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Moses und die Wirtschaftskrise PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 28. April 2009
Manchmal amüsiert, manchmal frustriert schaue ich auf die vielen Vorschläge, wie nun die Wirtschaft aus der Schockstarre befreit werden soll. Dabei gleichen sie wie ein Ei dem anderen. Egal ob nun der IWF, die Zentralbanken oder Bad Banks der Wirtschaft für Erleichterung sorgen sollen, alle laufen darauf heraus, dass bestehende Schulden bestehen bleiben und neue zusätzliche Schulden geschaffen werden können.

Nur ein Vorschlag kommt nicht auf die Bühne - Schulden zu streichen. Dabei hätte ein Systemkollaps genau dies zur Folge gehabt. Von einem Tag auf den anderen wären alle gleich reich oder gleich arm gewesen dank der unsichtbaren Hand des Marktes. Thomas Strobl nennt es in der FAZ die goldene Regel des Kapitalismus:

 
Solange zur Bedienung aller Schulden neue Nachschuldner gefunden werden, läuft alles wunderbar. Bleiben diese aber aus, dann heißt es: Game over! - Der Kettenbrief reißt, der Aufschwung schlägt um in die Krise, und alle, die gestern noch jubelten, sind plötzlich stinksauer.
 

Bis hierhin bin ich völlig d'accord. Doch jetzt wird er inkonsequent. Schauen Sie mal...

 
Zumeist gibt es dann ziemlich lautes Geschrei, wenn es besonders hart kommt auch eine knackige, kleine Revolution, oder gar einen ausgewachsenen Krieg, mittels derer die alten Wetten aufgehoben und die Schuldenuhren auf „Null" zurückgedreht werden, sodass das lustige Kreditspiel von Neuem starten kann.
 

Diese These ist falsch. Die Schuldenuhren wären in unserem eng vernetzten kapitalistischen System innerhalb von Tagen - wenn überhaupt - auf Null zurückgedreht worden. So schnell kommt weder eine Revolution noch ein Krieg zustande. In der Tat wäre diese Null für die grosse Mehrheit ein Freudentag gewesen. Bezieht man noch die Schulden der öffentlichen Hand mit ein und verteilt sie auf die einzelnen Bürger, dann hätten über 90 Prozent der Menschheit einen Gewinn daraus gezogen.

Dass man dies vermeiden wollte, lässt sich aus organisatorischen Gründen leicht nachvollziehen. Denn eine Welt ohne Geld - die Kehrseite der verschwundenen Schulden - hätte zu einem Chaos geführt. Die Menscheit wäre nicht darauf vorbereitet gewesen. Doch wer an die unsichtbare Hand des Marktes wirklich glaubt, müsste nun konsequenterweise den schrittweisen Vollzug des Systemkollapses - Streichung der Schulden - befürworten. Doch davon ist weit und breit nichts zu sehen. Dabei wäre das keine neue Erkenntnis. Nochmals Thomas Strobl:

 
Bei Moses lesen wir etwas von einem „Erlassjahr", einer obligatorischen Schuldenstreichung alle 7 Jahre, die den deflationären Druck aus der Wirtschaft nehmen und Spielräume für einen neuen Aufschwung schaffen sollte. Ein Gedanke übrigens, der erst kürzlich wieder vom englischen Wirtschaftshistoriker Niall Ferguson in einem Beitrag für die Financial Times aufgegriffen wurde, als eine alternative Möglichkeit, mit der man unserer neuzeitlichen Misere natürlich auch beikommen könnte. Moses war also offenbar ein weiser Mann, zumindest weiser, als so manche selbsternannten oder offiziellen „Wirtschaftsweisen" unserer Tage, die von der Funktion des Kredits in einer kapitalistischen Wirtschaft bisweilen nicht den Schimmer einer Ahnung haben.
 

Thomas Strobl hat ohne Frage Kenntnis von der Funktion des Kredits, doch interessanterweise wandelt er nicht auf den Spuren derer, die er selbst als weise bezeichnet, sondern propagiert eine weitere Aufschuldung mittels Konjuntkurprogramme. Damit ist er inmitten des Mainstreams gelandet, der offenbar nicht den Schimmer einer Ahnung hat. Schauen Sie mal:

 
Der Staat muss die ausfallenden „new credits" irgendwie ersetzen, er muss - um in der Sprache unserer Pyramidenspiel-Analogie zu bleiben - selbst in das Spiel eintreten und den Einsatz stellen, der nötig ist, um alle früheren Spieler auszulösen. Soll heißen: über öffentlichen Konsum, Investitionen und Sozialtransfers bewirkt er, dass Unternehmen und Privathaushalte weiterhin Gewinne und Einkommen in ausreichender Höhe erzielen, um kreditfähig zu bleiben und ihren Verpflichtungen nachkommen zu  können.
 

Genau dieses Konzept wird von den USA und zahlreichen anderen Ländern bereits "vorbildlich" umgesetzt. Da eine Schuldenstreichung à la Moses nicht zum Zug kommt, kann sich auch kein Land dem Weg der USA widersetzen, denn Kapital ist bekanntlich flüchtig. Thomas Strobel zeigt klar auf, wohin die Reise geht. Einen Aufschwung für breite Gesellschaftsschichten wird es so aber nicht geben. Auch hier zeigt ein Blick in den USA, dass die dramatisch gestiegene Verschuldung in zahlreichen Bundesstaaten bereits zu Leistungskürzungen und Steuererhöhungen geführt hat. Gewinner dieser Lösung ist nur die Elite, wie das in jedem Pyramidenspiel der Fall ist, das nun um eine weitere Etage aufgestockt werden soll.

Ach, was wünsche ich mir doch Moses zurück...

Thomas Strobl: Wiederholt sich die Geschichte? Das will ich doch gar nicht wissen!



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RSS Kommentare Kommentare (24)

Geschrieben von: Kuchentester website, am 28-04-2009 23:25
Bravo! Sehr schöne Replik.

Es wäre viel zu einfach und viel zu gerecht einfach diejenigen die Krise bezahlen zu lassen, die die Blase finanziert haben. Das muss alles erhalten werden. Das ist alles systemrelevant.

In der Insolvenzordnung steht nirgendwo, dass sie nicht auch für Banken gilt. Und von mir aus soll man halt eine good bank oder eine übertragende Sanierung machen, wie auch immer.

Aber statt dessen soll zum x-ten Mal die junge Generation für die ältere bezahlen bzw. die Armen für die Reichen.

"Socialism for the rich" wie bereits Jim Rogers sagte...

Geschrieben von: Der Schweizer Narr website, am 29-04-2009 00:35
Das würde heissen, alle jene die Schulden machten wären Gewinner. Senden Sie den Vorschlag an Geithner weiter. Sagen Sie mir vorher Bescheid, dass ich noch ein oder zei Häuser Kaufe, hoch belastet natürlich.
Och.. vielleicht ist es ja sowiso bald soweit, man denkt in den USA an Negativ Leitzinsen. Irgendwie muss es doch als letzten Vorteil ausgenutzt sein, eine hochgerüstete Armee zu haben und die Welt der Bush-Zeit amnestieren zu lassen.

Geschrieben von: Sanne, am 29-04-2009 02:03
Die Inkonsequenz von Thomas Strobl ist kein Wunder wenn man bedenkt dass er mit seinem Einkommen laut seiner eigenen Aussage zu den reichsten 1,6 % des Landes gehört
http://faz-community.faz.net/blogs/chaos/archive/2009/04/20/ politik-fuer-die-obersten-1-6.aspx

Solange es nicht um ihn selber geht hat er noch Durchblick, den er dann aber "verliert" wenn er dran denkt dass seine Kohle futsch wäre wenn er seine Schlüsse auf sich selbst anwenden müsste.

Dasselbe in grün im DGF: Da wissen auch viele was Sache ist aber sie zocken weiter wie die Weltmeister. Wenn sogar kluge Kritiker des Sytems nicht im geringsten bereit sind persönliche Konsequenzen zu ziehen (z.B. mal mit gutem Vorbild vorangehen und mit dem Zocken aufhören) dann braucht man nicht zu erwarten dass von irgendwoher Rettung kommen könnte.

Geschrieben von: Time Traveller, am 29-04-2009 05:22
Der Kommentar von Sanne bringt es auf den Punkt. Das System kritisieren und gleichzeitig von ihm profitieren. Das DGF ist ein Musterbeispiel für diese Verlogenheit. "Liebe DGF-Gemeinde" :cry, nehmt euch ein Beispiel an Walter Eichelburg :).

Geschrieben von: Andreas Bangemann website, am 29-04-2009 09:55
Die Schulden sind die Kehrseite der Vermögens-Medaille. Die Übertragung der Schulden auf andere (Steuerzahlers Schultern) sind nichts als der Erhalt der Geldvermögen. Niemand macht Schulden, wenn nicht ein anderer etwas angespart hat. Mit einem Schuldenerlass muss also ein Abbau von Geldvermögen einhergehen. Doch wer ist dazu freiwillig bereit, gerade jetzt, wo alle Regierungen beteuern, dass die Einlagen gesichert sind?
Die Vermögen haben sich im Pyramidenspiel des Kapitalismus auf wenige verteilt. Deren politischer Einfluss ist groß und führt zu der Politik der Verlängerung des Spiels, so wie wir es derzeit erleben dürfen.
Dabei wäre die Anwendung des Insolvenzrechtes auf die Banken genau das, was dem Spiel jetzt ein Ende bereiten würde. Denn es würden nicht nur die Schulden erlassen (besser gesagt gestrichen, weil wertlos und nicht mehr rückzahlbar geworden), sondern im gleichen Umfang würden die Geldvermögen reduziert. Diesen Vorgang sozial ausgewogen zu gestalten, indem man die "kleinen Sparer" rettet und die Superreichen in dem Maße ihrer überproportionalen Gewinne der letzten Jahrzehnte zum Verzicht zwingt, das wäre ein machbare Aufgabe der politischen Instanzen, welche die Insolvenz zu überwachen hätten.
Dabei geht kein Geld verloren. Es werden Guthaben und Schulden gestrichen. Das gilt es sehr genau zu unterscheiden.

Der Neuanfang muss dann mit einem Geldsystem gemacht werden, das nachhaltig und menschlich ist. Das Modell dafür gibt es.

Geschrieben von: HRR, am 29-04-2009 10:30
@Andreas Bangemann

Das Problem ist nicht das Geldsystem, sondern deren inkonsequente Handhabung, genau das zeigt diese Krise.

@Schweizer Narr

Das würde heissen, alle jene die Schulden machten wären Gewinner.

Jetzt sind all jene die Gewinner, die falsch investiert haben und dafür jahrelang schöne Gewinne gemacht haben. Ohne diese Fehlinvestitionen hätte es die Schuldner, welche heute nicht bezahlen können, nie gegeben. Und ohne diese Fehlinvestitionen wären die Milliardäre nie zu Milliardären geworden.

Unter dem Strich wird der Mittelstand die Rechnung für die Erhaltung der Schulden einerseits und der Vermögen andererseits bezahlen müssen. Wir laufen deshalb in eine 2-Klassen-Gesellschaft wie in Russland. Mir gefällt dieser Gedanke nicht, lässt sich aber kaum mehr aufhalten.

Geschrieben von: Time Traveller, am 29-04-2009 11:09
Das Problem kann man auch kurz und knapp wie folgt beschreiben:

Die Profiteure der Krise haben diese ursächlich verursacht und sind jetzt die Retter der Matrix. Willkommen im Restaurant am Ende des Universums wo dieser Irrsinn weiter zelebriert wird. Der Zukunftsforscher Gerald Celente sagt: Wir brauchen eine Revolution. Ich würde sagen, er hat Recht!

Geschrieben von: Andreas Bangemann website, am 29-04-2009 11:41
@HRR
Ich frage mich, wie man angesichts des jämmerlichen Scheiterns des Kapitalismus noch immer nach Lösungen innerhalb des Bestehenden suchen kann und gar von "inkosequenter Handhabung" überzeugt ist.

Ein System, das auf ewiges Wachstum aufgebaut ist, ist von vorne herein zum Scheitern verurteilt. Wenn man es besser machen will, muss man es über den Haufen werfen oder die gleichen Fehler solange wiederholen, bis einen die Natur bestraft.

Geschrieben von: Sanne, am 29-04-2009 13:05
Es muss krachen, es muss Milliarden von Toten geben. Anders lernen wir nicht dass der Kapitalismus mörderisches Teufelszeug ist.

Geschrieben von: HRR, am 29-04-2009 14:04
@Andreas Bangemann

Der Kapitalismus ist nicht das Problem. Würde er seinen Weg gehen von Boom zu Bust und wieder zurück, dann entspricht das dem, was wir auch in der Natur beobachten können. Der Kapitalismus ist eben gerade nicht auf ewiges Wachstum aus. Nur die Politik will uns das glauben machen und verhindert die natürlichen Rezessionen seit Jahrzehnten, die dem Kapitalismus inne wohnen. Gerade diese Verhinderung führt jetzt dazu, dass die Fallhöhe unglaublich hoch geworden ist.

Geschrieben von: Der Schweizer Narr website, am 29-04-2009 16:29
Lieber HRR, der Trugschluss den Sie aus meiner Sicht machen liegt darin, der Kapitalismus kann nicht 'seinen Weg gehen''. Ohne Mensch kein Kapitalismus, also liegt es am Menschen der diese Art des Werteaustausches steuert. Aus meiner Sicht kann der Mensch aber nicht über Kapitalismus den von ihnen geforderten Weg gehen, weil das alleine schon aus soziologischen Gründen, der Art wie Menschen gegenseitig miteinander umgehen, nicht möglich ist. Der Hinweis auf die Natur ist riskant, Sozialdarwinismus würde ihr Problem tatsächlich lösen, auf der anderen Seite müssten Sie dann in einer absolutistischen Diktatur, wie eine Ameise, leben.

Geschrieben von: HRR, am 29-04-2009 16:46
@Schweizer Narr

Gerade weil die unsichtbare Hand des Kapitalismus nicht seine Funktion ausüben darf, gehen wir in eine Richtung sozialistische Diktatur.

Die Demokratie wird doch an allen Ecken und Enden vor unseren Augen ausgehebelt. Bis jetzt wurde ich noch nicht gefragt, ob ich mit meinen Steuergeldern eine Bank retten möchte, gemacht wird es trotzdem.

Geschrieben von: diedetektei website, am 29-04-2009 16:54
Das sind ja interessante Schuldzuweisungen wer wann wie wo schuldig an der Krise ist.

Ganz einfach der Mensch. Es ist ein Raubtier gierig und neidisch auf das was er nicht hat. Daran kann niemand etwas ändern.

Vielleicht ein wenig provokant die Aussage. Vielleicht aber einfach, schlicht und wahr.

Es gibt aber auch wie sollte es anders sein Gewinner in der Krise. Google ist laut "Manager Magazin" zum dritten mal infolge trotz Krise die wertvollste Marke der Welt. Zumal Google auch noch der beliebteste Arbeitgeber ist sind das eine menge Lobhymnen.

Geschrieben von: kuchentester website, am 29-04-2009 21:44
@die detektei:

Ja, ja. Genau. DIE Menschen sind schuld. WIR ALLE. Schon eine ganz spezielle Logik, die da zum Vorschein kommt. Also wenn der Laden läuft, dann macht sich eine bestimmte, gierige Elite die Taschen voll, und wenn es dann ans bezahlen geht, heisst es: Na hört mal! Ihr ward halt zu gierig in der Vergangenheit. Jetzt müssen eben alle dran glauben, weil sonst die Welt untergeht. Obwohl die meisten versucht haben auf nachhaltige Art und Weise ihren Unterhalt zu verdienen???

Da würde ich an ihrer Stelle doch noch mal nach ein paar besseren Antworten "recherchieren"...

Vielleicht werden Sie ja hier im Blog fündig?

Geschrieben von: kuchentester website, am 29-04-2009 21:47
@ Andreas Bangemann:

Kann es sein, dass Sie letzten Oktober in Dortmund an einem Vortrag von Frank Lübberding teilgenommen haben?

Geschrieben von: HRR, am 29-04-2009 22:52
@die detektei @kuchentester

Gier und Neid entstehen aus einem Gefühl des Mangels - insofern sind sich alle Menschen gleich, nur das Ausmass ist unterschiedlich.

Zum Thema Schuld: Wer sich verführen lässt, sucht im Nachhinein oft die Schuld bei anderen, um nicht selbst "schuldig" zu sein.

Mir geht es in diesem Blog aber nicht um die Suche nach Sündenböcken. Ich versuche nur, auf die Verführungen aufmerksam zu machen, wie speziell auch im obigen Artikel. Nicht dass später einer kommt und sagt: Ach hätte ich das gewusst...

Geschrieben von: Der Schweizer Narr website, am 29-04-2009 23:15
Ich glaube nur an sichtbare Hände, und dahinter stehen im Fall des Kapitalismus Menschen.
Übrigens war Moses aus heutiger Sicht nichts anderes als ein Gewaltherrscher. Der Mann liess seine Gegner massenweise hinrichten und erklärte seinen Wahnsinn als Willen Gottes.
Will man nach Moses Muster per Dekret die Schulden vernichten, so geht das auch Heute nur über Leichenfelder. Vom Kapitalismus profitiert im Übrigen lediglich 1/4 der Menschheit und bei dessen maximalen globalisierten Ausdehnung wird der peak credit growth zwangsläufig irgendwann erreicht. Der Kapitalismus erhält unter einer globalen Ausdehnung ein nur allzu-menschliches 'Händchen' bei dem Nachhaltigkeit geopfert wird und Ressourcen rücksichtslos übernutzt werden.

Geschrieben von: HRR, am 30-04-2009 08:40
@Schweizer Narr

Zu Moses: Im Artikel steht, dass TS Moses als weise bezeichnet und im Nachhinein schlägt TS das Gegenteil von Moses vor. Das ist inkonsequent.

Zur Schuldenvernichtung: Der Markt hätte das ganz alleine gemacht, ohne Dekret und ohne Leichen.

Zu Investitionen: Wer falsch investiert, macht Verluste. Das ist Kapitalismus und das wird jetzt verhindert. Der Kapitalismus läuft somit in den Vollsozialismus für Reiche.

Geschrieben von: Andreas Bangemann website, am 30-04-2009 14:38
@kuchentester:
Nein, bei diesem Vortrag war ich nicht, obwohl ich nicht weit nach Dortmund habe.

Zur Neiddebatte:

Ich finde immer wieder interessant, wie Menschen andere Menschen ändern wollen, oder gar glauben, die Welt ändere sich nur, wenn der einzelne Mensch sich ändert.

Warum versuchen wir es nicht erst einmal mit dem einfacheren Weg und ändern die Ordnung, das System oder das Regelwerk, in dessen Grenzen sich die Menschen durchboxen müssen. Vielleicht gibt es ja Verbesserungen, die dazu führen, dass die vermeintlich schlechten Eigenschaften der Menschen in den Hintergrund treten und die guten zum Ausbruch kommen.

Ich persönlich habe es mir schon lange abgewöhnt Menschen ändern zu wollen. Das hat allen gut getan: Meinen Mitmenschen, aber vor allem mir selbst.

Geschrieben von: HRR, am 30-04-2009 14:45
@Andreas Bangemann

Ich finde immer wieder interessant, wie Menschen andere Menschen ändern wollen

Es scheint nur der einfachere Weg zu sein, als sich selbst zu ändern, aber er endet immer im Frust.

oder gar glauben, die Welt ändere sich nur, wenn der einzelne Mensch sich ändert.

Jede Aenderung beginnt bei den Gedanken. Wenn du ein Haus ändern möchtest, hast du zuvor die Gedanken geändert. Ist der Gedanke aber Gier, dann ist auch das Resultat Gier. Die Form kümmert das herzlich wenig, egal ob wir das nun Kapitalismus, Kommunismus oder was auch immer nennen mögen...

Die Konsequenz daraus: Aendern kann man nur sich selbst und sonst gar nix und das ist schon eine Lebensaufgabe.

Geschrieben von: Der Schweizer Narr website, am 30-04-2009 23:54
@HRR

/Zur Schuldenvernichtung: Der Markt hätte das ganz alleine gemacht, ohne Dekret und ohne Leichen./

Hat 'er' aber nicht, weil es diesen 'er' nicht gibt. Der Kapitalismus ist stets das was er ist, nur ein Begriff.

/Zu Investitionen: Wer falsch investiert, macht Verluste. Das ist Kapitalismus und das wird jetzt verhindert. Der Kapitalismus läuft somit in den Vollsozialismus für Reiche./

Der Kapitalimus war bereits immer Sozialismus für Reiche, nur seit Mitte letzten Jahres noch ein bisserl mehr. Er war es schon immer, weil er in solchen Situationen wie jetzt stets daselbe tut. Dieselben welche den 'freien Markt' über Jahre propagiert haben, zapfen den Staat an wenn sie in Not sind. Seit dem Anti-Bubble Act 1720 in England, stets dieslbe Diskussion und stets dieselben 'Fortschritte', die Entwicklung von Gesellschaften mit Haftung zu Gesellschaften mit beschränkter Haftung und jetzt zu solchen ohne Haftung.
Natürlich geschieht das alles in Wellen, aber die Wellen sind wiederum in einer gegen obenen offenen Spirale platziert, in welcher die Gewinnmaximierung immer dünnerer Obeschichten die Richtung angibt.
Die Idee, dass der Kapitalismus letztlich in einer reinen Formel lebensfähig wäre ist ein ewiger Irrtum liberaler Oekonomen. Der Kapitalismus ist IMMER ein Produkt der Macht des Stärkeren. Der Markt reagiert nicht dann nicht mehr nach finanzlogik, sobald die einflussreiche Lobby in Gefahr ist.
Das ist ein Strukturfehler, geehrter Herr HRR, der besteht darin dass die Marktlogik stufenweise zu einer Situation führt, in welcher Menschen die das sagen haben ihren eigenen Untergang verhindern können, indem diese Logik ihnen die Macht verleiht das Kasino zu ihren Gunsten neu nachzuladen.

Geschrieben von: HRR, am 01-05-2009 09:35
@Schweizer Narr

Langsam kommen wir uns näher. Wir sind uns einig, dass die Macht die Regeln ändert - wenn die Regeln gegen sie selbst arbeitet.

Wenn dies aber so ist, dann ist nicht der Markt dafür verantwortlich, sondern der Staat, der die Regeln ändern kann.

Lobbyisten bearbeiten die Politik und ich habe in zahlreichen Beiträgen beschrieben, dass es kaum noch eine Trennung gibt zwischen Grosskonzernen und der Spitze der Politik.

Das war schon 1720 so, bei der Revolution in Frankreich und auch heute. Doch weshalb möchtest du - wie in deinem ersten Kommentar - dennoch nicht, dass man das Domino laufen gelassen hätte (wenn auch koordiniert)? Genau dies hätte die Macht von Regierung/Grosskonzernen weggenommen.

Dir gefiel es nicht, dass ein paar kleine Bürger, die sich ein Haus gekauft haben, dass sie sich nicht leisten können, plötzlich Gewinner wären. Du ziehst es offenbar vor, dass sich die Macht der Wenigen noch weiter ausdehnt, obwohl diese genau wie die kleinen Bürger falsche Entscheidungen getroffen haben.

Nun, deine Meinung in Ehren, sie entspricht der Mehrheit. Doch der Mittelstand wird durch diese Entscheidung nach unten durchgereicht und er merkt es nicht.

Geschrieben von: Der Schweizer Narr website, am 01-05-2009 12:55
@HRR

/Doch weshalb möchtest du - wie in deinem ersten Kommentar - dennoch nicht, dass man das Domino laufen gelassen hätte (wenn auch koordiniert)? /

Sie verstehen mich offenbar noch immer falsch. Ich wäre nicht dagegen gewesen die sich verspekulierten Finanzkonzerne kontrolliert fallen zu lassen.
Was ich meine ist aber, es wird auch in 200 Jahren nicht so geschehen, weil immer dann wenn der Kapitalismus die Umverteilung nach oben maximiert hat, eben die Finanzlobby die Politik kontrolliert. Der Kapitalismus wendet sich im Zyklus einer drohenden Depression gegen sich selbst. Das macht er, weil Kapitalismus und Menschen die ihn kontrollieren deckungsgleich sind. Solche wie Sie werden IMMER eine Minderheit bleiben in einer solchen Phase, solche wie sie werden erst dann vermehrt Einfluss gewinnen, wenn das Geschirr endgültig zerschlagen ist. Dann hört man auf solche Leute wie sie und der Neoneoliberalismus entsteht. Dann geht es wieder aufwärts und sobald 'es' wieder wie geschmiert läuft, werden Sie vergessen, ebenso die Wirtschatsethiker.

Geschrieben von: pevi website, am 20-11-2009 10:24
:grin

Ihr Artikel zeigt ein sehr tiefes Verständnis für die wahre Problematik

Hut ab!


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