Die Politiker waren in diesen Tagen wirklich nicht zu beneiden. Sie
mussten das Unmögliche möglich machen: die Schulden Griechenlands
reduzieren, ohne dass die Gläubiger zu einem Verzicht gezwungen werden
müssen. Wie kann man das eine tun und das andere nicht lassen? Diese
Frage bestimmte die Verhandlungen in Brüssel.
Ein Bankrott Griechenlands war keine Option, obwohl sie sich
ordnungspolitisch angeboten hätte. Denn die freie Marktwirtschaft
basiert auf der Ueberzeugung, dass jeder für seine Kreditvergabe selbst
verantwortlich ist. Doch ein solches „Kreditevent“ hätte eine
Derivatelawine in den dominoartig ineinander verschachtelten
Finanzindustrie losgetreten bis hin zum Systemkollaps. (Ob diese Angst berechtigt ist, wird von alphaville bezweifelt. Offenbar geht es nur um Versicherungsleistungen von 3.7 Milliarden US$ im Falle eines griechischen Bankrotts). Eine andere These ist, dass die EZB von einem griechischen Schuldenverzicht verschont werden musste, was durch den Begriff "private Gläubiger" auch möglich wurde.
Juristisch musste also aus zahlreichen Gründen ein Gläubigerverzicht vermieden werden und das wurde offenbar erreicht.
Da
die Beteiligung von Banken und Versicherungen an dem Schuldenerlass
freiwillig sei, seien die Abschreibungen nicht als Zahlungsausfall zu
werten, zitierte Reuters den Leiter der ISDA-Rechtsabteilung David
Geen. "Eine freiwillige Vereinbarung löst üblicherweise keine
CDS-Zahlungen aus." Die endgültige Entscheidung liege allerdings beim
zuständigen Fachausschuss des Verbands, dem sogenannten Determinations
Committee.
Da zu dem Ausschuss dieses Kommitees auch die
Deutsche Bank und die französische BNP gehört, fragt man sich
natürlich, was den Banken im Gegenzug offeriert worden ist. Hat sich
die Politik dazu überreden lassen, auf die Einführung einer
Finanztransaktionssteuer zu verzichten, wie das kürzlich ein Sprecher
einer Nachrichtensendung kolportierte? Oder wurden
Griechenland-Anleihen bei Drittinvestoren parkiert, welche von den
Massnahmen nicht betroffen sind? Wir wissen es nicht. Ueberraschend ist
der Stimmungswandel aber schon. Wie das Beispiel Josef Ackermann zeigt.
Der Chef der Deutschen Bank lobt die Gipfelbeschlüsse. „Beide
Seiten sind aufeinander zugegangen und haben im Interesse Europas einen
befriedigenden Kompromiss erzielt“, sagte er am Donnerstag in
Frankfurt. Noch im Juli nannte Deutsche-Bank-Chef Ackermann einen
21-prozentigen Schuldenverzicht „kaum verkraftbar“. Nun sind sogar 50
Prozent kein Problem.
Zwielichtig mutet auch die
Rekapitalisierung der Banken an. Die Finanzhäuser müssen per Mitte
nächsten Jahres ihr Kernkapital von 4 Prozent auf 9 Prozent erhöhen, um
für Verlustausfälle besser gewappnet zu sein. Was unter Kernkapital
genau verstanden wird, ist aber nachwievor unklar. Der Spiegel schreibt
dazu: „Hartes Kernkapital ist Geld, das in Krisenzeiten stets verfügbar
ist - sofort und bedingungslos. Dazu zählen Aktien und
Gewinnrücklagen.“ Das ist eine sehr schwammige Auslegung und für den
Investor nicht zu überprüfen, solange diese Zahl nicht eindeutig und
unmissverständlich in der Bilanz ausgewiesen wird.
El-Erian, der
Chef von PIMCO, dem grössten Vermögensverwalter weltweit, sagte
kürzlich, französische Banken hätten nur ein Kernkapital von 1-1.5 %.
Die Deutsche Bank liegt nach meinen Berechnungen bei 2.7 %. Das ist
weit unter den 4 %, die nun aufgestockt werden sollen. Es bleibt somit
die Erkenntnis, dass nichts gelöst ist und die Krise nur in die Zukunft
verschoben wurde. Mehr war aber auch nicht zu erwarten gewesen.
Die erstaunliche Volte des Josef Ackermann PIMCO's El-Erian Drops The F-Bomb: "French Banks Are Down To 1% Capital, Institutional Panic Underway" Griechen-Gläubiger erhalten kein Geld aus CDS-Versicherungen
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Geschrieben von: Sven, am 31-10-2011 01:14 Was ist diese Kernkapitalquote wert? - Habe ich das neulich im Radio richtig verstanden, dass diverse Staatsanleihen bei der Berechnung gar nicht mit reinfallen, die Quote de facto also niedriger ist als die offizielle Zahl? Geschrieben von: HRR, am 31-10-2011 08:10 @Sven Das ist richtig. Die Quote ist "gewichtet" und entspricht nicht dem Aktienkapital im Verhältnis zur Bilanzsumme. Wie aktuell gewichtet wird, entzieht sich meiner Kenntnis. Das ist das Uebel dieser Berechnung. Als Aussenstehender kann man kaum abschätzen, wie es einer Bank wirklich geht. Artikel kommentieren
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Erhalten von: Blog - start-trading.de , am 01-11-2011 11:37 (TB) Kauft China Europa?
Wie die Hebellösung der EU funktioniert und wieso die Chinesen am Hebel sitzen, erklärt dieser Artikel. Die Ausgangslage ist so schlicht wie einfach: Die Europäer haben kein Geld und brauchen dringend welches. Die Chinesen haben Unmengen an Geld und |