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Machtpoker in Brüssel PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 27. Oktober 2011
Die Politiker waren in diesen Tagen wirklich nicht zu beneiden. Sie mussten das Unmögliche möglich machen: die Schulden Griechenlands reduzieren, ohne dass die Gläubiger zu einem Verzicht gezwungen werden müssen. Wie kann man das eine tun und das andere nicht lassen? Diese Frage bestimmte die Verhandlungen in Brüssel.

Ein Bankrott Griechenlands war keine Option, obwohl sie sich ordnungspolitisch angeboten hätte. Denn die freie Marktwirtschaft basiert auf der Ueberzeugung, dass jeder für seine Kreditvergabe selbst verantwortlich ist. Doch ein solches „Kreditevent“ hätte eine Derivatelawine in den dominoartig ineinander verschachtelten Finanzindustrie losgetreten bis hin zum Systemkollaps. (Ob diese Angst berechtigt ist, wird von alphaville bezweifelt. Offenbar geht es nur um Versicherungsleistungen von 3.7 Milliarden US$ im Falle eines griechischen Bankrotts). Eine andere These ist, dass die EZB von einem griechischen Schuldenverzicht verschont werden musste, was durch den Begriff "private Gläubiger" auch möglich wurde.

Juristisch musste also aus zahlreichen Gründen ein Gläubigerverzicht vermieden werden und das wurde offenbar erreicht.

Da die Beteiligung von Banken und Versicherungen an dem Schuldenerlass freiwillig sei, seien die Abschreibungen nicht als Zahlungsausfall zu werten, zitierte Reuters den Leiter der ISDA-Rechtsabteilung David Geen. "Eine freiwillige Vereinbarung löst üblicherweise keine CDS-Zahlungen aus." Die endgültige Entscheidung liege allerdings beim zuständigen Fachausschuss des Verbands, dem sogenannten Determinations Committee.

Da zu dem Ausschuss dieses Kommitees auch die Deutsche Bank und die französische BNP gehört, fragt man sich natürlich, was den Banken im Gegenzug offeriert worden ist. Hat sich die Politik dazu überreden lassen, auf die Einführung einer Finanztransaktionssteuer zu verzichten, wie das kürzlich ein Sprecher einer Nachrichtensendung kolportierte? Oder wurden Griechenland-Anleihen bei Drittinvestoren parkiert, welche von den Massnahmen nicht betroffen sind? Wir wissen es nicht. Ueberraschend ist der Stimmungswandel aber schon. Wie das Beispiel Josef Ackermann zeigt.

Der Chef der Deutschen Bank lobt die Gipfelbeschlüsse. „Beide Seiten sind aufeinander zugegangen und haben im Interesse Europas einen befriedigenden Kompromiss erzielt“, sagte er am Donnerstag in Frankfurt. Noch im Juli nannte Deutsche-Bank-Chef Ackermann einen 21-prozentigen Schuldenverzicht „kaum verkraftbar“. Nun sind sogar 50 Prozent kein Problem.

Zwielichtig mutet auch die Rekapitalisierung der Banken an. Die Finanzhäuser müssen per Mitte nächsten Jahres ihr Kernkapital von 4 Prozent auf 9 Prozent erhöhen, um für Verlustausfälle besser gewappnet zu sein. Was unter Kernkapital genau verstanden wird, ist aber nachwievor unklar. Der Spiegel schreibt dazu: „Hartes Kernkapital ist Geld, das in Krisenzeiten stets verfügbar ist - sofort und bedingungslos. Dazu zählen Aktien und Gewinnrücklagen.“ Das ist eine sehr schwammige Auslegung und für den Investor nicht zu überprüfen, solange diese Zahl nicht eindeutig und unmissverständlich in der Bilanz ausgewiesen wird.

El-Erian, der Chef von PIMCO, dem grössten Vermögensverwalter weltweit, sagte kürzlich, französische Banken hätten nur ein Kernkapital von 1-1.5 %. Die Deutsche Bank liegt nach meinen Berechnungen bei 2.7 %. Das ist weit unter den 4 %, die nun aufgestockt werden sollen. Es bleibt somit die Erkenntnis, dass nichts gelöst ist und die Krise nur in die Zukunft verschoben wurde. Mehr war aber auch nicht zu erwarten gewesen.

Die erstaunliche Volte des Josef Ackermann
PIMCO's El-Erian Drops The F-Bomb: "French Banks Are Down To 1% Capital, Institutional Panic Underway"
Griechen-Gläubiger erhalten kein Geld aus CDS-Versicherungen

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RSS Kommentare Kommentare (2)

Geschrieben von: Sven, am 31-10-2011 01:14
Was ist diese Kernkapitalquote wert? - Habe ich das neulich im Radio richtig verstanden, dass diverse Staatsanleihen bei der Berechnung gar nicht mit reinfallen, die Quote de facto also niedriger ist als die offizielle Zahl?

Geschrieben von: HRR, am 31-10-2011 08:10
@Sven

Das ist richtig. Die Quote ist "gewichtet" und entspricht nicht dem Aktienkapital im Verhältnis zur Bilanzsumme. Wie aktuell gewichtet wird, entzieht sich meiner Kenntnis. Das ist das Uebel dieser Berechnung. Als Aussenstehender kann man kaum abschätzen, wie es einer Bank wirklich geht.


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