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Kurse machen Nachrichten PDF Drucken E-Mail
Samstag, 15. August 2009
Eine der heftigsten Kursrallies liegt hinter uns und wer nun glaubt, dass sich die Warnzeichen mehren, der sieht sich getäuscht. Es läuft andersrum. Je höher die Kurse, desto euphorischer die Berichte. Kommentatoren verhalten sich da nicht anders als andere Berufsgruppen, sie machen nicht die Stimmung, sie werden von ihr beeinflusst. Deshalb sollte man auch nicht allzu gross auf den Inhalt der massenmedialen Wirtschaftsberichte achten und sich über deren Inhalt wegen zu heftigen Kopfschüttelns eine Nackenzerrung einhandeln, das bringt nichts. Der Wert der Nachrichten liegt in ihren Schlagzeilen und die verhalten sich zyklisch - ein interessanter Indikator, wenn man ihn zu nutzen weiss.

Harryinfo regt sich im DGF gerade mächtig über einen pseudowissenschaftlichen Artikel über den Zustand des deutschen Wirtschaft auf, der es angeblich viel, viel besser geht , als allgemein bekannt. Sein Kommentar...

Bei diesem Artikel sträuben sich mir wirklich alle Nackenhaare und alle Alarmanlagen wurden aktiviert! Hier drängt sich einfach der Verdacht auf, dass medial versucht wird, mit allen Mitteln in der Gesellschaft eine positive Stimmung zu erzeugen, obwohl die Realität ganz anders aussieht.

Am Ende stellt man sich geradezu zwangsläufig die Frage, welche Absicht die vier (!!) Autoren mit diesem Artikel verfolgen. Sachlich fundierte Informationen bzw. eine zusammenfassende Darstellung der Wirtschaftsentwicklungen ist das nicht. Es ist eine geradezu hahnebüchende Anhäufung von Mutmaßungen und Meinungen, die ich in einer derartigen Konzentration bisher noch nicht gesehen habe.


Statt hier einen Komplott der Autoren zu vermuten, wäre es ertragreicher, den wahren Wert solcher Berichte zu erkennen, die man in der gleichen Stimmungslage in fast allen Zeitungen vorfindet: Kurse machen Nachrichten. Höhepunkte an den Börsen gehen immer einher mit zuviel Euphorie in den Gazetten. Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben. Wer also an der Börse engagiert ist, nimmt solche Berichte als Warnzeichen, dass die Rally schon bald auslaufen könnte.

Zum Spass habe ich mal die Schlagzeilen durchgesehen, die einer der Autoren des oben erwähnten Artikels im März produziert hat, als die Kurse nach am Boden lagen:

Die Globalisierung frisst ihre Kinder
Rezession wirft Europas Staaten weit zurück
Zentralbank sieht schwarz für Europas Wirtschaft
Deutschland droht Absturz um sieben Prozent
"Es wird keinen baldigen Aufschwung geben"


und jetzt die Schlagzeilen vom gleichen Autor im August:

Die Rückkehr des Wachstums
Die Stärke unserer Wirtschaft wurde unterschätzt
Das Ende der Rezession rückt näher
Experten schrieben deutschen Export zu früh ab
"Es ist mehr Zuversicht aufgekommen"


Wer sich über die Massenmedien aufregt, hat nur nicht begriffen, wie man sie für sich nutzen kann. Das ist die Erkenntnis, die auch ich nur allzu gerne vergesse. Vielleicht sollte ich mir meinen eigenen Spruch zur Erinnerung an den Spiegel kleben.

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RSS Kommentare Kommentare (2)

Geschrieben von: Michael, am 15-08-2009 19:51
Wie war das vergangenes Jahr mit den Rohstoffpreisen und Öl ?

Genau.

Letzten Endes entscheiden die realen Zahlen, dahinter stehen Zahlungsverpflichtungen. Dafür wurde Geld durch Gewinn generiert ja, oder nein. Oder Kredite richtiger die Finanzierung von Schulden durch neue Schulden sind billig ja, oder nein ?

Genau.

Bei solchen Sirenengesängen stopft man sich Wachs in die Ohren oder lässt sich am Mast festbinden, sonst ist man bald nach dem Erklingen TOT.
:(

Geschrieben von: eachtradingday website, am 16-08-2009 18:55
absolut richtig und sehr gut beobachtet.

denke eine von sun tzus zitaten würde hier sicherlich passen ;)

hier lege dann wohl ein typischer kontraindikator vor.

gruss
eachtradingday


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