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Jetzt ist die Schweizer Politik gefordert |
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Mittwoch, 1. Oktober 2008 |
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Seite 1 von 2 Politiker hüben wie drüben beschwören das Volk schon fast mantrahaft,
dass die Banken sicher seien. Das Schreckensszenario eines Bankruns
sitzt ihnen tief im Nacken. Doch wie glaubwürdig solche Aussagen sind,
zeigt der Unwillen der Banken, sich selbst Geld auszuleihen. Der
Interbankenmarkt ist komplett ausgetrocknet.
Weshalb sollen die Menschen den Politikern vertrauen, wenn die Banken
sich selbst nicht über den Weg trauen? Wer weiss wohl besser Bescheid?
Die
politischen Parolen sind Beruhigungspillen, um das Unvermeidliche nicht
wahr werden zu lassen, doch das Unvermeidliche ist bereits an vielen
Orten Tatsache geworden - die Beschwörungen von Bankmanagern und
Politikern der vergangenen Monate waren meist schon Tage später keinen
Pfifferling mehr wert.
Exemplarisch dafür die Worte der helvetischen Neo-Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf:
Die Grossbanken «gehören nach wie vor zu den Banken, die noch gut kapitalisiert dastehen», sagte die Bundesrätin.
Gut
kapitalisiert sind die Grossbanken nur auf Basis des Risikomodells der
Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Das Dumme daran ist nur,
dass diese Risikomodelle versagt haben. Nimmt man aber die
Kernkapitalquote als Grundlage für die Sicherheit, dann sieht es düster
aus.
Mehr dazu hier: Ist die BIZ die Ursache der Kreditkrise?
Bei der UBS steht einem Aktienkapital von 44 Milliarden
CHF eine Bilanzsumme von 2'077 Milliarden CHF gegenüber. Das ergibt
eine Eigenkapitalquote (Kernkapital) von 2.11 Prozent. (Quelle ). Vor
einem Jahr standen 51 Milliarden CHF einer Bilanzsumme von 2'539
Milliarden CHF gegenüber. Damals lag die Eigenkapitalquote bei 2 %. Die
Finanzkrise kam somit nicht überraschend. Genau so wenig wie für viele
andere Banken auch, die mit vergleichbar hohem Leverage (Einsatz von
Fremdkapital) arbeiten.
Die Verluste der UBS im amerikanischen
Hypothekenmarkt waren verglichen mit der Bilanzsumme von damals 2539
Milliarden CHF marginal, verglichen mit dem tiefen Eigenkapital -
FATAL! Das Glück der UBS hingegen war, dass die Krise zuerst bei ihr
sein Unwesen trieb und sie früher als viele andere das Aktienkapital
aufstocken und die Bilanzsumme reduzieren konnte.
Heute steht
die UBS im Vergleich zu den anderen Schwergewichten in der
Finanzindustrie relativ gut da, mit Blick auf eine Rezession in Europa
und den USA ist die Lage aber nachwievor katastrophal. Man braucht
nicht viel Phantasie um abschätzen zu können, wie wenig es braucht, um
die UBS in den Abgrund zu stürzen bei einem Aktienkapital von 2.11
Prozent. Dass andere europäische Banken noch schlechter dastehen oder
wie die Credit Suisse nicht viel besser, mag in diesen Zeiten nur wenig
beruhigen.
Zurück zur Politik: Dass die Bundesrätin
Widmer-Schlumpf Beruhigungspillen an die Investoren und Kunden der
Grossbanken verteilt, ist aus staatspolitischen Gründen verständlich
wenn nicht gar Pflicht. Doch allein zu hoffen, dass man gut durch diese
Krise hindurch schlittert ist keine Strategie für ein Land, dessen
Finanzplatz zu den grossen Arbeitgebern und Steuerzahlern gehört. Was
also ist zu tun?
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