Heute morgen las ich in der Zeitung, dass sich Hundefutter in der
gegenwärtigen Wirtschaftskrise einem florierenden Absatz erfreuen soll.
Der Verdacht: Es liegt nicht an den Vierbeinern. Diese Meldung wäre
noch kein Blogartikel wert gewesen, wenn ich nicht ein paar Stunden
später im Einkaufszentrum hinter einer Dame in der Schlange gestanden
hätte, die für 600 Franken die Gourmet-Variante von Whyskas aufs Band
legte.
Weder ihr Outfit noch die miteingekauften Lebensmittel wollten zum
teuren Gourment-Katzen-Menue passen. Es war einer dieser Momente, in
denen ich froh war, dass niemand meine Gedanken lesen konnte.
Und
meine Gedanken waren eine Folge meiner morgendlichen Zeitungslektüre.
Plötzlich verändert sich die Wahrnehmung. Noch gestern hätte ich
geglaubt, dass die Dame zugunsten ihres Schmusekaters auf eigene teure
Häppchen verzichtet. Heute bin ich mir da nicht mehr so sicher...
Nur,
der Eindruck kann täuschen. Die Meldungen über baldige Gewinne einiger
Banken hatte auch bei manchen Beobachtern zum Glauben geführt, dass es
jetzt in der Finanzbranche wieder aufwärts gehen würde. Inzwischen
wurde aber bekannt, dass die Buchhaltungsregeln geändert werden und die
möglichen Gewinne auf fiktiven Preisen beruhen.
Nicht
beeindrucken liess sich der IWF. Laut einem Vorabbericht der Times geht
der IWF davon aus, dass Banken und Versicherungen weltweit auf einem
Bestand von Schrottpapieren im Nennwert von vier Billionen Dollar
sitzen. Allein in den USA dürfte der Wert der Abschreibungen bei 3,1
Billionen Dollar liegen. Die Belastungen aus Europa und Asien schlagen
dabei mit 900 Milliarden Dollar zu Buche. Bei seiner vorangegangenen
Schätzung im Januar war der Fonds noch davon ausgegangen, dass die
"vergifteten" Papiere die Finanzkonzerne bis Ende 2010 mit 2,2
Billionen Dollar belasten dürften.
Wir haben es hier also fast
mit einer Verdoppelung innert Monaten zu tun. Damit dürften die
Ankurbelungsprogramme der G-20 von London bereits verfrühstückt sein,
bevor sie überhaupt angelaufen sind. Doch die Anleger reagierten nur
sehr zögerlich auf diese Meldung und die Gazetten hievten sie nicht einmal auf die Frontseite. Wie ist das möglich?
Doping
beim Sport, Botox bei der Schönheit, die Form triumphiert über den
Inhalt. Wir haben es hier mit einem Zeitgeist zu tun, der wie die
Radfahrerbranche zeigt, durchaus bei der breiten Masse auf Akzeptanz
stossen kann. Das macht Prognosen äusserst schwierig, denn das Wissen
um den morschen Inhalt muss noch keine Garantie für eine zeitlich
richtige Einschätzung der Aktienkurse zur Folge haben. Was zählt, ist
die Wahrnehmung der Masse und die lässt sich gerne manipulieren, öfters
wider besseren Wissens.
Ob Bankaktien nun ein Kauf sind, hängt
von der Wahrnehmung der Investoren und nicht vom Inhalt der Banken ab.
Das macht eine Prognose praktisch unmöglich. Ich lasse die Finger
dennoch davon.
P.S. Zurück zur Dame: Seit ich einmal in einer Bank einen Millionär angetroffen habe, dem ich auf der Strasse sofort aus Mitleid eine Münze zugeworfen hätte, weiss ich, öfters ist alles ganz anders als es scheint.
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Geschrieben von: eachtradingday , am 08-04-2009 20:10 kann das zu gut nachvollziehen, was da in deinem kopf vorgegangen ist. vielleicht hat sie ja 10 katzen und liebt sie wirklklich :D am äusseren lässt sich manchmal nicht festmachen was in einem steckt. gruss eachtradingday Geschrieben von: HRR, am 08-04-2009 21:06 Genau. Mir ging es nur darum zu beschreiben, wie ein Zeitungsartikel die eigene Wahrnehmung verändern kann. Man stelle sich nun mal vor, wenn täglich über eine gefährliche Vogelgrippe... ach das hatten wir ja schon  Artikel kommentieren
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