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Keine Rettung für Griechenland? PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 6. Januar 2010
Griechenland kann nicht auf Hilfe der anderen EU-Staaten bauen, sagte EZB-Direktionsmitglied Jürgen Stark der italienischen Zeitung "Il Sole 24 Ore". Damit ist verbal die Tür zur Subprime-Krise auf Staatsebene schon mal vorsichtig geöffnet worden. Die meisten Experten glauben natürlich nicht daran, aber das hatten wir auch schon zu Beginn der Immobilienkrise.

"Die Märkte täuschen sich, wenn sie davon ausgehen, dass andere Mitgliedsstaaten in ihre Brieftaschen greifen werden, um Griechenland zu retten", sagte Stark der italienischen Zeitung "Il Sole 24 Ore" (Mittwochausgabe). "Die Verträge sehen eine Nicht-Rettungs-Klausel vor, und diese Regeln müssen eingehalten werden."

Das Argument ist schlecht, denn Regeln werden dauernd gebrochen. Man denke da nur einmal an die Maastricht-Kriterien. Ich interpretiere diese Aussage deshalb viel mehr in die Richtung, dass Griechenland nicht "too big to fail" ist und vorallem auch nicht "too interconnected to fail" aus Sicht der EZB. Ich teile zwar diese Meinung nicht, aber der Fall von Lehman Brothers hat gezeigt, dass man sich nicht zu sicher sein sollte.

Auch Martin Wolf von der Financial Times hat sich dem Thema angenommen und fragt: Was wäre geschehen während der Finanzkrise, wenn der Euro nicht existiert hätte? Und liefert kurzum die Antwort: Eine Währungskrise innerhalb der EU. Dank dem Euro wurde diese zwar vermieden, aber wenn sich die schwachen Länder nicht über eine Währungsabwertung neu positionieren können, dann müsse irgendetwas anderes geschehen, um das Gleichgewicht wieder herzustellen, so Wolf weiter.

Wie unterschiedlich die Länder innerhalb der EU-Zone positioniert sind, zeigen Zahlen aus dem Jahr 2006. Deutschland hatte massiv Kapital exportiert mit einem Ueberschuss von 190 Milliarden US$ (6.5 % des BIP). Noch extremer war die Situation in den Niederlanden mit einem Kapitalexportüberschuss von 64 Milliarden US$, was 9.4 % des BIP entsprach. Auf der anderen Seite der Statistik stehen die üblichen verdächtigen. Spanien importierte 111 Milliarden US$ (9 % des BIP).

Manche hätten argumentiert, so Wolf weiter, dass dies innerhalb einer Währungsunion keine Rolle spiele, doch das sei falsch. Ich könnte Martin Wolf nicht mehr zustimmen.

Die ganze Prosa gibt es bei der FT: The eurozone’s next decade will be tough

Dazu passend die bereits erschienenen Blogartikel: Schlechtes Omen für den Euro? und Die Fehlkonstruktion Euro kommt auf den Prüfstand

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RSS Kommentare Kommentare (15)

Geschrieben von: MNB website, am 06-01-2010 13:11
Da hab ich noch was aus der FTD: .Statt die griechischen Haushaltsdefizite zu geißeln, sollte sich die EU besser über das Lohndumping der Deutschen aufregen. Denn: Wer einen schwer verletzten Menschen auf der Straße findet, schließt ja auch nicht automatisch auf dessen eigene Schuld, sondern hilft erst mal und fragt ihn vielleicht: "Wer hat Ihnen das angetan?"

Link

Sol heißen: Griechenland ist der Anfang. Und wenn wir weiter so machen, sind Spanien, Portugal und Italien nicht das Ende. - D macht nunmal einen großteil seines Handels mit den Ländern des Euro bzw. der EU (NATO nicht zu vergessen). Exzessiv ausgelebte Wettbewerbsvorteile diesen Ländern gegenüber sind ein Nullsummenspiel, da diese von den stärkeren ja sowieso wieder aufgefangen werden müssen. Und sei es, weil sie als Nachfrager ausfallen oder weil sie erhöhte Transferleistugen beziehen. Mit einem aus-dem-Euro-schmeißen ist da nichts getan...

Geschrieben von: Balu, am 06-01-2010 18:54
Quote:


Statt die griechischen Haushaltsdefizite zu geißeln, sollte sich die EU besser über das Lohndumping der Deutschen aufregen.



Genau ist das Problem. Die ganze Meinungsmache über den Wirtschaftsstandort Deutschland ab den 90zigern hat sich als reine Lobbyarbeit entpubt. Dank der Politik der CDU,SPD,FDP und den Grünen sind die Reallöhne in Deutschland in den letzten 20 Jahren konstant gesunken und die Gewerkschaften wurden systematisch geschwächt. Darüber hinaus wurde dadurch die Binnennachfrage substanziell abgebaut. Deutschland volle Fahrt in Richtung Bananenrepublik!

Geschrieben von: Balu, am 06-01-2010 18:56
Ich meinte natürlich entpuppt. :grin

Geschrieben von: Bernd website, am 09-01-2010 19:48
Ich befürchte auch, dass Griechenland nur eine erster Stein in der EU-Mauer ist der eben zu bröckeln beginnt. Und daher wird mit Sicherheit irgendein "Rettungsplan" auftauchen wenn es wirklich zu ernsthafteren Problemen kommen wird.
Was jetzt alles gesagt wird, dient doch wahrscheinlich eher dazu Druck auf Griechenland auszuüben und eben kein vorgegebenes "Sicherheitsznetz" zu vermitteln. Letztendlich glaube ich halt doch dass Grichenland "too interconnected to fail" sein wird.

Geschrieben von: Sasha website, am 14-01-2010 08:25
Da kann ich dir nur zustimmen Bernd.

Geschrieben von: buttgru website, am 19-01-2010 19:43
Ich denke die Ankündigung, Griechenland nicht helfen zu wollen, soll den notwendigen Druck aufbauen, damit die Griechen in die Gänge kommen.
Natürlich wird Griechenland dann unterstützt werden (müssen). Ein Staatsbakrott hätte viel zu viele Auswirkungen. Auch auf all die systemrelevanten Banken, die Griechenland Geld geliehen haben.

Geschrieben von: Meckerziege website, am 22-01-2010 14:13
@ Balu:

das Entpubte ist wohl ein typischer Freudscher Verschreiber gewesen. Was ist da auch rausgekommen bei der Lobbyarbeit fürs dumme Volk - außer heißer stinkender Luft ? NIX

Geschrieben von: Griechische-Mythologie website, am 28-01-2010 11:21
Die Frage ist ja auch, was die größere Gefahr darstellt: einen wirtschaftlich kaputten Staat, der Mitglied der Euro-Zone ist, zugrunde gehen zu lassen oder aber finanziell zu unterstützen und somit das Signal zu senden, dass die Regeln der EU im Hinblick auf die Verschuldung ihrer Mitglieder nicht wirklich ernst gemeint sind und im Zweifel auch nicht durchgesetzt werden können.

Geschrieben von: Balu, am 29-01-2010 12:41
Jetzt fordern EU-Beamte auch noch, das Krisenländer wie Spanien, Irland und Griechenland sich bei den Lohnabschlüßen an Deutschland ein Beispiel nehmen sollen! Dabei trägt Deutschland eine Mitschuld, durch die seit 20 Jahre sinkende Reallöhne, an der Wirtschaftlichen Misere in Griechenland und Spanien!
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,673577,00.h tml
Das ist der Gipfel der Perversion, die Wirtschaft in Spanien und Griechenland lebt doch von der Binnennachfrage, außer Lebensmittel exportieren diese Länder doch nichts, beide Länder habe stets ein Außenhandelsdefizit. Zusätzlich wird die landwirtschaftliche Produktion von Niedriglöhnen illergaler Einwanderer gestützt. Einzig bei Irland sind moderatere Lohnabschlüsse sinnvoll, aber die Wirtschaft ist in Irland schon sehr dereguliert, die machen, dass schon von alleine und brauchen keine Ratschläge von EU-Beamten.
Ich bin immer sehr erstaunt, wie wenig Wissen Beamte und Politiker über wirtschaftliche Zusammenhänge besitzen, wenn Griechenland und Spanien diese Forderungen umsetzen, dann werdem sie die nächsten 10 Jahre nicht mehr aus der Krise rauskommen, ähnlich wie Japan, das sich seit Anfang der Neunziger in einer Dauerkrise befindet.

Geschrieben von: boersenewyork.de website, am 13-02-2010 18:33
Griechenland ist ein kleines Land und wird völlig überbewertet. 36 Millionen Menschen, 39.000 Dollar BIP pro Kopf. Kalifornien ist auch pleite. In dem Sonnenstaat leben 3 Mal so viele Menschen. Dieses ganze Gerede um Island und andere Miniländer geht mir wirklich auf den Geist.
manche themen werden auch von den Medien heißgekocht. Genauso das Wetter. dass wir schnee im Winter haben, scheint auch neue zu sein.

Geschrieben von: hollander website, am 17-02-2010 22:19
Europa kommt zu hilfe. Wenn Griechenland nicht geholfen wird sind nachstens Spanien, Itaiën oder Portugal an der reihe.Diese länder werden schon dafür eintreten das geholfen wird denn sie werden diese hilfe auch nötig haben. javascript:ac_smilie(':upset')

Geschrieben von: Der Ausländer website, am 27-02-2010 14:42
@hollander
Ich würde allerdings Irland auch noch in diese Reihe aufnehmen. Allerdings finde ich es bedauerlich, dass die Griechen zum Boykott von Deutschen Produkten aufgerufen haben - zumindest laut der Zeitung mit den großen Buchstaben.

Geschrieben von: nlp würzburg website, am 07-03-2010 11:59
dafür ist die Europa doch da, sich gegenseitig zu helfen......

Geschrieben von: Sven, am 09-03-2010 22:02
Hallo. Gehört nicht zum Post, aber an den Bloginhaber: Wäre ein Post möglich, ob und wann es hier weitergeht? Ohne Deine Posts gibt es auch keine Kommentare von kosh...^^ Grüße

Geschrieben von: HRR, am 10-03-2010 17:42
Ich kann deine Frage nicht beantworten. Zur Zeit habe ich einfach keine Lust zu schreiben. Und ohne Lust zu schreiben wäre persönliche Ausbeutung. Das tue ich mir nicht an.


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