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Rendite mit dem Tod PDF Drucken E-Mail
Freitag, 20. November 2009
Ich habe ein Faible für skurrile Geschichten, weil einem da viel eher die ungeschminkte Wahrheit ins Gesicht geklatscht wird. Beispiel gefällig? Bitte schön! Es geht um Rendite, Versicherungspolicen und Rentner, die nicht sterben wollen.

Alles begann im Jahr 2005, als ein Fonds der Deutschen Bank US-Bürgern deren Lebensversicherungen abkaufte. Die Versicherten brachten sich damit um ihren Schutz, bekamen dafür aber Cash. Der Fonds musste in der Folge die Prämien weiterzahlen, profitierte aber im Todesfall von der Auszahlungssumme.  Ein scheinbar krisensicheres Geschäft, denn gestorben wird immer.

Doch die Ernüchterung kam bald. Viele Anbieter - die Deutsche Bank ist in diesem Geschäftszweig nicht alleine - konnten die in Aussicht gestellten Renditen nicht erwirtschaften. Zum einen lebten viele Versicherte schlicht länger als gedacht. Zum anderen wurde der Aufkauf der Policen wegen der hohen Nachfrage immer teurer. Hinzu kam eine gesetzliche Änderung, nach der amerikanische Lebensversicherungsfonds in Deutschland erstmals steuerpflichtig wurden.

Im letzten Brief der Deutschen Bank an die Investoren hiess es deshalb: "Zum 31. Oktober 2009 kann erneut keine Ausschüttung erfolgen, und für die nächsten Quartale wird dies ebenfalls nicht erwartet".

Tatsächlich konnten bis heute keine Ausschüttungen getätigt werden, entgegen den - selbstverständlich unverbindlichen - Versprechungen beim Verkauf des Produktes. Um die Wut der Anleger ein wenig zu beschwichtigen, hat die DB nun ein Angebot gemacht. Für 80 Prozent der ursprünglichen Summe können die Kunden sofort aus dem Fonds aussteigen, in dem die Gelder eigentlich bis 2015 fest geparkt sind.

Doch nicht alle Anleger wollen sich damit abspeisen lassen, denn die Begründung der DB, dass die Versicherungsnehmer schlicht nicht so gestorben sind wie kalkuliert, sei falsch. Die bislang ausgezahlten Versicherungssummen wurden für fortlaufende Prämienzahlungen verwendet, aber auch für die Fondskonzeption wie auch für die Eigenkapitalvermittlung. Nur die Investoren gingen leer aus.

Tja, liebe Anleger, möchte ich hier einwenden, das ist immer so. Gewinne fallen immer erst nach Deckung der Kosten an. Die DB war kein Investor, sondern ein Vermittler, der an dieser Vermittlung sein Geld verdient. Wer sich dessen nicht bewusst ist, sollte generell um strukturierte Produkte einen Bogen machen.

Viele Anleger sind empört und klagen im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE über Falschberatung. Immer wieder heißt es: Von Risiko sei beim Kauf der Anlage kaum die Rede gewesen. "Das wurde mir in zehn Minuten angedreht", sagt ein Rentner.

Da wurde er von seiner eigenen Gier verführt. In zehn Minuten setzt man keine Unterschrift unter einen Vertrag, denn man nicht durchgelesen hat. (Der Prospekt zum Fonds soll über 100 Seiten betragen.)

Ein Sprecher der Deutschen Bank weist den Vorwurf vehement zurück. Die Berater hätten die Kunden "über die Struktur des Produktes mit seinen Chancen und Risiken informiert. Das Beratungsgespräch erfolgt im Wesentlichen auf der Grundlage des Prospekts, in dem alle relevanten Informationen deutlich erkennbar erläutert und dokumentiert sind."

Auch das ist natürlich Käse. Die Berater sind gar nicht fähig bei den täglich neu auf den Markt geworfenen Produkten die Details zu kennen. Das schafft kaum einer und schon sicher nicht die Mehrheit der Berater. Da kann jeder gerne mal den Praxistest machen. Deshalb hat sich auch die Deutsche Bank im Prospekt abgesichert, dort steht auf Seite 12:

Die tatsächlichen Erträge des Fonds könnten von den Prognosen "abweichen" und zu einem "erheblichen oder vollständigen Verlust des angelegten Kapitals führen".

Juristisch haben die Banker ihr Geschäft im Griff, keine Frage und ethisch enthalte ich mich der Stimme, wer jetzt die reinere Weste hat. Derjenige, der das Geschäft vermittelt oder derjenige, der mit dem frühzeitigen Tod anderer Menschen eine Rendite erzielen will. So ganz geheuer sind mir beide nicht.

Nur nüchtern betrachtet, hat die DB ihrem Kerngeschäft gefrönt und Käufer und Verkäufer von Versicherungspolicen zusammen gebracht, dafür Gebühren kassiert und das ganze in fröhlichen Farben angemalt. Das ist weder neu, noch besonders aufregend. Nur dass die Rentner nicht rechtzeitig sterben wollen, gibt dieser Geschichte ein pikantes Gschmäckle.

Die ganz Story gibt es ausführlich bei SPON Deutscher Bank droht ein Anlegeraufstand

UPDATE: Jetzt auch bei der FTD Auf Irrfahrt mit der Deutschen Bank (Dieser Bericht lässt die DB noch schlechter dastehen. Das pikante Gschmäckle stinkt gewaltig)

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RSS Kommentare Kommentare (5)

Geschrieben von: physiker, am 20-11-2009 16:14
Das hat Spaß gemacht zu lesen, gut dass Sie wieder was schreiben! :)

Geschrieben von: amethyst, am 20-11-2009 20:06
Schweinegrippe hat total versagt. Mist. :grin Aber, wenn der Winter kalt genug, der Dollar schwach genug und das Öl teuer genug wird besteht Hoffnung für die Herzchen, die solchen Trödel kauften. Auf den Tod war schon immer Verlaß, das können nicht mal Ärzte ändern. Alles nur eine Frage der Zeit. :eek

Geschrieben von: Robert Michel website, am 20-11-2009 23:26
Also ich finde es es nicht unmoralisch in solche Fond zu investieren. Würde man es unmoralisch halten mit dem Tod Geld zu verdienen, wäre auch der Beruf des Bestatters unmoralisch. Außerdem haben die Ex-Lebensversicherungsnehmer auch etwas von den Fonds.

Geschrieben von: Kasper David, am 21-11-2009 18:28
Lieber Hans-Ruedi,

Sie schreiben eingangs:

"Ich habe ein Flair für skurrile Geschichten"

Wenn "Flair" in der Schweiz für das in diesem Zusammenhang hierzulande übliche "Faible" steht, dann nehme ich das erstaunt zur Kenntnis und freue mich, etwas neues gelernt zu haben.

Ansonsten - Der Tod ist die sicherste Sache der Welt, warum sollte mensch nicht in sie investieren? Moralische Entrüstung entlarvt hier nur allzu schnell den biederen oder gutmenschenhaften Heuchler, der es halt nicht besser weiß...

Haarig wird es nur, wenn die Superschlauen anfangen mit Statisken zu arbeiten, welche zeitliche Eintrittswahrscheinlichkeiten des Todes von Versicherungsnehmern berechnen wollen. So leicht lässt sich unser aller Erlöser des Leidens nun doch nicht in die Karten schauen.

Na ja, Schwamm drüber, shit happens..

Gruß, KD

Geschrieben von: HRR, am 22-11-2009 00:09
@KD

Moralische Entrüstung - wo denn? Ich nehme nur belustigt zur Kenntnis, dass die Anleger entrüstet sind.

Logisch wurde die Statistik geschönt, sonst wären die Renditeversprechungen doch nicht so rosig gewesen. Nur beweisen kann man das natürlich nicht, so schlau werden die Produzenten wohl gewesen sein.

Dass es hier um den Tod geht, der je früher er eintritt, desto rentabler ist, gibt der Story einfach den nötigen Dreh, denn im Grunde genommen ist die Story gar keine.

Flair - Faible ist korrigiert. Danke


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Erhalten von: Rentner, die nicht sterben wollen • Börsennotizbuch pingback-website, am 20-11-2009 17:53 (PB)
[...] Das Wort “sanieren” ist allerdings etwas irreführend. Es handelt sich nicht um Verluste für die Bank (wie wir es allzu oft in dieser Krise erleben mussten), sondern um ein Verlustgeschäft für die Anleger, die das Kleingedruckte nicht aufmerksam gelesen und sonst auch etwas Pech hatten (gut dargestellt auch bei Zeitenwende.ch). [...]

 
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