt.

- Wie sagt man dem Steuerzahler, dass er sich verschulden soll, ohne dass er dafür irgend einen Nutzen hätte.

Dazu reicht nach meiner Meinung die Story "kein Crash dank 700Mia plus Diktatur" vollkommen, so doof sind die Schäfchen nunmal. Irgendwann wird's dann mal nicht mehr reichen, aber ich denk das dauert noch eine Weile. Bis dahin wird es sich gelohnt haben für die Hirten und Wölfe (Krysmanski -> Ringmodell der Machteliten, S.41, http://www.gedankenhabitat.de/hirten_und_woelfe.pdf). Es sind ja nicht gerade wenige, die profitieren, sie besetzen quasi sämtliche Schlüsselpositionen der Macht, Multimedien inklusive. Sie sind diejenigen, die Interesse zeigen und sich bemühen, das Leiterchen empor zu klimmen. Ihre Gegenposition ist die gähnende Leere, das pure Desinteresse, mal abgesehen von einer polternden Verteidigung des eigenen Klingelbeutels am Stammtisch. Folglich stellt sich von der anderen Seite die Frage nicht minder, warum soll man dem Steuerzahler überhaupt reinen Wein einschenken? Warum soll man sich althruistisch geben, wenn Egoismus den Gewinn optimiert?
Vielleicht heimsen die Kongressmen noch den einen oder anderen Achtungskompromiss ein, wie z.B. kein Einsatz von Giftgas zur Erzwingung von Finanzterror. Vielleicht dienen die 700Mia auch nur, um abgelehnt zu werden, um hinterher noch perfider zu Werke zu gehen. Wir wissen es nicht, aber der Plan B ist jedenfalls schon fixiert, im Falle eines Falles -> "National Continuity Policy" http://www.whitehouse.gov/news/releases/2007/05/20070509-12. html. Das eigentliche Ermächtigungsgesetz ist also längst durch, in der allgemeinen Hektik um den Möchtegerndiktator Paulson ist das leider etwas untergegangen.

- Hauptsache es wird gut vermarktet.

Um den Titel ins Spiel zu bringen: The Showtime must go on.

- Der Durchschnittsamerikaner muss sich zusätzlich zu den bereits bekannten Problemen, wie sinkenden Immobilienpreisen, steigender Arbeitslosigkeit und Inflation auch noch mit höheren Staatsschulden auseinander setzen, die er früher oder später über mindere Leistungen, höhere Steuern oder einem schwächeren Dollar (ergo importierte Inflation) zu spüren bekommen wird.

Genau deshalb entdeckte die Kriegskanzlern urplötzlich ihre Pflicht des Dienstes am Volk als sie in ihrer Mottenkiste zur Lösung des Problems wühlte, weil auf einem oder mehreren Umwegen der deutsche Steuerzahler sowieso zur Kasse gebeten werden wird. Aber er darf sich dank des mutigen Einsatzes des teutschen Angels auf Erden sicher sein, dass er auf seiner Steuerrechnung nicht eine Position zur Errettung von Gods Own Nation auftauchen wird. Und darum glaubt er das auch, dass er nicht zur Kasse gebeten wurde.

Die Amis auf Kurs
kosh

Geschrieben von: HRR, am 24-09-2008 14:27
@kosh

Obama wäre wohl die passende Besetzung dafür, um die Europäer bei Laune zu halten.

Ich bin mir nicht so sicher, dass ein ausgefeilter Plan dahinter steckt, oder ob es nicht einfach ein natürlicher Zyklus ist - ein plutonischer Zyklus. Die Kräfte zwischen Ohnmacht und Macht dehnen sicher immer weiter aus, bis sie irgendwann wie ein gerissenes Gummiband wieder zusammenfallen. Vielleicht kann ein Physiker dazu Auskunft geben.

In der Geschichte sind solche Zyklen jedenfalls nicht neu. Geendet haben sie meistens mit Aufständen und Revolutionen und was wir hier beobachten, erinnert mich an die Jahrzehnte vor der französischen Revolution. Es wird wohl noch eine Weile weiter gehen und solange bleibe die Amis auf Kurs :roll

Geschrieben von: kosh, am 24-09-2008 16:23
@HRR

Die Chief-Cyclesurfer

- Ich bin mir nicht so sicher, dass ein ausgefeilter Plan dahinter steckt, oder ob es nicht einfach ein natürlicher Zyklus ist - ein plutonischer Zyklus.

Letzteres sagt mir in dem Zshg. grad nichts, auf die Schnelle fand ich in Sachen Geologie und Astrologie Erklärungen.

- In der Geschichte sind solche Zyklen jedenfalls nicht neu.

Exakt! Dir sind sie aufgefallen, mir ebenfalls und anderen auch, wobei ich mich weniger mit den Zyklen an sich befasse als in der kurzen Zeit (aus zyklischer Sicht) die mir z.V. steht, so viel wie möglich zu beobachten. Darüber reden bzw. schreiben kann man im Normalfall sowieso nicht im persönlichen Umfeld, zu gering ist das Interesse. Dieses minimale Interesse ist meiner Meinung nach auch der Grund, warum wir uns im www uns darüber unterhalten dürfen, wir sind irrelevant, abgesehen davon könnte der eine oder andere von uns nach einem Seitenwechsel (vgl. die vielen Ex-Roten unter den Neo©ons) ganz gut in einem Think Tank unterkommen.
Mein Standpunkt läuft darauf hinaus, dass es Leute gibt, die clever genug sind, um natürliche Zyklen zu nutzen, sogenannte Chief-Cyclesurfer. Die stellen die Zyklen nicht nur fest wie wir das tun, nein, die können das auch zu ihren Gunsten umsetzen und darauf Wellenreiten. Darauf baut ihr Plan und deshalb brauchen die auch nicht allzu sehr ins Detail gehen, weil die Zyklen eh eine Eigendynamik an den Tag legen, die Wellen kommen und gehen, man braucht nur aufzusteigen und los geht's. Es bräuchte daher lediglich grosso modo Ziele und Zwischenziele und eine geeignete Methode, die Wellen optimal zu reiten. Die Rafinesse steckt demnach nicht in Aufgefeiltheit des Plans, sondern einerseits in seiner Determiniertheit, andererseits in seiner organisatorischen Flexibilität und Langfristigkeit. Voraussetzung sind Generationen überdauernde (z.B. Familienclans - Blut ist dicker als Wasser) Organisationen (z.B. CFR), die Kurskorrekturen bei minimalem Aufwand mit maximaler Wirkung rechtzeitig in Gang setzen. Genau solche Momente müssten dem geneigten Leser ins Auge springen, zumal wenn sie gelegentlich doch im Mainstream besprochen werden wie Obamasama plus Brzezinski plus CFR oder McPain plus Kissinger plus CFR. Der eine wie der andere eine Marionette des gleichen Kasperletheater, alles nur eine Frage der Formalitäten, aber nein, die Propaganda hat sich so festgefressen, dass wir Europäer ganz sicher sind, dass mit Obamasama alles besser wird. Für mich ist das Realsatire auf höchst möglichem politischen Niveau.

- ... was wir hier beobachten, erinnert mich an die Jahrzehnte vor der französischen Revolution.

So genau kenne ich die nicht, was ich allerdings weiss ist, dass es viel, sehr viel gebraucht hat, bis die träge Masse sich in eine andere Richtung manipulieren (dank @prinz, der mich darauf aufmerksam machte) liess. Dito russische Revolution, die Masse muss auf dem Zahnfleisch gehen, oder jedenfalls propagandistisch unter diesen Eindruck gestellt, verführt werden. Nachhilfe kann nie schaden. Siehe z.B. die sicher nicht ganz uneigennützig geplante US-Entwicklunghilfe für das Naziregime, welches dann wie erwartet die Revolution von Rechts eingeleitet hat (unter heutiger Lesart: Hitler war ein Hurensohn. Aber er war unser Hurensohn), wodurch wiederum ein Stellvertreterkrieg vs. UdSSR in Gang gesetzt und GB auf Linie gebracht wurde, was in der Folge die Kolonien zusammenbrechen liess, für den eigenen Markt öffnete und mit dem Zusammenbruch des Ostblocks bis heute das halbe Herzland bis an die Grenzen Russlands gemäss Mackinder einbrachte. Scheint an diesem Punkt der Plan stecken zu bleiben? Das Revolutionsargument von der aktivistischen Seite betrachtet bedeutet z.B. auch, dass v.a. durch Krisen der Mensch bewegt werden kann, aus seiner Trägheit herauszutreten. Zusammen mit dem Wissen um Zyklen braucht man die Krisen nur geschickt in Szene zu setzen und für sich zu nutzen. Alle paar Jahre (z.B. 50 gemäss Kondratieff) wird Buchhaltung gemacht und wenn der Gewinn die Verluste ist alles in Butter im Land der Chief-Cyclesurfer.
Meine persönliche Zwischenbilanz: Die Finanzkrise wurde geschickt in Szene gesetzt, WTC war Phase 1 des Pleitegeiers aus eigener Zucht, jetzt kommt Phase 2 und die "wir hatten keine Wahl"-Slogans werden immer glaubwürdiger. Die Frage bleibt, auf welche Art kann die Finanzkrise für den langfristigen Plan einen Gewinn abwerfen und v.a. welchen, um auf Kurs zu bleiben? Wenn die Spielkameraden ganz clever sind, dann wissen sie, man darf es nicht auf die Spitze treiben, weil sonst der Bume(st)rang winkt. Aber sie wissen auch, dass es sich letztlich um einen Ressourcenkrieg mit begrenzten Zeitfenstern für Handlungsspielräume handelt, also muss u.a. das Nadelöhr Georgien um jeden Preis erhalten werden sowie last but not least die Propagandahoheit.

Grüsse
kosh

Geschrieben von: HRR, am 24-09-2008 16:49
Mein Standpunkt läuft darauf hinaus, dass es Leute gibt, die clever genug sind, um natürliche Zyklen zu nutzen, sogenannte Chief-Cyclesurfer. Die stellen die Zyklen nicht nur fest wie wir das tun, nein, die können das auch zu ihren Gunsten umsetzen und darauf Wellenreiten.

Du meinst wohl Warren Buffett, der gerade bei Goldman eingestiegen ist :zzz


Ich gehe bei meinen Ueberlegungen bereits einen Schritt weiter, ob rückwärts oder vorwärts ist noch offen :roll

Denn da gibt es noch die Frage, ob wir überhaupt einen freien Willen haben oder ob wir einfach nach einer festen Programmierung unsere Umlaufbahnen drehen.

So klar ist das nicht, wenn man der Hirnforschung Glauben schenken will: Eine „Entscheidung“ im Gehirn wird bereits getroffen, bevor sie der Person bewusst wird. Also wer entscheidet denn jetzt?

Oder frei nach Schopenhauser: ‚Der Mensch kann tun was er will; er kann aber nicht wollen was er will.‘“

Sind die Chief-Cycle-Surfer somit dort wo sie sind, weil es ihrer Programmierung entspricht? Falls dem so ist, dann kann man die ganze Schuldfrage und moralische Entrüstung entsorgen und einfach nur noch staunend zusehen.

Gruss HRR

Geschrieben von: Nanuk, am 24-09-2008 18:20
"Denn da gibt es noch die Frage, ob wir überhaupt einen freien Willen haben oder ob wir einfach nach einer festen Programmierung unsere Umlaufbahnen drehen."

Wie sagte Ludwig Wittgenstein mal so schön...

Die Aufgabe der Philosophie ist es der Fliege einen Ausweg aus der Flasche zu zeigen.Also nicht aufgeben weiter suchen!

Spätestens wenn wir sterben wissen wir mehr! Bis dahin können wir ja noch ein wenig rumsummen...

:grin

Geschrieben von: kosh, am 24-09-2008 19:52
@HRR

Über Buffet habe ich bislang kaum Nennenswertes gelesen in dem Zshg., ich bin allerdings neugierig, ob er sich strategisch positioniert, weil er von der Branche in die hinein GS sich geflüchtet hat (Geschäftsbank) etwas versteht und meint, dies sei die eine grosse Chance, die er pro Jahr brauche, oder ob er das als Werbeaufwand verbucht und gewinnbringend wieder abstösst wenn die Zeit reif ist.

Den freien Willen heute ins Gespräch zu bringen, darauf habe ich bewusst verzichtet, weil mir da selbst noch so einiges nicht klar ist. Aber ich kann ja mal laut darüber schreiben.

- Oder frei nach Schopenhauser: ‚Der Mensch kann tun was er will; er kann aber nicht wollen was er will.‘“
Sind die Chief-Cycle-Surfer somit dort wo sie sind, weil es ihrer Programmierung entspricht?

Frei nach Schopenhauer ja.

- Falls dem so ist, dann kann man die ganze Schuldfrage und moralische Entrüstung entsorgen und einfach nur noch staunend zusehen.

aus http://www.heise.de/newsticker/meldung/57086
- "Der ganze kapitalistische Markt baut darauf auf, dass der Mensch unbewusst zu bestimmten Handlungen zu verführen ist und sich dabei noch frei fühlt", meint etwa der Neurobiologe Gerhard Roth. Das Gefühl trügt: Man fühlt sich frei, aber man ist es nicht. In unzähligen Experimenten haben Forscher nachgewiesen, dass Erregungszustände im Gehirn schon eine Handlung ankündigen, noch bevor der Mensch sich bewusst ist, dass er überhaupt handeln will. Der Schuldvorwurf im Strafrecht beruht jedoch auf der Voraussetzung, dass ein Täter, statt rechtswidrig zu handeln, sich unter identischen Bedingungen auch normgemäß hätte verhalten können -- wenn er nur gewollt hätte.
Geist und Bewusstsein indes unterliegen physiologischen, chemischen und physikalischen Gesetzmässigkeiten. "Alles", erklärte Wolf Singer am gestrigen Donnerstagabend auf einer Diskussionsveranstaltung des Max-Planck-Forums[6] in Berlin, "beruht auf neuronalen Aktivitäten -- worauf sonst?". Das Wollen, Denken und Verhalten werden von limbischen Gehirnsystemen gesteuert, die grundsätzlich unbewusst arbeiten und die dem bewussten Ich kaum zugänglich sind.
"Die Idee eines freien menschlichen Willens ist mit wissenschaftlichen Überlegungen prinzipiell nicht zu vereinbaren", meint auch Wolfgang Prinz. Die Vorstellung der Willensfreiheit sei lediglich ein soziales Konstrukt; tatsächlich werde das individuelle Verhalten unbewusst determiniert: "Wir tun nicht, was wir wollen, sondern wir wollen, was wir tun". Was scheinbar als freie Willensentscheidung daherkommt, sei nichts anderes als das nachträgliche Ratifizieren einer Entscheidung, die das Gehirn in der gegebenen Situation schon längst getroffen hat.
Die Konsequenz scheint klar: Wenn es keinen freien Willen gibt, ist auch keine Verantwortung für bewusste Entscheidungen unter Abwägung von Alternativen mehr möglich und der Schuldvorwurf im Strafrecht verliert seinen Sinn. Sollte also das Rechtssystem auf die juristische Kategorie der Schuld gleich gänzlich verzichten?

In einem naturwissenschaftlichen Sinn tatsächlich ja. Jedoch - ich werde es mit einem Vergleich aus der Tierwelt versuchen - auch ein Löwe hat demnach keinen freien Willen, trotzdem ist er den Kräften der Evolution ausgesetzt, jeden Tag droht ihm das Fallbeil der Selektion. Will heissen, der Löwe tut was er tut, Du tust was Du tust, ich tue was ich tue. Politiker tun was sie tun, Chief-Cyclesurfer tun was sie tun. Jeder tut was er eben tut und setzt sich damit dem Erfolg oder Misserfolg aus, ganz egal ob dahinter ein freier Wille zu erkennen ist oder nicht. Wir tun alle möglichen verschiedene Taten, die im Kontext einer höheren Ordnung stehen, die ich als Evolution begreife. Rein naturwissenschaftlich betrachtet existieren unzählige menschliche Individuen, die sich gegenseitig durch ihr Tun beeinflussen wie auch von ihrer nichtmenschlichen Umwelt beeinflusst werden, d.h. die gesamte Population des Homo sapiens ist durch individuelles (wie auch immer motiviertes) Tun geprägt und resultiert in die eine oder andere Richtung, wir verändern uns als Population.

Etwas schwerfällig formuliert - es ändert aber nichts an der Aussage - angenommen ich tue moralisch entrüstet und tue jemand zu überzeugen versuchen, dann tut mein Ansprechpartner darauf eben das was er tut. Springt sein Erregungszustand für moralische Entrüstung nicht an, dann passiert was meistens passiert, sein Erregungszustand für innerliches Kopfschütteln springt an. Aber wenn sein Erregungszustand überschritten wird, dann tut er plötzlich ebenfalls moralisch entrüstet. Je nach dem, um was es sich handelt, ist sein Grenzwert für moralische Entrüstung ist eben ein anderer als meiner. Während sich die einen entrüsten über die Zwängerei gegen (Kampf-) Hunde und deren Halter, kann es anderen nicht schnell und weit genug gehen.
Insgesamt hat für mich die Diskussion über den freien Willen naturwissenschaftlich durchaus ihren Sinn, aber eine Schuldfrage lässt sich auch anders angehen, nämlich ursächlich. Im Alltag urteilen wir gewöhnlich über Menschen aufgrund von deren Tun, nicht deren Willen, etwas zu tun. Dass wir einen freien Willen unterlegen, könnte als sprachliche Konvention für ein Tun aufgrund eines Erregungszustands aufgefasst werden, das bereits Vergangenheit ist oder noch stattfinden soll. (Um den Bsps. die Ehre zu geben, eine andere Konvention: Wie um Himmels Willen kann ich als Subjekt objektiv sein? Offenbar soll das gehen, sonst würden wir nicht so sprechen, und doch, wenn es hart auf hart geht, dann geht's eben doch nicht, weil ein Subjekt niemals objektiv sein kann. Wir brauchen also eine Konvention darüber, was oder wer objektiv ist, z.B. ein Richter.)

In einer gewissen Weise hast Du aber den Kern meines Tuns getroffen. Ich tue die moralische Entrüstung nach meinen Möglichkeiten entsorgen und dann tue ich staunend zusehen, und siehe da, ich tue viel lachen, was ich vorher wegen meine moralischen Entrüstung nicht getan habe. In gewissem Sinne könnte man das als freien Willen bezeichnen, nicht absolut sondern relativ frei, eben im Rahmen der potentiellen Möglichkeiten aufgrund meiner Erregungszustände. Kurz: Mein hoher Erregungszustand hat dazu geführt, dass ich viel lese, was wiederum dazu geführt hat, dass ich abgestumpft bin, mein Erregungszustand hat sich also durch Gewöhnung abgesenkt. Heute führt mein Erregungszustand danke Zugabe einer Prise Dämpfung zu anderen Verhaltensmustern, eines davon ist staunend zusehen. Du siehst, irgendwie erlaubt die sprachliche Konvention mit dem freien Willen eine einfachere Verständigung als wenn es pseudowissenschaftlich ausartet um auf Schritt und tritt tutet.

Für den geneigten Leser der freie Wille im Zshg mit Glauben -> http://www.telepolis.de/r4/artikel/20/20746/1.html

Schönen Abend
kosh

Geschrieben von: Nanuk, am 24-09-2008 20:32
Schopenhauer hat den freien Willen nicht begraben mein lieber...

Glaub mir er ist ein guter Freund du kannst nicht wollen!
;)
Nur must du dich dafür von allem verabschieden was dich umgibt Menschen Dingen und dich ganz der Vorstellung hingeben.Denn willen verneinen um zu verstehen um aus dem ewigen Rad der Widergeburt auszubrechen.

Schopenhauer hat schlicht und einfach erkannt das Menschen nicht satt werden nur wenn du nicht mehr willst wirst du satt es ist sozusagen das Gegenmodell der Konsumgesellschaft in der wollen ein fester Bestandteil zu erlangung von kurzfristigem Glück ist der Wille kann nicht befriedigt werden also verneine ihn einfach und damit ist nicht nur der Geschlechtstrieb gemeint sondern etwas Metaphysisches das alles durchfliest.Das Zeit raumlos und ewig ist.

und es gibt keine strengere Moral als Schopenhauers Gebot zum Mitleid.

Da gibt es nämlich keinen hinterausgang. ;)

Aber das würde wirklich zu weit führen...

Wer Fragen hat kann mir gerne ne Mail schicken!

Geschrieben von: sakura, am 26-09-2008 00:43
Quote:


... Warren Buffett, der gerade bei Goldman eingestiegen ist


Entweder weiss er sehr viel mehr - oder gar nix. Das WB frühzeitig aus Silber ausgestiegen ist passt nicht ganz zu seiner Anlagestrategie. Ich denke er weiss mehr 8)

Schopenhauer ... freier Wille ... einfach nur GEIL, danke Nanuk.
Als Erbsenzähler möcht ich anmerken das Zeit nicht raumlos und schon gar nicht ewig ist. Alles was ist, ist an den Raum gebunden. Und der Raum ist nicht einfach nur viel Platz, dazu gehören sämtliche Naturgesetze. Vor allem die Zeit die ein wesentlicher Bestandteil des Raumes ist. Ah, und ewig ist der Raum auch nicht. Kann man vortrefflich mittels reiner Physik drüber streiten - oder mal die Veden bemühen 8)

Wenn wir schon bei den Veden sind. Die Aussage der Neurobiologen von wegen nix freier Wille, auch das steht schon lange geschrieben. Also olle kamelle, oder?
Aber stimmt das nun wirklich? Die Messung einer Laufzeit zwischen Erregungszustand und Bewusstsein setzt voraus das ich weiss was Bewusstsein ist und wo ich es lokalisieren kann. Wissen wir aber nicht :p Die schöne Vereinfachung der Neurobiologie das es unterschiedliche Hirnregionen gibt sind brauchbare Ansätze für die Chirurgie. Letzlich kann man aber die Leistungsfähigkeit unserer Denkapparatur bis jetzt nur durch parallele Denkprozesse erklären. Ein naheliegender Ansatz ist, das sich unser Gehirn in einem Quantenzustand befindet der die einzelnen Hirnregionen quasi "gleich schaltet" und so erst die Parallelität ermöglicht. Was genau Bewusstsein ist kann man schwer in Worte fassen - man muss es selbst erleben. Wo es genau unter den genannten Umständen lokalisierbar ist schon gar nicht. Nix gegen das Experiment. Man kann es vorläufig mal gelassen als Seiteneffekt unserer Hardware sehen.

Quote:
Denn da gibt es noch die Frage, ob wir überhaupt einen freien Willen haben oder ob wir einfach nach einer festen Programmierung unsere Umlaufbahnen drehen.


Ein altes Dilemma. Vermutlich ist es so, das wir Teil einer Simulation sind. Diese wird von Lebensformen auf einer höheren Intelligenzstufe betrieben. Warum? Weil diese Lebewesen trotz ihrer hohen Intelligenz bis jetzt noch nicht herausgefunden haben ob sie nicht nur in einer Simulation leben, also nur programmiert sind. Um ihr Dilemma zu lösen simulieren und beobachten sie uns. Falls unsere Philosophen je eine Lösung finden, haben sie einen Ansatz - und schalten uns einfach ab. :grin


Kommentar-Feld ein/ausblendenArtikel kommentieren

AkoComment © Copyright 2004 by Arthur Konze



 
< zurück   weiter >

Blog-Verzeichnisse

Schweizer Blog Verzeichnis TopBlogs.de slug.ch Blogs, die hierher linken list.blogug.ch bloggerei.de - deutsches Blogverzeichnis Blogverzeichnis Bloggeramt.de investinformer.de - TOP100 Investment Sites Blogparade