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Niall Ferguson und Paul Krugman im Duell PDF Drucken E-Mail
Samstag, 13. Juni 2009
Die steigenden Zinsen für Staatsanleihen haben die Elite der Oekonomenzunft aufgeschreckt. Sind sie die Folge der enormen Staatsverschuldung oder die Antwort auf ein aufgehelltes Bild der Weltwirtschaft?

Im Zentrum der Debatte stehen Niall Ferguson und Paul Krugman. Während Ferguson sich Sorgen über eine kommende Inflation macht, deutet Krugman die steigenden Zinsen als eine Normalisierung der Weltwirtschaft. Wer hat recht?

Ferguson bezeichnet die staatlichen Stimulierungspakete als massiv übertrieben. Die aktuelle Krise sei nicht vergleichbar mit der Grossen Depression der 30er-Jahre. Um sein Argument zu unterstreichen, wirft er ein paar Zahlen in die Runde. So habe der IWF für die USA einen Rückgang des BIP für dieses Jahr von 2.8 Prozent und eine Stagnation nächstes Jahr prognostiziert. Das sei kein Vergleich zu den 30ern, als der Output um 30 Prozent kollabierte.

Er interpretiert deshalb die steigenden Zinsen als ein Misstrauensvotum seitens der Anleger und zieht daraus die Gefahr einer kommenden Inflation.

Pustekuchen, meint Paul Krugman. Die Zinsen der Staatsanleihen steigen, weil sich die Investoren vermehrt wieder den risikobehafteten Investments zuwenden wie Aktien und Unternehmensanleihen. Die steigenden Zinsen seien somit ein Anzeichen dafür, dass sich die wirtschaftliche Situation normalisiert.

Dazu komme noch, dass die Schuldenaufnahme seitens der Regierung nur die Schuldenrückzahlungen seitens der Unternehmen und Privathaushalte auffange. Die Gefahr einer Inflation sei deshalb vernachlässigbar. Zum Beweis führt er den folgenden Chart von Brad Setser an.

Image

Tja, nach meiner Meinung liegen beide falsch. Ferguson unterschätzt die Situation massiv. Die Regierung war gezwungen mit enormen Summen einzuschreiten, um den Status Quo zu erhalten. Alternativ hätte die Regierung die Banken verstaatlichen müssen. Ferguson macht den Fehler, die Krisen anhand des BIP zu vergleichen und unterschlägt, dass die Geldschöpfung sich radikal verändert hat. Nicht die Realwirtschaft veranlasste die Regierung zu handeln, sondern unterkapitalisierte Banken. Wie schlecht die Finanzindustrie dasteht, sieht man alleine schon an den 200 Milliarden $ die für ein einziges Unternehmen (AIG) aufgenommen werden mussten. Von den anderen ganz zu schweigen. All diese Summen fliessen nicht in die Realwirtschaft, sondern stabilisieren den Status Quo.

Doch auch Krugman interpretiert die Situation falsch, wenn er behauptet mit Blick auf obigen Chart, dass der Staat den Konsumenten ersetzt. Ich bin damit insofern einverstanden, was das Kreditwachstum betrifft. Ueber Inflation brauchen wir uns vorerst keine Sorgen zu machen. Ueberhaupt nicht einig bin ich aber mit Krugman, dass der Staat mit seinen Massnahmen Wachstum schafft. Tatsächlich verhinderte die Regierung nur den Zusammenbruch der Wirtschaft, die zuvor nur deshalb so gut lief, weil die Oeffentlichkeit die Schulden der Privathaushalte und Banken ignorierte. Nun sind sie ans Tageslicht getreten und die Investoren haben sich verabschiedet. Der Staat füllt nun diese Lücke. Von einer Stimulierung der Wirtschaft wie Krugman behauptet, kann aber keine Rede sein.

Weshalb steigen also die Zinsen bei den Staatsanleihen?

Aus den Gründen, die Krugman und Ferguson beschrieben haben. Sie stehen sich zwar diametral gegenüber, führen aber zu den gleichen Massnahmen seitens der Investoren. Zu interessieren braucht uns dieses Phänomen aber nur, wenn man glaubt, dass die Märkte ein effektives Bild der Realität abgeben. Daran glaube ich aber definitiv nicht mehr.

Blog von Paul Krugman
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RSS Kommentare Kommentare (3)

Geschrieben von: georg, am 14-06-2009 13:28
Eine rein esoterische Diskussion, zeugt nur davon daß keiner was Genaues weiß. Den vilen hundertausend neuen Arbeitslosen und denen die ihre Häuser verloren haben und die Altersversorgungen nutzt dieses professorale Labern überhaupt nichts.

Geschrieben von: Kaspar-David, am 15-06-2009 12:48
hi geork

für den einen ist es professorales Labern oder gar eine esoterische Diskussion - Hach, zum Glück weiß ich gar nicht was das ist.

Aber HRR stellt hier wohl überlegte ökonomische Betrachtungen zur Diskussion. Ich für meinen Teil lese das gern, um die chaotischen Entwicklungen an den Finanzmärkten ein klein wenig besser zu verstehen.

Sicher hilft das nicht direkt den Opfern und den weiterhin zu erwartenden Leidtragenden dieser Finanz-Krise, aber ist das ein Grund, publizierte ökonomische Sichtweisen (Ferguson und Krugman) nicht mehr zu hinterfragen und eigene kenntnisreiche Analysen zum Thema vorzutragen?

Ei dess kanns ja wool net sein, Alder. :(

danke HRR, bin wieder bisschen schlauer :x

yours, KD :zzz

Geschrieben von: physiker, am 15-06-2009 18:35
Die Angst vor einem Ölpreisanstieg regiert die Bonds. Diese Angst wird von der Einschätzung gesteuert, welchen Weg die Chinesen nehmen. China ist ein großes Land, die Entfernungen sind mit denen in den USA vergleichbar. Das lässt nichts Gutes in Bezug auf zukünftigen Benzinverbrauch ahnen. Und Ölpreis hui Anleihen pfui. - lustig - Wenn die Chinesen den Ölpreis ansteigen lassen berauben sie sich ihrer eigenen Währungsreserven, egal ob in Schatzanleihen oder Bardollar.
Es wäre wirklich besser wenn China den ökologische Wandel direkt ohne Umweg vollzöge, am besten noch mit Importen von Technologien, am allerbesten aus den USA. Das wäre dann aber ein Ding wenn ÖkoTec aus Dreamland California alles stabilisieren würde. Ausschließen will ich es nicht.

P.S. der Artikel ist gut!


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