Zeitenwende.ch        WIRTSCHAFT - geschüttelt statt gerührt
Showtime in Washington PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 24. September 2008
Beitragsinhalt
Showtime in Washington
Seite 2
Seite 3


Aus der Politik-Perspektive

Politiker haben dank gigantischen Einsätzen der Wall-Street-Lobbyisten jahrelang den Karren schleifen lassen. Parties, Geschenke und Beraterverträge hatten ihren Blick für die Realität verstellt. Hier nur ein kleines Muster aus dem Washington-Sumpf: Der wahre Grund für den Zusammenbruch von F & F.

Verstehen dürften die Politiker auch nicht, weshalb Paulsons Plan nun so dringend sei, wenn er doch noch vor ein paar Wochen erklärte, das Finanzsystem sei gesund. Paulson müsste reinen Wein einschenken, aber das kann er öffentlich nicht, sonst rennen schon wieder alle Investoren zur Tür. 

US-Finanzminister Henry Paulson und Notenbankchef Ben Bernanke beschworen die Abgeordneten am Dienstag bei der ersten Kongressanhörung, dem Rettungspaket zuzustimmen. "Die Finanzmärkte sind in ziemlich fragiler Verfassung, und ohne den Plan wird es noch schlimmer", sagte Bernanke. Paulson warnte, weitere Bankpleiten und ausgetrocknete Kreditmärkte würden die US-Wirtschaft bedrohen.
 
Schenkt er den reinen Wein aber nur hinter den Kulissen ein, dann müssen sich die Politiker öffentlich wirksam entrüstet zeigen. 

"Dieser Rettungsplan ist keine Lösung. Er ist ein Beispiel für finanziellen Sozialismus, und er ist unamerikanisch", sagte Jim Bunning, republikanischer Senator aus Kentucky.
 
Sie können gar nicht so schnell zustimmen, ohne ihre Wahlchancen in den Kamin schreiben zu müssen. Paulson hat aber keine Zeit, die Investoren an den Märkten werden bereits unruhig.

Aus der Perspektive der Oeffentlichkeit

Dass das ganze Finanzsystem auf dem Spiel steht, weiss die Oeffentlichkeit nicht und sie darf es auch nicht wissen, sonst stehen schon morgen alle bei den Banken auf der Matte, um zu retten, was noch zu retten ist. Wie bringt man ihnen jetzt aber bei, weshalb sie Wall Street retten sollen, nachdem nun jedem klar geworden ist, dass sich die Investmentbanker verspekuliert haben und ihre Boni nur dank einer halsbrecherischen Strategie möglich gewesen waren? Wie sagt man dem Steuerzahler, dass er sich verschulden soll, ohne dass er dafür irgend einen Nutzen hätte. Seine Hypotheken laufen genau so weiter wie vorher. Daran ändert sich schliesslich nichts.

Der wahrscheinliche Ausgang

Die Politiker nicken den Plan aus zwei Gründen ab. Ernstens weil ihnen langsam aber sicher bewusst wird, wie heftig das Kartenhaus tatsächlich wackelt und sie sicher nicht für einen Zusammenbruch der gesamten Wirtschaft die Verantwortung übernehmen wollen. Zweitens, weil die Wall-Street viel zu viel über sie weiss und an die Presse weiterleiten könnte (Saufgelage, verbilligte Hypotheken, Geschichten aus dem Rotlicht-Milieu, usw.). Elliott Spitzer kann ein Lied davon singen, wie schnell Karrieren zu Ende gehen können. Politiker, die keine Gefälligkeiten sich gefallen haben lassen, dürften nicht allzu zahlreich sein in Washington.

Die Steuerzahler werden mit einem zusätzlichen Konjunkturpaket (dass sie natürlich auch selbst bezahlen müssen) zufrieden gestellt. Hilfen für überschuldete Familien und ähnlichem Pipapo. - Hauptsache es wird gut vermarktet. Dann müssen noch ein paar Investmentbanker aus der zweiten Reihe an laufenden Kameras vorbei hinter Schloss und Riegel gebracht werden. Zumwinkel lässt grüssen - und weiter gehts...aber wie gehts weiter?



 
< zurück   weiter >

Blog-Verzeichnisse

Schweizer Blog Verzeichnis TopBlogs.de slug.ch Blogs, die hierher linken list.blogug.ch bloggerei.de - deutsches Blogverzeichnis Blogverzeichnis Bloggeramt.de investinformer.de - TOP100 Investment Sites Blogparade