Willem Buiter und Greg Mankiw gehören zu den bekanntesten Professoren
in der Finanzgilde und machen nun mit einem absurden Vorschlag von sich
reden. Sie wollen tatsächlich einen negativen Leitzins einführen. So
meinen sie, könne man der Krise ein Schnippchen schlagen. Pustekuchen!
Eigentlich war es eine Routine-Aufgabe für die Forscher der
US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Sie wollten ermitteln, wo derzeit
der optimale Leitzins liegen müsste. Wie immer fütterten sie ihren
Computer mit den neuesten Daten zu Inflation und Wirtschaftslage. Und
der spuckte ihnen vor einigen Wochen dieses Ergebnis aus: minus fünf
Prozent.
Halleluja - wen interessiert heute noch, was Computer
ausspucken? Diejenigen, die sie füttern, sind doch immer noch die
gleichen wie vor der Krise. Aber sei es drum, schauen wir mal, was die
erleuchteten Seelen damit anfangen wollen...
Der Zinssatz, zu
dem sich Geschäftsbanken bei der Zentralbank Geld leihen können, liegt
in den USA, genauso wie in Japan und Großbritannien, bereits praktisch
bei null. Die meisten Experten sind sich einig, dass die traditionelle
Geldpolitik damit am Ende ihrer Möglichkeiten angekommen ist. Tiefer
als null können die Leitzinsen der Notenbanken ja nun mal nicht fallen.
Negative
Zinsen führen in Null-Komma-Nix zu einem Bankrun, da jeglicher Grund
fehlen würde, das Geld noch dort zu lassen. Für diese Erkenntnis
braucht man kein Experte zu sein.
Angesichts der tiefsten
Wirtschaftskrise seit der Großen Depression stellen einige prominente
Ökonomen die bislang vorherrschende Meinung infrage. „Es gibt keinen
theoretischen oder praktischen Grund dafür, dass die Federal Funds
Rate, der wichtigste US-Leitzins, nicht bei minus fünf Prozent oder wo
auch immer liegen könnte“, schreibt Willem Buiter, Professor an der
London School of Economics, in seinem Weblog.
Nun gut, Praxis
ist nicht das Feld der Professoren, denn in der Praxis gibt es wie oben
erwähnt praktische Gründe, die dagegen sprechen.
Ähnlich wie
Buiter argumentiert auch sein Harvard-Kollege Greg Mankiw. Der
vergleicht die Einführung negativer Leitzinsen mit der Erfindung
negativer Zahlen: „Frühe Mathematiker haben die Idee negativer Zahlen
für absurd gehalten“, schrieb der Professor jüngst in in einem
Gastbeitrag für die „New York Times“.
Nichts ist unmöööglich....! Toyota
Und
hier liegt die Tücke des Vorschlags: Wer sein Vermögen auf der Bank nur
mit Verlust anlegen kann, wird es abheben und zu Hause horten. „Bevor
man sein Geld an jemanden verleiht, der einen negativen Ertrag
verspricht, tut man besser daran, sich das Geld unter die Matratze zu
legen“, schreibt Mankiw. Denn das Horten von Münzen und Scheinen wirft
eine Rendite von null ab. Damit wäre das Geld aber für den
Wirtschaftskreislauf verloren, und die Konjunktur würde noch mehr
leiden.
Langsam dämmerts, ich hatte mir schon Sorgen gemacht.
Doch
dieses Problem, so sind Buiter und Mankiw überzeugt, lasse sich lösen:
Der Staat müsse nur den Besitz von Münzen und Scheinen so unattraktiv
machen, dass die Menschen ihr Geld dennoch der Bank anvertrauen. Die
Regierung könne beispielsweise einmal pro Jahr jeden zehnten Geldschein
für ungültig erklären, schlägt etwa Mankiw vor. Mit einem
Zufallsgenerator könnte eine Zahl zwischen 0 und 9 ausgelost werden,
und jede Banknote, deren Seriennummer mit dieser Ziffer endet, wäre
danach wertlos.
Der Spruch Kasino-Kapitalismus bekäme dann eine
ganz neue Bedeutung. Buiter und Mankiw könnten sich ja dann als
Lottofee vedingen.
Mankiws Vorschlag hat einen großen Haken: Jedes Verfassungsgericht der Welt würde wohl ein so willkürliches Vorgehen verbieten.
Ach was, Regeln sind da, um gebrochen zu werden, das hat die Krise eindrücklich bewiesen.
Der
Londoner Ökonom Buiter hat realistischere Vorschläge in die Diskussion
gebracht, um die Menschen davon abzuhalten, Bargeld zu horten. Die
Regierung könnte zum Beispiel festlegen, dass ein US-Dollar in bar
weniger wert sei als ein Dollar auf einem Bankkonto oder Sparbuch. So
entstünde eine Art Wechselkurs zwischen Münzen und Scheinen auf der
einen und Kontoeinlagen auf der anderen Seite.
Das hätte noch den angenehmen Nebeneffekt, dass jede Zahlung überwacht werden könnte. Orwell lässt grüssen.
Alternativ
könne auch eine Art Bargeld-Steuer eingeführt werden. Gültig wären dann
nur Geldscheine, auf denen regelmäßig gekennzeichnet wurde, dass der
jeweilige Besitzer ordnungsgemäß seine negativen Zinsen bezahlt hätte.
Eine Art negatives Rabattmarkensystem. Sochle Ideen gabs doch schon mal. Richtig....
Schon
der deutsche Ökonom Silvio Gesell (1862 bis 1930) hatte den Gedanken
von „gestempeltem Geld“ entwickelt, das im Laufe der Zeit an Wert
verliert. So wollte Gesell verhindern, dass Geld als
Wertaufbewahrungsmittel dient. Wer sein Geld zu Hause horte, könne es
nicht ausgeben und lähme die Wirtschaft, schrieb Gesell. Würde man den
Besitz von Scheinen und Münzen dagegen regelmäßig mit einer Gebühr
belegen, würde jeder sein Geld schnell wieder loswerden wollen.
Damals
gab es aber noch kein Buchgeld, womit jeder Vergleich hinkt.
Tatsächlich ist die aktuelle Krise nicht eine des mangelnden Geldes - die Staaten drucken gerade wie wild. Die Krise entstand wegen der einseitigen Verteilung des Geldes. Ein
Systemkollaps hätte dies ausgeglichen, wurde aber dank
Staatsinterventionen verhindert.
Wenn man jetzt die Wirtschaft wieder
zum Laufen bringen möchte, dann braucht man nur eine weltweite Erb-
oder Vermögenssteuer einzuführen. Die könnte sogar einmalig sein, so im
Stile von 10 Prozent auf Alles. Aber an dieses Thema traut sich
natürlich kein Professor heran. Deshalb werden wir auch in Zukunft mit
weiteren Sumpfblüten aus den Elfenbeintürmen rechnen müssen.
Negative Leitzinsen – das Undenkbare denken (Trackback)
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Geschrieben von: Bernhard (aus Frankfurt) , am 18-05-2009 22:50 Die Ausweichwährung Gold wäre dann z. B. eine Alternative. Man kann ja dem Zwang ausweichen. Bloß die Transaktionskosten für den Schubkarren zum Goldtransport wären höher. Da wir in D. bald die Internetzensur haben werden, wird es ergänzend eine Goldpolizei geben, oder so... Dem Wahnsinn sind keine Grenzen gesetzt. Gruß Bernhard Geschrieben von: Andreas Bangemann , am 19-05-2009 07:52 Da trauen sich zwei einmal "out-of-the-box" zu denken. Höhe Vermögenssteuern oder zurück zum Gold sind dagegen mehrfach gescheiterte Modelle, die eines ganz bestimmt nicht einläuten: Eine "Zeitenwende". Warum lässt man ungleiche Vermögen erst durch ein System entstehen, wenn es auch anders geht? Um sich daran zu erfreuen, sie wieder zurück zu verteilen? Für eine konstruktive Diskussion hätte ich mir einen differenzierteren Kommentar gewünscht. Geschrieben von: Pierre Sanft, am 19-05-2009 08:36 @bangemann "Warum lässt man ungleiche Vermögen erst durch ein System entstehen, wenn es auch anders geht? Um sich daran zu erfreuen, sie wieder zurück zu verteilen?" Was sollt das Geseiere? Wenn man den Menschen in Freiheit leben läßt, stellt sich der Eine als fleißiger als der Andere heraus, daher erfolgreicher und finanziell reicher! Sogar im vielgepriesen Sozialismus gab es eine Nomenklatura die sich ungehindert bediente! Wollen wir wirklich dahin zurück? Geschrieben von: Andreas Bangemann , am 19-05-2009 09:12 @Pierre Unsanft Wie schön. Ich war eigentlich der Meinung, jene Zeitgenossen, welche das Märchen vom fleißigen Milliardär herunterbeten seien ausgestorben oder in ihrem Verlies der Reaktion verschwunden. Glauben Sie ernsthaft daran, dass die materielle Ungleichheit heute Ergebnis unterschiedlichen Fleißes ist? Geschrieben von: Pierre Sanft, am 19-05-2009 10:54 @bangemann Ja, das glaube ich ernsthaft! Beispiele gefällig? A. Würth, Bill Gates, Warren Buffet, Müller (der von Müller Milch), Porsche, Piëch etc. Aber auch: Honnecker ging es nicht schlecht, auch den chinesischen Führern geht es nicht schlecht; oder auch einen Lafontaine und Gysi oder einer Wagenknecht geht es ganz gut. Allen ist gemeinsam das sie "fleißig" und zielstrebig sind. Geschrieben von: Saviano , am 20-05-2009 09:29 Vielleicht habe ich etwas falsch verstanden, aber die Negativ-Zins-Politik kann sich *nur* auf die Fed beziehen. Auch die Professoren haben zugegeben, dass die Geschäftsbanken keine negativen Zinsen anbieten können (und die Lotterie-Lösungen sind nun wirklich nicht ganz ernst zu nehmen, oder!?)... Denn keiner wird Geld zum Minus-Zins verleihen... außer der Fed (die kann sich selbst zwingen und verfolgt in diesem Fall keinen Gewinn). Den Geschäftsbanken wird dann praktisch Geld geschenkt, wenn sie Kredit bei der Fed aufnehmen. Den Kunden werden sie (nach gewisser Zeit) wahrscheinlich Zinsen von nahezu Null, aber positiv, anbieten können (Kredit- und auch Guthabenzinsen). So gesehen ist die Negativ-Zins-Politik (der Fed) praktisch eine Kapitalinjektion für die Banken (die auf die Fed-Konditionen zugreifen dürfen). Der Gedanke der Profs war, diese Kapitalinjektion mit der Kreditvergabe zu verknüpfen -- d.h. Negativ-Zinsen (sprich: Geschenke) nur dann, wenn Neu-Kreditvergabe an Unternehmen und Verbraucher entsteht. Mit einem Wort: Den Banken soll dadurch einen Anreiz gegeben werden, die Kreditrestriktionen zu lockern... Geschrieben von: HRR, am 20-05-2009 11:04 und die Lotterie-Lösungen sind nun wirklich nicht ganz ernst zu nehmen, oder!? Doch, das meinen sie ernst, weil es sonst nicht funktioniert. Dein Vorschlag macht nämlich deshalb keinen Sinn, weil die Banken dadurch immer noch nicht gezwungen werden können, das Geld weiter zu verleihen. Es käme einer Subvention der Banken gleich. Doch dafür braucht es die Fed nicht, das kann gleich der Staat tun. Die Zinsen auf den Bankkonti müssen negativ sein, damit die Investoren gezwungen werden, das Geld vom Konto zu investieren. Doch das funktioniert eben auch nicht, wie ich im Artikel beschrieben habe. Man kann es drehen und wenden wie man will. Wenn es Herbst wird, dann kommt der Winter. Egal ob es einem passt oder nicht. Geschrieben von: Saviano , am 20-05-2009 11:41 Upps! Die Lotterie wird spannend sein... auch ihre praktische Umsetzung!!! Du hast in diesem Punkt recht: Die Verbraucher und Investoren kann man nicht zwingen, Kredite aufzunehmen (außer über die Negativ-Zinsen) und noch weniger, das Geld auszugeben. Die Pferde wollen im Moment nicht trinken... Für die Subvention braucht man theoretisch die Fed nicht -- das stimmt, -- aber diese Lösung (welche auch durch die anderen Sonder-Programme betrieben wird) ist weniger "bürokratisch", sprich: muss nicht so viele politische Hürden nehmen... Ich glaube persönlich nicht, dass es de jure zu Negativzinsen kommt. Eher glaube ich an den Hubschrauber. Aber die Fed wird weiter insgeheim die Banken subventionieren, was Negativzinsen fast gleichkommt (!?) Geschrieben von: Frank, am 26-05-2009 10:49 >>Den Geschäftsbanken wird dann praktisch Geld geschenkt, wenn sie Kredit bei der Fed aufnehmensen Liquiditätsprämie (2-3%), was Zinssätze bis zu Null überhaupt erst ermöglichen würde. Bei einem zu erwartenden Run der Geschäftsbanken auf dieses Negativ-Zins-behaftete Geld ist aber nicht zu erwarten, dass die Zinssätze für diese dann tatsächlich unter null liegen würden. Das Zinstenderverfahren im amerikanischen Stil bringt ja eine entsprechende Marktkomponente mit sich. Artikel kommentieren
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Erhalten von: Geht das: Zinsen unter Null? | Blick Log , am 20-05-2009 00:44 (PB) [...] Sehr kritsch sieht Hansruedi Ramsauer die Minuszinspolitik. Er schreibt in seinem Blog Zeitenwende: [...] Erhalten von: Die Taylorregel in der Praxis - Fernuni Hagen Forum , am 28-05-2009 08:21 (PB) [...] Blogs auch kontrovers diskutiert; so z. B. in > Geht das: Zinsen unter Null? | Blick Log > Professorale Sumpfblüten - zeitenwende.ch > FT.com | Willem Buiter's Maverecon | Negative interest rates: when are they coming to a [...] Erhalten von: Finanznachrichten.info , am 02-12-2010 17:27 (TB) EZB wartet weiter ab – Leitzins bleibt auf 1,00 Prozent
Experten hatten im vergangenen Jahr vermutet, dass der Leitzins für die Euro Zone spätestens im Herbst dieses Jahres angezogen werden würden. Nun haben wir bereits Dezember, die nächste Ratssitzung der Europäischen Zentralbank wird erst im Januar de |