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Mit Gold die Schweiz retten |
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Mittwoch, 5. Oktober 2011 |
Die Welt war friedlich als ich heute morgen den Briefkasten öffnete.
Die Sonne schien und die Vögel pfiffen, nichts deutete darauf hin, dass
von irgendwoher Gefahr drohen könnte. Ahnungslos griff ich in die
silberne Blechkiste und zog einen buntbedruckten Flyer heraus. "Rettet
unser Schweizer Gold" stand dort in grossen Lettern auf blauem
Hintergrund - knallig rot der Befehl "Jetzt unterschreiben!". Leicht
zitternd wühlte ich in meiner Jackentasche nach einem Kugelschreiber.
Wenn ich meine Heimat mit einer Unterschrift vor dem Untergang bewahren
konnte, dann wollte ich nicht hinten anstehen. Soviel Bürgersinn muss
sein.
Eine solche Reaktion wünscht sich natürlich die Bürgeraktion "Gesunde
Währung". Ich muss leider passen. Dennoch hat der Flyer mehr als nur
Unterhaltungswert. Ulrich Schlüer, Nationalrat und Co-Präsident des
Initiativkomitees hatte schon einmal ein gutes Gespür für
unterschwellige Aengste. 2007 machte er sich ausserhalb der Schweiz
einen Namen als Initiant gegen den "Bau von Minaretten". Zwei Jahre
später wurde das Begehren vom Volk angenommen. Vermutlich war es der
Höhepunkt der Islamophobie. Zumindest ist die Debatte, die mit 9/11
begann, seit dem arabischen Frühling und dem Massenmord in Oslo wieder
etwas sachlicher geworden.
Auch der Goldpreis hatte just im Jahr
2001 seinen Tiefpunkt. Es war der Zeitpunkt als die Schweizer
Nationalbank mit ihren Verkäufen begann. Die Analysten waren sich
sicher, dass der Preis aufgrund des gestiegenen Angebots weiter fallen
müsse. Es kam anders, wie wir heute alle wissen. Inzwischen wird Gold
überall empfohlen. Am meisten Empfehlungen werden wir dann sehen, wenn
der Höhepunkt erreicht ist, also ausgerechnet dann, wenn man Gold
verkaufen sollte. Doch wann wird das sein?
Um das heraus finden
zu können, muss man sich von intellektuellem Ballast befreien. Gold wird
weder die Schweiz noch die Welt auf Dauer retten. Es ist nur eine
andere Ideologie wie 2001, als man im Schuldenwachstum die
Glückseligkeit vermutete. Wer das damals hinterfragte, machte sich
unbeliebt. Wer heute Gold nur als ein Phänomen des Zeitgeistes
betrachtet, landet auch keine Sympathietreffer.
Der Flyer von
Ulrich Schlüer und dessen Goldinitiative ist für mich nur deshalb
interessant, weil er einen Input gibt, wo wir im Goldtrend stehen.
Sollte die Initiative tatsächlich auf fruchtbaren Boden fallen und zwei
Jahre später vors Volk kommen wie damals, erhalten wir einen
Anhaltspunkt, wie lange die Euphorie noch andauern wird. Noch sind das
alles nur Mutmassungen. Aber es lohnt sich, die Stimmungen in den
verschiedenen Ländern zu beobachten.
Wichtig zu erkennen bei
Trends ist nur, dass sie durch Ideologien entstehen. Wer ihnen auf den Leim geht, bleibt bei einer Trendumkehr hoffnungslos kleben. Soll heissen, der Anstieg kann durchaus noch eine Weile weiter gehen, wenn aber der Zeitpunkt gekommen ist, sich vom Edelmetall zu verabschieden, dann hört es keiner mehr.
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Erhalten von: Kleine Presseschau vom 6. Oktober 2011 | Die Börsenblogger , am 06-10-2011 13:45 (PB) [...] zeitenwende.ch: Mit Gold die Schweiz retten [...] |