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Freitag, 14. November 2008
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Rien ne va plus
Seite 2


Die wahrscheinliche Variante: Die Staaten stellen gigantische Konjunkturprogramme auf die Beine, um die Menschen bei Arbeit zu halten, damit sie ihre Schulden bedienen können und der Konsum nicht weiter wegbricht. Der Blick in die Geschichtsbücher zeigt aber, dass diese kurzfristig heilsame Massnahme milde ausgedrückt seine Tücken hat. J.B. Kerners Ausspruch "Autobahn geht gar nicht" haben sich die Politiker noch nicht zu Herzen genommen. Kollabierende Staaten werden die Folge sein.

Eine weitere Variante hat Oskar Lafontaine ins Spiel gebracht. Er möchte sehr hohe Einkommen mit 80 Prozent besteuern. Dies sei gerechtfertigt, weil ein so hohes Einkommen "schamlos" sei, so Lafontaine. Lassen wir den moralischen Imperativ mal auf der Seite, denn er trägt zur Problemlösung nichts bei. Es geht nicht darum, ob hohe Einkommen richtig oder falsch sind, es geht darum, dass hohe Einkommen nur möglich sind, solange es noch kleine Einkommen gibt. Lafontaine's Vorschlag gleicht dem New Deal von Roosevelt während der grossen Depression.

Die bessere, weil nachhaltigere Variante, die im Moment sehr unwahrscheinlich erscheint, aber letztlich das Problem bei der Wurzel packt, ist die Vermögenspyramide wieder etwas auszuebnen. Geld ist, was gerne vergessen wird, genug da, nur fehlt es dort, wo es gebraucht wird. Eine massive Erhöhung der Einkommenssteuer zementiert nur diese einseitige Vermögensverteilung. Der noch bessere Ansatz ist somit nicht die hohe Besteuerung von hohen Einkommen, sondern die hohe Besteuerung von hohen Vermögen, denn hohen Vermögen stehen hohe Schulden gegenüber, die in den vergangenen Monaten NUR dank Staatshilfe nicht vollständig verschwunden sind.

Mein Szenario ist, dass sehr schnell jetzt das erste Szenario eingeführt wird, denn sonst heisst es schon bald: Rien ne va plus. Danach wird schrittweise zum zweiten und schliesslich zum dritten Szenario gehüpft und gleichzeitig die Bürgerrechte zunehmend eingeschränkt, damit die Macht des Geldes durch die Macht des Gesetzgebers ersetzt werden kann. Das ist weder liberal noch sozial, sondern kommt dem am nächsten, was früher im Osten an der Tagesordnung war. Ich sage nur Nasdrowje - eingeführt von den Amerikanern. Also wenn das nicht komisch ist...

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RSS Kommentare Kommentare (3)

Geschrieben von: anonym, am 15-11-2008 17:35
Der Ansatz ist ja prinzipiell richtig, nur das Problem ist das "der Gesetzgeber" nur eine ausführende Institution ist und Geld/Lobby diesen lenkt.

Geschrieben von: HRR, am 15-11-2008 19:07
Genau, nur wird dieser Mechanismus noch massiv stärker werden, bis man den Unterschied nicht mehr erkennen kann.

Geschrieben von: CLK, am 16-11-2008 03:42
Ganz allgemein ist eine Vermögensbesteuerung eine viel stabilere Basis für die Finazierung eines Gemeinwesens als die immer starken Schwankungen unterworfenen Einkommes -und Ertragssteuern. Bei Firmen würde das auf eine Bilanzsummensteuer hinauslaufen, die schon von sich aus ein grosses 'leverage' bestrafen würde. Zu lösen wären dann die Probleme der Bewertung und der Kapitalflucht.


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