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Mehr Demokratie für Pensionskassen |
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Mittwoch, 19. Oktober 2011 |
Die Geschichte der Pensionskassen ist mindestens schon hundert Jahre
alt. Etabliert für Staatsdiener, kam die Altersvorsorge nach dem
zweiten Weltkrieg auch bei privaten Unternehmen immer mehr in Mode.
Pensionskassen waren speziell in Zeiten des Arbeitskräftemangels ein
gutes Argument, um neue Mitarbeiter für sich zu gewinnen. Inzwischen
sind Pensionskassen zur stärksten Kraft auf den internationalen
Finanzmärkten geworden.
Im Jahr 1988 verwalteten allein die 300 grössten Kassen zusammen 2
Billionen US$. Danach stieg das Vermögen bis 2007 auf 12 Billionen US$
und erfuhr im Krisenjahr 2008 erst den zweiten Rückgang seit Beginn der
Messungen auf neu 10.4 Billionen US$. Das entspricht ungefähr der
Staatsverschuldung aller Euro-Länder. Ohne die Pensionskassen wäre die
gigantische globale Verschuldung der letzten zwei Jahrzehnte gar nicht
möglich gewesen. Nach diversen Schätzungen sollen die Vermögen aller
Pensionskassen weltweit zwischen 20-24 Billionen US$ betragen.
Pensionskassen
werden verpflichtet, gewisse Qualitätsstandards einzuhalten. Dabei
richten sie sich nach den Ratings der grossen Agenturen. Das ist
politisch gewollt. Sie müssen also verkaufen, wenn es zu Abstufungen
unter eine zuvor festgelegte Grenze kommt. Das ist der Hauptgrund,
weshalb fast jede Veränderung der Ratings zu massiven Bewegungen an den
Finanzmärkten führt, unabhängig davon, ob die Pensionskassenverwalter
die Meinung der Agenturen teilen. Die Ratingagenturen sind nur deshalb
so mächtig, weil die Pensionskassen verpflichtet wurden, nach deren
Standards zu arbeiten.
An der Spitze der Top 300 figuriert die
staatliche Pensionskasse Japans. Sie verwaltet laut einem Bericht von
Reuters vom März 2010 umgerechnet 1'400 Milliarden US$. Das ist mehr
als das Bruttosozialprodukt von Indien. Allein bei dieser
Grössenordnung lässt sich erkennen, weshalb die unglaublich hohe
Staatsverschuldung Japans - doppelt soviel wie der Durchschnitt aller
westlichen Länder - die Finanzmärkte bislang nicht beeindruckt hat. Zwei Drittel der Investitionen gehen in inländische Anleihen. Das
Land ist bei seiner eigenen Bevölkerung verschuldet.
Die Macht der
Pensionskassen kann nicht hoch genug eingeschätzt werden und dennoch
spielen sie in der Wahrnehmung der Oeffentlichkeit kaum eine Rolle. So
gehören sie zu den wichtigsten Investoren in die viel gescholtenen
Hedge Funds. In der Schweiz wurde die Quote just im September 2008 als
die Finanzkrise offen ausbrach auf maximal 15 Prozent erhöht. Auch wenn
von „bösen Spekulanten“ an den Finanzmärkten die Rede ist, dürfte
öfters das Geld aktueller und zukünftiger Rentner unterwegs sein.
Ethische Anforderungen an die Kassen sind Mangelware. Einer Studie des
Unternehmensberaters Axel Hesse zufolge, die vom deutschen
Umweltministerium unterstützt wurde, haben die Beamtenpensionsfonds
bisher überhaupt keine Nachhaltigkeitskriterien in ihrer
Anlagestrategie berücksichtigt.
Man stelle sich nun mal vor was
passieren würde, wenn die Kassen fünf Prozent des Geldes in alternative
Energien investieren oder wenn man ihnen untersagt ihr Geld in Hedge
Funds anzulegen. Vermutlich liesse sich auf diese Weise so manches
Problem lösen, so wie dank ihnen so manches Problem erst entstanden
ist. Bis heute haben die Kapitalgeber – nämlich wir – nur einen
geringen Einfluss auf die Investitionen. Etwas mehr Demokratie würde
diesem System sicher gut tun. Doch dazu wäre es erforderlich, dass
jeder selbst bestimmen kann, in welche Kasse er einzahlt und nicht mehr
wie heute automatisch Teil der betriebseigenen Kasse wird.
Fehlinvestitionen wie in den amerikanischen Immobilienmarkt wären dann
zwar genau so wenig ausgeschlossen, aber jeder müsste selbst die
Verantwortung tragen.
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Erhalten von: Kleine Presseschau vom 19. Oktober 2011 | Die Börsenblogger , am 19-10-2011 13:20 (PB) [...] zeitenwende.ch: Mehr Demokratie für Pensionskassen [...] |