Die steigenden Zinsen für Staatsanleihen haben die Elite der
Oekonomenzunft aufgeschreckt. Sind sie die Folge der enormen
Staatsverschuldung oder die Antwort auf ein aufgehelltes Bild der
Weltwirtschaft?
Im Zentrum der Debatte stehen Niall Ferguson und Paul Krugman. Während
Ferguson sich Sorgen über eine kommende Inflation macht, deutet Krugman
die steigenden Zinsen als eine Normalisierung der Weltwirtschaft. Wer
hat recht?
Ferguson bezeichnet die staatlichen
Stimulierungspakete als massiv übertrieben. Die aktuelle Krise sei
nicht vergleichbar mit der Grossen Depression der 30er-Jahre. Um sein
Argument zu unterstreichen, wirft er ein paar Zahlen in die Runde. So
habe der IWF für die USA einen Rückgang des BIP für dieses Jahr von 2.8
Prozent und eine Stagnation nächstes Jahr prognostiziert. Das sei kein
Vergleich zu den 30ern, als der Output um 30 Prozent kollabierte.
Er
interpretiert deshalb die steigenden Zinsen als ein Misstrauensvotum
seitens der Anleger und zieht daraus die Gefahr einer kommenden
Inflation.
Pustekuchen, meint Paul Krugman. Die Zinsen der
Staatsanleihen steigen, weil sich die Investoren vermehrt wieder den
risikobehafteten Investments zuwenden wie Aktien und
Unternehmensanleihen. Die steigenden Zinsen seien somit ein Anzeichen
dafür, dass sich die wirtschaftliche Situation normalisiert.
Dazu
komme noch, dass die Schuldenaufnahme seitens der Regierung nur die
Schuldenrückzahlungen seitens der Unternehmen und Privathaushalte
auffange. Die Gefahr einer Inflation sei deshalb vernachlässigbar. Zum
Beweis führt er den folgenden Chart von Brad Setser an.

Tja,
nach meiner Meinung liegen beide falsch. Ferguson unterschätzt die
Situation massiv. Die Regierung war gezwungen mit enormen Summen
einzuschreiten, um den Status Quo zu erhalten. Alternativ hätte die
Regierung die Banken verstaatlichen müssen. Ferguson macht den Fehler,
die Krisen anhand des BIP zu vergleichen und unterschlägt, dass
die Geldschöpfung sich radikal verändert hat. Nicht die Realwirtschaft
veranlasste die Regierung zu handeln, sondern unterkapitalisierte
Banken. Wie schlecht die Finanzindustrie dasteht, sieht man alleine
schon an den 200 Milliarden $ die für ein einziges Unternehmen (AIG)
aufgenommen werden mussten. Von den anderen ganz zu schweigen. All
diese Summen fliessen nicht in die Realwirtschaft, sondern
stabilisieren den Status Quo.
Doch auch Krugman interpretiert
die Situation falsch, wenn er behauptet mit Blick auf obigen Chart,
dass der Staat den Konsumenten ersetzt. Ich bin damit insofern
einverstanden, was das Kreditwachstum betrifft. Ueber Inflation
brauchen wir uns vorerst keine Sorgen zu machen. Ueberhaupt nicht einig
bin ich aber mit Krugman, dass der Staat mit seinen Massnahmen Wachstum
schafft. Tatsächlich verhinderte die Regierung nur den Zusammenbruch
der Wirtschaft, die zuvor nur deshalb so gut lief, weil die
Oeffentlichkeit die Schulden der Privathaushalte und Banken ignorierte.
Nun sind sie ans Tageslicht getreten und die Investoren haben sich
verabschiedet. Der Staat füllt nun diese Lücke. Von einer Stimulierung
der Wirtschaft wie Krugman behauptet, kann aber keine Rede sein.
Weshalb steigen also die Zinsen bei den Staatsanleihen?
Aus
den Gründen, die Krugman und Ferguson beschrieben haben. Sie stehen
sich zwar diametral gegenüber, führen aber zu den gleichen Massnahmen
seitens der Investoren. Zu interessieren braucht uns dieses Phänomen
aber nur, wenn man glaubt, dass die Märkte ein effektives Bild der
Realität abgeben. Daran glaube ich aber definitiv nicht mehr.
Blog von Paul Krugman Kolumne von Niall Ferguson
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Geschrieben von: georg, am 14-06-2009 13:28 Eine rein esoterische Diskussion, zeugt nur davon daß keiner was Genaues weiß. Den vilen hundertausend neuen Arbeitslosen und denen die ihre Häuser verloren haben und die Altersversorgungen nutzt dieses professorale Labern überhaupt nichts. Geschrieben von: Kaspar-David, am 15-06-2009 12:48 hi geork für den einen ist es professorales Labern oder gar eine esoterische Diskussion - Hach, zum Glück weiß ich gar nicht was das ist. Aber HRR stellt hier wohl überlegte ökonomische Betrachtungen zur Diskussion. Ich für meinen Teil lese das gern, um die chaotischen Entwicklungen an den Finanzmärkten ein klein wenig besser zu verstehen. Sicher hilft das nicht direkt den Opfern und den weiterhin zu erwartenden Leidtragenden dieser Finanz-Krise, aber ist das ein Grund, publizierte ökonomische Sichtweisen (Ferguson und Krugman) nicht mehr zu hinterfragen und eigene kenntnisreiche Analysen zum Thema vorzutragen? Ei dess kanns ja wool net sein, Alder. danke HRR, bin wieder bisschen schlauer yours, KD  Geschrieben von: physiker, am 15-06-2009 18:35 Die Angst vor einem Ölpreisanstieg regiert die Bonds. Diese Angst wird von der Einschätzung gesteuert, welchen Weg die Chinesen nehmen. China ist ein großes Land, die Entfernungen sind mit denen in den USA vergleichbar. Das lässt nichts Gutes in Bezug auf zukünftigen Benzinverbrauch ahnen. Und Ölpreis hui Anleihen pfui. - lustig - Wenn die Chinesen den Ölpreis ansteigen lassen berauben sie sich ihrer eigenen Währungsreserven, egal ob in Schatzanleihen oder Bardollar. Es wäre wirklich besser wenn China den ökologische Wandel direkt ohne Umweg vollzöge, am besten noch mit Importen von Technologien, am allerbesten aus den USA. Das wäre dann aber ein Ding wenn ÖkoTec aus Dreamland California alles stabilisieren würde. Ausschließen will ich es nicht. P.S. der Artikel ist gut! Artikel kommentieren
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