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Männer mit Idealen PDF Drucken E-Mail
Sonntag, 21. September 2008
Die Diskussion über Leerverkäufe und Spekulanten, welche die Börsen ins Unglück stürzen, ist nicht wirklich neu. Blogger Big Picture hat einen Zeitungsartikel der New York Times, datiert vom 18. Oktober 1930, ausgegraben und man höre und staune; Leerverkäufe gab es damals schon. Ein Verbot wurde aber selbst ein Jahr nach dem geschichtsträchtigen Crash vom Oktober 1929 nicht ausgesprochen.

Ein kurzer Ausschnitt aus dem New York Times-Artikel vom 18. Oktober 1930

Samuel Untermeyer, ein damals sehr bekannter Anwalt für Unternehmen und self-made-Millionär, sagte der New York Times, dass die Börse die Macht habe, Leerverkäufe zu verbieten oder einzuschränken. Dennoch sei es wichtig anzumerken, dass es eine ganz andere Frage sei, ob solch eine Massnahme auch empfehlenswert wäre. Die Börsenkommission hatte damals Spekulanten, deren Ziel es war, durch die Verbreitung von Gerüchten Gewinne zu erzielen, ausdrücklich gewarnt, dass sie diszipliniert werden würden. Aber sie bermerkten auch, dass gerade weil Leerverkäufe ein wichtiger Teil freier Märkte seien, deren Verbot zur Zerstörung des Marktes beitragen würden und deshalb sei ein Verbot ein zu hoher Preis, um die wenigen zu eliminieren, welche diese legitime Praxis missbrauchten.

Wie wurde damals diese Haltung gegen ein Verbot von Leerverkäufen begründet?

Die Antwort, so die Analyse der New York Times im Jahre 1930, könnte sein, dass so lange Aktienpreise nach oben beeinflusst werden können durch spekulative Käufe, welche mit Fremdkapital finanziert würden, so lange ist es unmöglich ein Gleichgewicht der Kräfte herzustellen, ausser man lässt Leerverkäufe mit geliehenen Aktien zu. 

Hört, hört, das waren noch Männer mit Idealen...

Zum Vergleich habe ich noch unter der Rubrik "Finanzgeschichte" ein wenig gestöbert und folgendes dabei gefunden:

Gab es 1921 lediglich rund 40 Investmentsgesellschaften in den USA, so stieg die Zahl bis Ende 1926 auf 160 an. Nur ein Jahr später gab es bereits 300 und allein zwischen 1927 und Herbst 1929 verzeichneten Investmentgesellschaften einen mehr als zehnfachen Anstieg ihres Gesamtvermögens.

Kommt uns diese Entwicklung bekannt vor?

Charles Mitchell, Direktor der National City Bank, versicherte am 15. Oktober 1929, dass sich die Börsen des ganzen Landes in einer guten Verfassung befanden. Sogar der amerikanische Präsident Hoover oder der Bankpräsident der Chase Bank, Albert H. Wiggin, verbreiteten ungetrübten Optimismus.

Die Geschichte wiederholt sich halt doch immer wieder, nur dass die Ignoranz trotz oder gerade wegen der Informationsflut sogar noch zunimmt.

Aktienchart Dow Jones 1923-1933

Image

Der komplette Artikel der New York Times:  October 18, 1930: NYT on Short Selling

Noch mehr zu den Leerverkäufen

Lügengeschichten 
Waterloo für die Hedge-Fonds-Industrie

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