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Nicht nur Katzen würden Whyskas kaufen PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 8. April 2009
Heute morgen las ich in der Zeitung, dass sich Hundefutter in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise einem florierenden Absatz erfreuen soll. Der Verdacht: Es liegt nicht an den Vierbeinern. Diese Meldung wäre noch kein Blogartikel wert gewesen, wenn ich nicht ein paar Stunden später im Einkaufszentrum hinter einer Dame in der Schlange gestanden hätte, die für 600 Franken die Gourmet-Variante von Whyskas aufs Band legte.

Weder ihr Outfit noch die miteingekauften Lebensmittel wollten zum teuren Gourment-Katzen-Menue passen. Es war einer dieser Momente, in denen ich froh war, dass niemand meine Gedanken lesen konnte.

Und meine Gedanken waren eine Folge meiner morgendlichen Zeitungslektüre. Plötzlich verändert sich die Wahrnehmung. Noch gestern hätte ich geglaubt, dass die Dame zugunsten ihres Schmusekaters auf eigene teure Häppchen verzichtet. Heute bin ich mir da nicht mehr so sicher...

Nur, der Eindruck kann täuschen. Die Meldungen über baldige Gewinne einiger Banken hatte auch bei manchen Beobachtern zum Glauben geführt, dass es jetzt in der Finanzbranche wieder aufwärts gehen würde. Inzwischen wurde aber bekannt, dass die Buchhaltungsregeln geändert werden und die möglichen Gewinne auf fiktiven Preisen beruhen.

Nicht beeindrucken liess sich der IWF. Laut einem Vorabbericht der Times geht der IWF davon aus, dass Banken und Versicherungen weltweit auf einem Bestand von Schrottpapieren im Nennwert von vier Billionen Dollar sitzen. Allein in den USA dürfte der Wert der Abschreibungen bei 3,1 Billionen Dollar liegen. Die Belastungen aus Europa und Asien schlagen dabei mit 900 Milliarden Dollar zu Buche. Bei seiner vorangegangenen Schätzung im Januar war der Fonds noch davon ausgegangen, dass die "vergifteten" Papiere die Finanzkonzerne bis Ende 2010 mit 2,2 Billionen Dollar belasten dürften.

Wir haben es hier also fast mit einer Verdoppelung innert Monaten zu tun. Damit dürften die Ankurbelungsprogramme der G-20 von London bereits verfrühstückt sein, bevor sie überhaupt angelaufen sind. Doch die Anleger reagierten nur sehr zögerlich auf diese Meldung und die Gazetten hievten sie nicht einmal auf die Frontseite. Wie ist das möglich?

Doping beim Sport, Botox bei der Schönheit, die Form triumphiert über den Inhalt. Wir haben es hier mit einem Zeitgeist zu tun, der wie die Radfahrerbranche zeigt, durchaus bei der breiten Masse auf Akzeptanz stossen kann. Das macht Prognosen äusserst schwierig, denn das Wissen um den morschen Inhalt muss noch keine Garantie für eine zeitlich richtige Einschätzung der Aktienkurse zur Folge haben. Was zählt, ist die Wahrnehmung der Masse und die lässt sich gerne manipulieren, öfters wider besseren Wissens.

Ob Bankaktien nun ein Kauf sind, hängt von der Wahrnehmung der Investoren und nicht vom Inhalt der Banken ab. Das macht eine Prognose praktisch unmöglich. Ich lasse die Finger dennoch davon.

P.S. Zurück zur Dame: Seit ich einmal in einer Bank einen Millionär angetroffen habe, dem ich auf der Strasse sofort aus Mitleid eine Münze zugeworfen hätte, weiss ich, öfters ist alles ganz anders als es scheint.

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RSS Kommentare Kommentare (2)

Geschrieben von: eachtradingday website, am 08-04-2009 20:10
kann das zu gut nachvollziehen, was da in deinem kopf vorgegangen ist.

vielleicht hat sie ja 10 katzen und liebt sie wirklklich :D
am äusseren lässt sich manchmal nicht festmachen was in einem steckt.

gruss
eachtradingday

Geschrieben von: HRR, am 08-04-2009 21:06
Genau. Mir ging es nur darum zu beschreiben, wie ein Zeitungsartikel die eigene Wahrnehmung verändern kann.

Man stelle sich nun mal vor, wenn täglich über eine gefährliche Vogelgrippe... ach das hatten wir ja schon :grin


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